Ende letzten Jahres habe ich in Winterthur einen Bekannten fotografiert. Er sagte irgendwann und ganz plötzlich, meine Art erinnere ihn an die von Annina. Annina? Eine Künstlerin. Sie malt. Natürlich wurde ich neugierig und habe -zurück am Rechner- sofort Kontakt zu Ihr aufgenommen.
Und es war wirklich Liebe auf das erste Wort.
Wir schrieben als hätten wir dies schon lange Jahre getan und ich bewundere seitdem immer wieder und auf´s neue fasziniert Ihre Werke auf ihrer Homepage.
Am 1.Mai eröffnet Annina Holzer, die ihren Bachelor of Illustration an der Kunsthochschule Luzern gemacht hat, im Rahmen des internationalen Comix Festivals ihre erste eigene Ausstellung in Luzern. Seit Ihrem 16. Lebensjahr war sie mit Ihren Arbeiten bereits Teil von verschiedenen Ausstellungen.
Wir haben Annina zu diesem Ereignis interviewt. Ihre Worte und mehr Bilder findest du nach dem Jump.
UD: Wann hast du die Liebe zum malen/ zu deiner Kunst entdeckt?
Annina: Naja, Kinder malen ja eigentlich alle gerne (jedenfalls bevor Lehrer mit dem Rotstift hinter ihre Zeichnungen gehen).Bei mir hat diese Vorliebe einfach nie aufgehört. Als Kind hatte ich das innere Bedürfnis alles zu bemalen. Um vom Ärger einigermassen verschont zu bleiben bekritzelte ich Tische, Stühle, Schubladen, den Kachelofen nur von unten oder schob die Möbel von der Wand und bemalte deren Rückseite oder die Wand dahinter. Ich hatte so viele Geschichten im Kopf, die ich erzählen wollten und malerisch konnte ich mich präziser ausdrücken als mit der Sprache. Es war wie eine Sucht, ich kreierte so meine eigenen Welten in denen ich alleine Regie führen konnte.
Im vergleich zu Früher komme ich heute auch ganz gut eine Weile ohne malen oder zeichnen aus. Das sammeln von Geschichten kann ich jedoch nicht bremsen. Eine in einem Einkaufswagen liegen gebliebene Einkaufsliste, eine Taubenfeder und ein rostiger Draht erzählt mir bereits eine Geschichte. Kommt dazu noch die Schlagzeile einer Gratis Zeitung oder ein aufgeschnappter Wortfetzen ist das für mich bereits der Anfang eines Bildes. So hat sich ein ordentlicher Fundus angesammelt aus dem ich schöpfen kann und wenn ich etwas tolles liegen sehe muss ich mir schon manchmal sagen: “Nein, nicht alles aufheben was du auf der Strasse siehst!”
UD: Wie kam es zu dieser Ausstellung?
Annina: Das Fumetto Luzern als internationales Comix-Festival ist weit herum bekannt. Neben den grossen Comickünstlern werden auch jedes Jahr junge Talente und aktuelle Strömungen der Kunstformen Zeichnen und Comic gezeigt. Ich habe mich einfach mit meinem Portfolio vorgestellt.
UD: Was möchtest Du dem Betrachter Deiner Bilder vermitteln?
Annina: Ich möchte den Betrachter auffordern, die Welt mit neuen Augen zu entdecken. Ich erzähle dem Betrachter eine Geschichte, die er durch seinen individuell geprägten Hintergrund mit entstehen lässt. Deshalb sehe ich mich klar als Illustratorin und nicht als Künstlerin.
UD: Gibt es da eine bestimmte Intention oder malst Du einfach nach Gefühl??
Annina: Nein, ich male nicht einfach nach Gefühl, das wäre dann reine Dekoration. Meinen Bildern liegt immer eine Auseinandersetzung zu Grunde. Das kann ein Text sein, ein Lied, eine Aussage, Fundobjekte die sich zu einer Geschichte zusammen fügen, ein Thema oder auch ein Gefühl. Ich denke jede Kultur bedient sich bestimmter Symbole um etwas lesbar zu machen. Das ist in der Illustration sozusagen Voraussetzung für den Betrachter um irgendwo anknüpfen zu können. Bei Auftragsarbeiten ist die Grundlage meistens gegeben.
Da geht es in den meisten Fällen eher darum raus zu finden, welche Bilder der Auftraggeber sozusagen “vor seinem geistigen Auge” hat und dies geschickt mit meiner Vorstellung zu kombinieren.
UD: Wie entstehen Bilder in Deinem Kopf?
Annina: Huff, eine schwierige Frage! Kann ichs auch zeichnen?? ;-) Ich mache das so: zuerst verinnerliche ich meine Fundsachen, Wortschnipsel, Gefühle et cetera, schüttle dann mehrmals heftig durch bis sich eine richtig gute Mixtur bildet, die mir dann einfach aus dem Ärmel kriecht, wenn ich zu malen beginne!
In Wirklichkeit ist es natürlich nicht ganz so einfach und manchmal sogar mühsam. Um ein Bild oder eine Bilderreihe beginnen zu können brauche ich ganz viel Konzentration, meine Arbeitsumgebung muss stimmen und ich muss in einen eigenen Rythmus kommen. Das macht mich dann jeweils etwas asozial, weshalb ich auch gerne Nachts arbeite.
UD: Kann man Deine Bilder käuflich erwerben?
Annina: Ja natürlich, am besten machen sie sich in Schlössern und Villen! :-) Der Verkauf der Originale ist jedoch nicht mein Hauptziel. Die Bilder werden digitalisiert und erscheinen meist in bearbeiteter Form in Zeitschriften, Büchern, auf CD Covers, Theater Programmen usw. Ich freue mich natürlich, wenn ich meine Bilder verkaufe, stell dir nur vor wenn ich auch noch meine Bilder sammeln müsste!
Annina sagte mir am Ende des Interviews lachend, dass sie auf Ihre Bilder auch schon grauenhaftes Feedback bekam im Sinne von: das einige Bilder grauenhaft seien. Das ist, was wir mögen. Provokation. Ironie. Humor. Denn das ist der Ausdruck von Kunst. Es ist Kunst in einem Menschen Gefühle durch etwas von-Dir-erschaffenes auszulösen. Annina schafft das. Respekt an Dich Annina. und Liebe und Glück und wir sind gespannt auf Deine weiteren Geschichten.













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