Nächstes Jahr mache ich alles besser

feuerwerk

Achtung, jetzt kommt ein bisschen was Bitteres oder Böses oder Hassgeladenes.

Es geht hier um Ausreden, Ablasshandel und Verwandtes.

Es ist erstaunlich, wie viele Rechtfertigungen wir immer wieder für das finden, was wir tun, von dem wir genau wissen, dass wir es nicht tun sollten.

Und am besten sind wir darin, die Dinge vor uns selbst zu begründen. Denn dann müssen wir unsere Ausredenkonstrukte nicht einmal laut aussprechen (weswegen wir den einen oder anderen Logikfehler auch mal übersehen). Und eigentlich ist ja auch unsere Moral nur ein Konstrukt von uns selbst. Wer sagt denn, dass wir nicht eigentlich viel zu moralisch und ethisch korrekt und überhaupt leben und es nicht genau so gut sein lassen könnten, also jedenfalls Einiges von dem, was wir bisher als besonders wertvoll erachten?

Da wäre unser dummes Bauchgefühl ja sowieso viel zu voreilig und übertrieben.

Tatsächlich gibt es meilenweite Unterschiede zwischen dem, was der eine richtig und die andere falsch findet. Fleischessen beispielsweise, Rauchen, Kiffen oder der Genuss anderer Drogen, aber auch Eier essen, Milch trinken und sogar Wollpullover tragen kann zur Sünde werden genau wie diese Dinge im nächsten Haushalt alltäglich und als vollkommen okay akzeptiert werden.

Mancher verspürt bei einem Gesetzesbruch nicht das kleinste Bisschen eines Gewissensbisses und der nächste leidet unter einem gewaltigen schlechten Gefühl, wenn er nur das Moralgebilde seiner Eltern anstupst.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: den Ausreden, Ausflüchten und Entschuldigungen für unsre eigenen moralischen Fehltritte – mal ganz ab davon, was unsere Werte ausmacht und wie leicht wir uns für irgendetwas schämen. Und ich meine da einen ganz aktuellen Fall, der gerade jetzt bestimmt für die eine oder den anderen ein Thema ist:

Neujahrsvorsätze.

Neujahrsvorsätze sind da, um gebrochen zu werden. Das ist eine alte Weisheit. Oder wird jedenfalls als solche verkauft.
Aber sind Neujahrsvorsätze nicht viel eher dazu da, sich im Vorhinein ein gutes Gewissen einzureden, wenn man etwas tut, das man eigentlich nicht tun sollte – zumindest, wenn man seine moralischen Werte zu 1000% befolgen würde?

Sind Neujahrsvorsätze so etwas wie Spenden & Co, also sozusagen (umgekehrter?) Ablasshandel bzw. vorsätzlicher oder so ähnlich? “Ich tue jetzt Böses, aber weil ich danach so viel Gutes tun werde, sei mir das Böse von ebengrade und gleich noch verziehen” ?! Nein, ohne “sei”. Konjunktiv hat in unserem Zeitalter nichts verloren. Nicht einmal in der Werbung oder ist ein Konjunktiv dieser Art nicht mit einem “vielleicht” gleichzusetzen? Und schließlich lehrt uns Marlboro seit Monaten tagtäglich und allgegenwärtig, dass ein solches Vielleicht sowas von gar nichts kann.

Also: “Ich tue jetzt Böses, aber weil ich danach so viel Gutes tun werde, sei ist mir das Böse ebengrade und gleich noch verziehen” !!!

Ist das so?

Oder denke ich da zu schwarzmalerisch?

Denke ich auch in dem Punkt zu schwarzmalerisch als dass ich behaupten würde, dass viele Menschen lieber zu Weihnachten (oder einem anderen „geeigneten“ Zeitpunkt) eine gewisse Summe spenden oder… nur Fairtradeschokolade zu Weihnachten verschenken… sich sonst aber aus mehr oder weniger guten Gründen (zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenige Alternativen) einen – Verzeihung – Dreck darum scheren, was sie im Kleiderschrank, auf dem Esstisch oder im Einkaufswagen haben und was für Auswirkungen dieser Konsum hat oder haben kann?!

Wie seht ihr das?

Und was nehmt ihr euch für 2013 vor?

Oder nehmt ihr euch nichts vor, weil ihr es eh nicht halten werdet?

Oder aber:

gibt es eine Taktik, wie ihr euch selbst dazu bringt, die Neujahrsvorsätze auch zu halten?

Immer raus damit! Her mit euren Kommentaren!

 

One Comment on “Nächstes Jahr mache ich alles besser

  1. Aus unserer Erfahrung kann man gute Vorsätze genau dann erreichen, wenn man die Ziele erstens nicht zu hoch setzt und zweitens den Weg dahin in ganz viele kleine Schritte (z.B. 52) aufteilt. Ganz kleine Erfolgserlebnisse, jede Woche wieder neu. Wir alle lieben Erfolgserlebnisse und wollen immer mehr davon. Aber sich das Ziel irre hoch zu setzen und meinen, es von heute auf morgen zu erreichen, das demotiviert nur.

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