Make the world a better place… mit GLÜCKSSTOFF

Hallo zurück :-) mit einem weiteren Teil aus meiner kleinen Interviewreihe “Make the world a better place”… Diesmal habe ich mir Björn Hens vorgeknöpft, den ich beruflich kennen lernen durfte, … aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen… Die Webseite findet ihr jedenfalls hier.

Enjoy!!

Lena: Glücksstoff – wenn ich das einfach so lesen würde,wäre meine erste Assoziation irgendwas mit Drogen. Es klingt in jedem Fall verdammt nach Hippie. Wie kamt ihr denn aber wirklich zu diesem Namen und was bedeutet er für euch?

Björn Hens: Der Name war ein spontaner Einfall meiner Partnerin und glücksstoff-Designerin Daniela Lehle, nachdem wir uns mit der Problematik der globalisierten Industrie, und im speziellen der Textilindustrie, auseinandergesetzt hatten. Durch die fehlenden bzw. geringen Arbeits- und Umweltstandards, die wir in den reichen Ländern für unseren günstigen Konsum ausnutzen, entsteht üblicherweise sehr viel Leid in den produzierenden ärmeren Ländern. Dabei wollten wir nicht mitmachen. So entschieden wir uns, einen anderen Weg zu gehen und Mode zu machen, die den Menschen einen anständigen Job mit fairer Bezahlung ermöglicht und dabei gleichzeitig die Umweltbelastung stark reduziert, die der Anbau von Baumwolle, die Färbung dieser und die Produktion im Ganzen verursacht. Dieser Mehrwert für alle kam in dem Namen “glücksstoff” gut zum Ausdruck, weshalb wir uns direkt für diesen entschieden. Es geht also weniger darum, dass der Konsument durch den Kauf ein Glücksgefühl bekommt, wie das bei Drogen der Fall wäre, um deinen Anfangsgedanken nochmals aufzugreifen, sondern dass die Arbeiterin dieses Glückgefühl hat, wenn sie einer anständig bezahlten Arbeit nachgehen kann, von der sie ihre Familie ernähren kann. Dies ist beim konventioneller Mode leider selten der Fall.

Lena: Was tut ihr denn so bei Glücksstoff?

Björn Hens: Wir lachen, weinen und machen nebenher noch Mode. Im Ernst? Wir arbeiten. Wir suchen nach Lieferanten für zertifizierte Stoffe, bei denen sichergestellt ist, dass die Arbeitsstandards der International Labour Organisation eingehalten werden und die zudem natürlich biologisch produziert wurden. Die Arbeitsstandards enthalten Rechte, die für uns als Deutsche normal sind, die aber in kaum einem anderen Land so bestehen. Dazu gehört eine existenzsichernde Entlohnung, die oft über dem lokalen Mindestlohn liegt, das Recht auf Gewerkschaftsfreiheit, Urlaubszeitregelungen, Verbot von Kinderarbeit und Diskriminierung oder auch Arbeitsschutzmaßnahmen. Zur biologischen Produktion gehören biologisch angebaute Rohstoffe, in unserem Fall im Moment hauptsächlich Biobaumwolle, Umweltstandards bei der Ausrüstung der Stoffe wie z.B. beim Färben, aber auch Details wie nachhaltiges und ungiftiges Zubehör, wie z.B. Knöpfe, Reißverschlüsse oder auch Nähgarne. Wo glücksstoff noch weiter geht als die allgemeinen Standards erfordern ist bei der Verwendung von tierischen Materialien. Wir verwenden weder Leder, Seide, Wolle noch andere tierische Stoffe wie z.B. Hornknöpfe, weil wir zum einen der Meinung sind, dass der Umgang mit unseren Mitlebewesen noch weit entfernt von Nachhaltigkeit ist, und zum anderen, weil die Produktion tierischer Stoffe eine hohe Umweltbelastung darstellt und diese unsere Meinung nach nicht mit Nachhaltigkeit zusammen passt. Aus diesem Grund bezeichnen wir uns als ein veganes Modelabel. Das erste vegane Öko-Modelabel wohl bemerkt. Aus diesen Rohstoffen entstehen dann in der Region Stuttgart unsere Kollektionen, die in einer kleinen Familiennäherei südlich von Stuttgart genäht werden.


Lnea: Was tust du dabei? Und wer bist du überhaupt?

Björn Hens: Ich habe Sozialpädagogik studiert und kam in diesem Zusammenhang auch mit den Problemen der Globalisierung in Berührung. Dadurch kam der Stein
ins Rollen. Für glücksstoff habe ich das erste Logo entworfen, Flyer gemacht, die Homepage gestaltet und mich auf Verkaufsmessen herumgetrieben. Während Daniela also das Design macht und sich um die Organisation und Verwaltung kümmert, liegen meine Tätigkeiten im Bereich von Marketing und Vertrieb.

Lena: Ihr bietet also vegane, faire und ökologische Mode – gibt´s da irgendwie eine Reihenfolge bzw. Gewichtung?
Wenn alles nicht möglich wäre, was davon würdet ihr sein lassen?

Björn Hens: Wir bieten nicht vegane, faire und ökologische Mode an. Wir bieten nachhaltige Mode an. Und da stecken alle drei Kriterien mit drin, sonst wäre sie aus unserer Sicht nicht nachhaltig. Das Problem ist auch weniger die Machbarkeit, als vielmehr die Kaufbereitschaft. Man ist schließlich abhängig davon, was der Kunde gerne möchte. Das heißt nicht, dass man den Kunden nicht auch von Dingen überzeugen und in so in die Richtung, die unserer Philosophie entspricht, begleiten kann, aber es gibt Dinge, auf die der Konsument (noch nicht) verzichten will, die aber vielleicht nicht mit dem Nachhaltigkeitsgedanken übereinstimmen. Passen wir uns also nicht in gewissem Maße den Kundenwünschen an und die Käufer bleiben dadurch aus, dann haben wir nichts erreicht, auch wenn unser Produkt noch so nachhaltig ist. Als kleines Beispiel: Wir wollten Anfangs komplett versuchen, auf Erdölprodukte zu verzichten. Deshalb haben wir anfangs ausschließlich mit pflanzlichen Farben gefärbt, die keinerlei synthetische Farbstoffe enthielten und somit frei von Erdölprodukten waren. Bei Pflanzenfarben ist die Farbpalette leider noch sehr begrenzt und die Haltbarkeit ist ebenfalls ausbaubar. Das schreckt die Mehrheit der Kunden ab. Nur diejenigen, die bewusst auf gewohnte Annehmlichkeiten verzichten wollen um ihr Leben ökologischer auszurichten, sind auch bereit diese Abstriche zu machen. Der “normale” Kunde möchte die gleichen Vorteile wie gewohnt, aber bitte nachhaltig.

Das dies bei manchen Dingen, wie z.B. Erdölprodukten, aber nicht funktioniert, dürfte jedem klar sein. Unser Kompromiss war letztendlich,
dass wir nach 5 Jahren, also nächstes Frühjahr 2012, neben verbesserten und haltbaren pflanzlich gefärbten Textilien auch die ersten synthetisch gefärbte Stücke in unserer Kollektion haben werden, die dafür aus türkischer Biobaumwolle sind und bewusst nicht aus indischer, um die Verwendung von Erdölprodukten beim Färben durch einen geringeren Transportweg wieder auszugleichen. Denn Erdöl ist und bleibt uns ein Dorn im Auge.


Lena: Eure kommende Kollektion sieht ja ganz schön anders aus als die alte – wie kam es dazu?

Björn Hens: Entscheidend waren neue Kontakte zu guten Pflanzenfärbern aus Indien, die uns ein weiteres Spektrum an Möglichkeiten bieten konnten, als wir dies bis dahin von Pflanzenfarben gewohnt waren. Durch diese neuen Möglichkeiten angespornt wollten wir glücksstoff auf eine neue Ebene bringen und haben uns deshalb so intensiv wie noch nie mit der Kollektion beschäftigt, um auch alle neuen Möglichkeiten richtig zu nutzen. Schnitte wurden gemacht und auch wieder verworfen, wenn sie nicht perfekt waren. Aus der fertigen Kollektion haben wir nochmals nur die besten Stücke verwendet, wodurch die kommenden Kollektion unsere bisher beste und schönste wurde. Um die Sache abzurunden haben wir auch unser Logo und den gesamten Auftritt erneuert und wollen damit noch mehr Menschen für nachhaltige Mode begeistern. Deshalb freuen wir uns diesmal auch ganz besonders über Feedback.

Lena: Ist Mode und Nachhaltigkeit nicht ein Widerspruch für dich?

Björn Hens: Wenn du die Schnelllebigkeit der Modebranche meinst, hast du vollkommen Recht. Die Menschen wollen jedes Jahr, oder sogar jedes halbe Jahr, neu aussehen. Die alten Sachen wandern in die hintere Ecke des Schrankes, während man ihn mit neu gekauften und angesagten Sachen weiter vollstopft. Das ist ein Trend, der leider besteht. Unser Ansatz ist es, möglichst langlebige Mode zu machen, die zeitlos und von hoher Qualität und somit länger tragbar ist, weil wir uns auch nicht an kurzlebigen Trends orientieren. Aber auch hier gilt: Der Kunde entscheidet, wie oft er oder sie sich neu einkleiden will. Das dies mit nachhaltiger Mode geschieht und nicht mit konventioneller, ist unser Bestreben.


Lena: Wenn nein – wieso nicht? Wenn ja – wieso arbeitest du trotzdem in dem Bereich?
Björn Hens: Wie oben erwähnt kann es ein Widerspruch sein, muss es aber nicht. Das liegt vor allem am Kunden, aber natürlich auch an den Marketingmaschinen der Textilindustrie. Wir versuchen dies dahingehend zu beeinflussen, indem wir, wie oben bereits erwähnt, zeitlose Mode von hoher Qualität produzieren, die somit auch länger tragbar ist. Und vor allem versuchen wir nicht unseren Kunden einzureden, dass man das Teil vom letzten Jahr doch besser in die Tonne schmeißen soll, weil es so super out ist und man sich doch lieber etwas Neues bei uns kaufen sollte. Wenn also Kunden und Hersteller in die gleiche Richtung arbeiten, muss Mode und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein.

DANKE für dieses Interview und die tollen offenen Antworten.

Posted on by Lena in Closet, Kultur, Uber

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