Mit flauen Mägen und blassen Gesichtern kamen wir in der Hauptstadt Montenegros an. Ein bisschen holperig war der, für mich dritte Flug an diesem Tag, dann doch. Spätestens als wir in das Taxi stiegen, welches uns vom Flughafen zum City Hotel bringen sollte, entwich uns dann auch noch der letzte Schimmer gesunder Gesichtsfarbe. Willkommen in Podgorica. Dort, wo die Taxifahrer ihre mobilen Taxi-Schilder kurzerhand auf das Dach packen, laut in ihr Telefon brüllen und anschließend ziemlich unheimlich lachen. Dort, wo mit 80 km/h in den Kreisverkehr gesaust wird und dort, wo ich mich, in der Mitte sitzend, mit meinen Blicken nur noch am wild schaukelnden Kruzifix am Rückspiegel, festhalten kann.

Huch, geschafft. Trotz Überfahren der roten Ampel, trotz Hund auf der Fahrbahn (oder „Rennstrecke“), trotz zweier Autos auf einer gemeinsamen Spur und und und. Ist das also Podgorica?

Zum Glück nur ein kleiner Teil davon, wie wir wenige Stunden später feststellen durften. Das Stadtbild lässt sich kurz und knapp mit „hübsch hässlich“ bezeichnen. Alte, heruntergekommene (ost-)Wohnblöcke, wunderschöne Kirchen und dazu diese dramatische Wolkenformation, die dann auf uns hinunter brach und uns unsere City-Tour frühzeitig beenden ließ.


Die Menschen hier können zwar zum großen Teil nur ein ziemlich gebrochenes Englisch, sie wirken aber fröhlich, bunt und selbstbewusst – wenn nicht sogar schon ein bisschen frech. Sie tanzen – auch gerne im Regen, sie lachen – auch gerne ziemlich laut, sie bringen modisch ziemlich viel Farbe in ihre recht düstere Stadt und sie brauchen scheinbar nicht wirklich viel Attraktion, um glücklich zu sein.

Das Electronic Beats Festival in Podgorica

Nach einem typisch montenegrinischem Abendessen pilgerten wir weiter zum Electronic Beats Festival. Das Line-Up mit dem britischen House Duo Disclosure, Mount Kimbie und der isländischen Indie Band Retro Stefson, ließ den Regen fast vergessen. Gefreut habe ich mich vor allem auf Mount Kimbie, die seit einiger Zeit einen unbestreitbaren Platz in meiner Playlist eingenommen haben. Die Band Retro Stefano hat mich postiv überrascht, da ich die Isländer vorher nicht auf dem Schirm hatte.

Bei Disclosure drehte die Crowd dann angeblich trotz des strömenden Regens im bonbon-farbenen Scheinwerferlicht komplett durch. Ich muss ja gestehen, dass wir Mädels uns vor diesem Höhepunkt ein 1,20 € Taxi geschnappt haben. Raus aus den an diesem Tag zum zweiten Mal komplett durchnässten Klamotten, und rein ins Bett. Meine Reise begann ja schließlich auch um 4:30 Uhr ab Stuttgart.

Danke Electronic Beats für die Einladung an diesen Ort, an den ich sonst wohl nicht so schnell gekommen wäre. Danke für „Uber Nacht in Podgorica“!

 



 

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