Open Air auf Schloss Salem. Als ich das gelesen habe, rechnete ich zunächst mit einer mickrigen Veranstaltung. Denn: Salem ist eigentlich nicht mehr als ein Kreisverkehr mit ein paar Wohnhäusern, einem Klamottenladen und einer Bäckerei darum – und natürlich: dem Schloss samt eigenem Münster und Internat. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. 13 Gemeinden zählen zu Salem und auch wenn die alle nicht viel größer oder teilweise sogar kleiner als der Teil sind, der tatsächlich nur “Salem” heißt und nicht etwa “Neufrach” oder “Mimmenhausen”, ergibt sich dadurch doch eine ganz schöne Dynamik, was Veranstaltungen usw. angeht.

Das Salem Open Air jedenfalls ist KEINE Dorfveranstaltung.

Dieses Jahr u.a. mit dabei: Marit Larsen und James Morrison (Fotos: von mir, ist klar)… von zwei weiteren Open Air-Tagen werde ich dann noch berichten.

“Let’s pretend, it’s summer” – beginnt Marit Larsen das Konzert an diesem Abend. Schöne Worte von dieser bezaubernden Frau, die absolut natürlich und authentisch auf der Bühne wirkt. Das Publikum lässt sich schnell mitreißen und vergisst ganz, mit den fordernden “We want James!”-Rufen weiterzumachen.

Kurzzeitig regnet es auch mal nicht. Die Zuschauer können ihr also ganz in Ruhe lauschen. Sie überzeugt. Musikalisch und menschlich. Die Musik klingt angenehm effektfrei und ihre Art zu reden und zu singen ist einfach schön anzusehen. Schade, dass auch hier die Regel gilt: Fotografen nur während der ersten drei Lieder. Meine neue Kamera will ich nicht in fremde Hände geben, nur um dann auf dem Konzert zu bleiben. Außerdem hört man auch von draußen gut und ich darf ja nochmal rein, wenn dann James wiederkommt bzw. sogar vorher… Die Organisatoren sind wirklich nett bei dieser Veranstaltung und erlauben mir zwischendrin ein paar Publikumsschüsse und Bewegungsfreiheit.

Dann nach dem Auftritt sind alle Schirme wie aus dem Boden geschossen wieder da und werden aufgespannt. Die Platzordner haben alle Hände voll zu tun, dem Publikum klarzumachen, dass das so nicht geht. Denn: ein aufgespannter Schirm versperrt den dahinter Sitzenden und auch dem Stehpublikum die Sicht nach vorn.

Schließlich betritt James fast auf die Minute nach Plan die Bühne. Erstaunlich, da auf eventim in den Fanreports seine Starallüren hinsichtlich des Wartenlassens auf seinen Auftritt beklagt werden. Die Gesichter werden von Minute zu Minute freundlicher und der Regen scheint vergessen. Singen kann der Mann jedenfalls. Ich ärgere mich ein wenig, da ich es schaffe, Blickkontakt zu haben und dann die Kollegin mit dem Teleobjektiv und eine andere Fotografin sich zusammentun auf der anderen Bühnenseite… und mir so der Herr einfach wegläuft. Aber gut. In die Linse schaut er trotzdem noch das ein oder andere Mal.

Leider verzieht er beim Singen arg das Gesicht, so dass ich nicht alle der Bilder verwenden will. Und lahmt eigentlich sein rechtes Auge? Es ist auf den Bildern oft geschlossen.

Aber genug der Fotobeobachtungen…

Musikalisch überzeugt auch er. Ins Publikum schaut er auch und auch er kann es sich nicht verkneifen, etwas zum Wetter loszuwerden. Im Vorfeld habe ich ja erfahren, dass er es locker nehme, da er Ire sei. Von der Bühne aus lobt er dann jedenfalls das Publikum, es sei ja sehr gut vorbereitet. Tatsächlich gibt es relativ wenige, die unpassende Schuhe tragen und viele lustigbunte Gummistiefel.

Ein paar lassen sich allerdings vom Wetter schrecken, zeigen die leeren Plätze und die Abendkasse lohnt sich nicht wirklich.

Nur ein paar junge Leute haben Glück, ihr letztes Ticket verkaufen zu können. Der Freund sei lieber in den Urlaub geflogen, sagen sie zur Begründung.

Wie dem auch sei: es ist voll genug, um eine schöne Stimmung zu haben und die Musik überzeugt. Wer mit passender Kleidung unterwegs ist und vielleicht noch einen der für 2,50 zu erwerbenden Regenponchos überstreift, kann auch bei diesem Wetter einen tollen Abend im Schloss Salem auf dem Open Air verbringen. Wolkenbrüche und Gewitter bleibt dem Publikum zumindest erspart.

Und: wir sind doch nicht aus Zucker?!

Ich freue mich jedenfalls auf heute Abend mit… JOAN BAEZ.

Und ihr könnt ja solang in ein paar Fotos stöbern:

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