Reiserückblick Tel Aviv – Shalom ihr zwei Welten

Heute haben wir das Vergnügen euch unsere Auslandskorrespondentin vorzustellen: Larissa aka Karla Kolumna, wird uns als Gastbloggerin zur Seite stehen und die grosse weite Welt zu ihrem Spielplatz machen und darüber berichten. Diesmal ging die Reise nach Tel Aviv.

Mitten zwischen Mädchen mit langen blauen Röcken und hellblauen Blusen finde ich mich in kurzen Jeans und Unterhemd wieder und werde begutachtet, wie ein seltenes und anzügliches Kunstwerk. Ich stehe im orthodoxen Viertel von Jerusalem und begreife in diesem Moment, dass es zwei Welten sind, in denen man sich hier bewegt….

Vor zwei Stunden war ich noch in einem Secondhand Laden in Tel Aviv und konnte mich nicht zwischen dem geblümten Blouson und dem gestreiften Retro Badeanzug entscheiden und nach 40 Busminuten scheint man sich hier wegen der unausgesprochenen “Uniformiertheit“ gar nicht dafür zu interessieren.

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Tel Aviv ist das Stückchen Berlin in Israel. Es gibt einen wahnsinnigen Verkehr – cholerische Busfahrer- aufgeheitze Geschäftsmänner und genervte Studenten auf Fahrrädern – alle treffen auf der Dizengoffstreet zusammen. Zwischen Jungdesignern, Secondhand Läden, Cafes/Bars und Zooläden, findet hier der alltägliche Wahnsinn statt. Ich laufe durch das Chaos und vergesse fast, dass ich in Israel bin. Gestern noch an der Promenade in einem Club Bier trinken und Studenten aus aller Welt treffen- heute durch die Altstadt bis zur Klagemauer laufen und versuchen die Religion zu begreifen – Ich darf wegen meiner knappen Shorts nicht auf das Gelände der al-Aqsa-Moschee (المسجد الأقصى) um die  Ehre zu wahren.

Ich respektiere die Entscheidung und laufe durch die Altstadt zurück, wo mir eine Horde Chinesen begegnet, die als „Event“ das Kreuz Jesu durch die via Dolorosa tragen und sich dabei gegenseitig fotografieren. Wo bleibt da die eben angesprochene Ehre?!

Tel Aviv ist wahnsinnig stolz, modern und fortschrittlich – die Technologie spielt eine enorme Rolle und die Wirtschaft blüht- es gibt genug Arbeit. Die jungen Frischen sind wie man so schön sagt „open minded“- hip, cool und feierbegeistert und genießen ihr Leben, wie wir es hier in Europa tagtäglich tun. Die anderen ziehen bodenlange Kleider an, verdecken ihr Haar, haben in meinem Alter bereits Mann und einen Haufen Kinder, kümmern sich um die Familie und den Haushalt und sehen mich mit Entsetzen und ein wenig Neid an, während ich viel zu nackt und trotzdem schwitzend durch ihre Straßen schlendere.

Um mit dem Bus wieder zurück nach Tel Aviv zu fahren, muss ich in den Busbahnhof gehen. Ich stelle mich an einer Traube von Menschen an und muss meine Tasche abgeben und werde, wie am Flughafen durchgecheckt – inklusive Metallpiepprüfgerät- bevor ich mein Ticket kaufen kann. Zwei Meter weiter an einem anderen Durchgang sehe ich wie zwei Secruritymänner, die eine kleine Menge einfach durch gehen lässt, weil die Schlange zu lang wird. Im Bus setze ich mich neben einen orthodoxen Juden, hinter mir sitzt ein junger Soldat mit Maschinengewehr auf dem Schoss und nach einer Weile bemerke ich, dass jeder mit seinem I-phone beschäftigt ist. In diesem Moment bemerke ich, dass unsere Welten vielleicht ganz vorsichtig an einigen Stellen zusammen wachsen und verstehe: irgendwo sind alle zwei Welten dann doch gleich- Shalom




Posted on by Gastblogger in Kultur

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