Der Onlineshop frontline ist den meisten von euch bekannt. Lisa und Mia zumindest haben in ihren Teenie-Jahren ohne Ende bestellt, so wie heute manchmal bei Zalando. Aber auch jetzt könnten sie ihre Warenkörbe bei frontline wieder regelmäßig mit Cheap Monday, Eleven Paris oder Just Female füllen, und auch uns Jungs geht es ähnlich. Aber wer und was steckt hinter dem frontlineshop? Ich habe mit Dominique Hoffmann gesprochen, die als Einkäuferin für frontline arbeitet.

Hi Dominique, kannst du dich und frontlineshop bitte kurz vorstellen für den Fall, dass euch vielleicht doch jemand nicht kennen sollte? Seit wann gibt es euch? Wo ist eure Homebase etc? In welchem Bereich liegt euer Schwerpunkt?

1986 hat Torsten Lange zusammen mit einem Freund „Funhouse Records“ in einer Hannoveraner Garage gegründet. Das sah am Anfang so aus, dass die beiden regelmäßig in die Staaten und nach England gefahren sind, Punk-, Hardcore- und Hip Hop-Platten mitgebracht haben und diese dann an Freunde verkauft haben. Daraus wurde dann einer der ersten Musikmailorder überhaupt. Seitdem ist viel passiert, inzwischen sind 26 Jahre vergangen und frontlineshop ist mit über 250 Marken, einer der führenden Streetfashion-Onlinestores in Deutschland. Unser Büro liegt in Hamburg direkt an der Elbe in einem sanierten alten schönen Kaispeicher.

frontlineshop hebt sich vor allem durch seine Historie von seinen Mitbewerbern ab. Das wir ein organisch gewachsenes Unternehmen sind beeinflusst unsere Mitarbeiter, Kooperationen, Lieferantenbeziehungen und nicht zuletzt natürlich auch unser Sortiment und die Markenauswahl. Neben großen Marken wie Carhartt, Adidas oder Levi’s zeigen wir auch kleine Fashion oder Streetwearlabels. Diesen Sortimentsmix checken wir jede Saison aufs Neue! Dadurch bekommen vor allem kleinere Labels die Chance zusammen mit frontlineshop zu wachsen.

Ich bin Dominique, Textilbetriebswirtin und arbeite seit 2,5 Jahren bei frontlineshop als Streetwear Einkäuferin im Womens Department. Seit 9 Jahren bin ich in der Fashion Branche, Sneakeradiccted, mag Musik und alles was damit zu tun hat.

Nachdem die Orderphase für die nächste Saison halbwegs durch ist: In welche Richtung wird Streetwear und junge Mode nächstes Jahr gehen?

Ihr könnt euch weiter auf die beste Auswahl an Sneaker und Running Schuhe freuen. Außerdem wird es wieder etwas ruhiger in der Mode und nach dem „Never Grow Up“ Look, der 2013 oft gespielt wurde, wird es wieder Cleaner. Der Skandinavische Look ist ein großes Thema in 2014 daher wird auch wieder viel black&white zu sehen sein. Also packt die Klassiker wieder aus!

Viele vormals eher “rebellische” Marken wie Supreme und The Hundreds haben ja mittlerweile Teile im Sortiment die man auch für das Büro anziehen kann. Ist Streetwear erwachsen geworden?

Das Streetwear Department zählt zu einem der dynamischsten und entwickelt sich ständig weiter, wie der Kunde eben auch. Auch sind die Facetten im Bereich Streetwear sehr groß. Natürlich kann man Streetwear in vielen Branchen auch im Büro tragen. Das liegt zum einen an der Ausrichtung der Brands, aber ganz klar auch im Gesellschaftswandel. Die Unternehmen werden ja auch immer „moderner“. Wo 1990 noch Digitaluhren und verstaubte Taschenrechner standen, stehen heute iMacs und Hoverboards. Trends entwickeln sich parallel dazu und man sieht immer häufiger den jungen Papa, mit Nike Air Max, Starter 5-Panel Cap und Carhartt Jeans rumlaufen.

Werdet ihr euch vor diesem Hintergrund umpositionieren?

Das müssen wir zum Glück nicht, da wir seit eh und je Streetwear sind! Es spielt uns nur in die Karten, dass kleine, neue Brands den Mut haben einen Schritt weiter zu gehen und ihr Gesicht im Markt zeigen. So haben wir die Chance unseren Kunden ein ganz neues, spannendes Sortiment zu bieten. Wir haben alleine im Jahr 2013 über 40 neue Labels aufgenommen.

Könnt ihr noch ein bisschen auf eure Auswahl eingehen? Wieso habt ihr ausgerechnet diese gewählt? Gilt die Wahl für Damen und Herren?

Unser Sortiment ist ein ausgewählter Markenmix aus der Streetwear, Fashion und Sneakerwelt. Alleine aus unserer Historie heraus sind wir mit vielen Labels gewachsen. frontlineshop arbeitet mit vielen Lieferanten schon seit Jahrzehnten zusammen. Wie ich vorhin schon erwähnte, ist der Streetwear Bereich sehr dynamisch und entwickelt sich ständig weiter, somit tauchen immer wieder neue Marken auf, die einfach super in unser Sortiment passen.

Wir sind insgesamt 5 Einkäufer unterteilt in Men und Women Division und nochmal in die Departments Streetwear und Fashion. Wir Einkäufer sind sozusagen Spezialisten für die einzelnen Mode-Stilwelten.

Um unser Sortiment aktuell zu halten sind wir viel unterwegs in verschiedenen europäischen Hauptstädten und meist bringen wir, anstelle der obligatorischen Postkarte, neue Ideen und bestenfalls neue Marken mit.

Die letzten Jahre waren ja wieder ein bisschen wie in den 90ern oder Anfang der 0er Jahre: Sneakers, Snapbacks und Jeans. Auch viele Mädels haben sich hiervon inspirieren lassen und sich wesentlich sportlicher gekleidet. Sozusagen Air Max statt Ballerina. Doch wie geht es weiter? Eher Basketball-Schuhe oder Running Modelle?

Beides, du wirst weiter viele Running Modelle sehen, die sogar noch technischer vom Look werden aber auch High Tops werden auch in HW13 zu sehen sein. Im Sneakerbereich ist momentan alles erlaubt und gibt eine unglaubliche Vielfalt.

Air Max oder Jordan?

Beides ;)

Oder gibt es eine Alternative?

Roshe Run, Air Max Thea oder Flyknit von Nike, New Balance Sneaker und Asics, beispielsweise Asics Gel!

Und für Mädels?

Running und High Tops, wie bei den Jungs.

Sweatshirts oder Cardigans?

Crew Necks!

Retro, Vintage oder doch Neu?

Alles ist erlaubt!

Und die wichtigste Frage: T-Shirts mit plakativem Druck oder nicht?

Auch hier geht beides und vor allem Logodrucke wirst du häufiger sehen (siehe Obey). Doch neben den Logos ist es weiterhin das Basic Shirt.

Woher kommt eure Inspiration? Mittlerweile wird man ja praktisch überflutet mit ständig wechselnden Trends und gefühlt alle paar Wochen gibt es eine neue Marke, die gehyped wird. Ich habe es schon ein paar Mal gesehen, dass sich Einkäufer zu so einem schnelllebigen Hype haben hinreißen lassen. Wo informiert ihr euch über die neuesten Marken die auch wirklich „neu“ sind?

Bevor der ganze Messezirkus in Berlin losgeht, strecken wir schon einmal unsere Fühler in verschiedenen Städten aus. Wir besuchen London, Copenhagen, Amsterdam, Berlin und Hamburg und lassen uns dort durch Streetstyles und verschiedenen Stores inspirieren. Natürlich sind wir alle von Natur aus Fashionaffin, Sneakerfreaker und Modejunkes. Da liegt es nahe, dass wir uns privat, sowie beruflich auch im Netz über Blogs und diversen Faltblättchen inspirieren lassen. Und dann natürlich Berlin mit den verschiedenen Messen, wie u.a. Bright, Seek und Capsule sind sehr wichtig für uns.

Ich hatte oft den Eindruck, dass der Style im Süden wesentlich stärker von den USA beeinflusst ist, als der im Norden. Da ihr Deutschlandweit aktiv seid muss ich euch daher fragen: Stimmt das? Gibt es einen Unterschied zwischen Norden und Süden?

Innerhalb von Deutschland gibt es immer weniger ein Süd-Nord-Gefälle. Ich denke sogar, dass du immer weniger den Unterschied merkst, ob jemand aus der Stadt oder aus einer ländlichen Gegend kommt. Durch das Internet ist der Kunde so informiert und weiß genau, welche Must Haves er persönlich haben möchte.

Oft entwickeln größere Gruppen von Leuten einen eigenen Stil. Gibt es auch einen speziellen Frontline-Look? Wie sieht der aus? Welche Marken sind gerade bei euch groß?

Wenn du jetzt den Begriff „Hipster“ hören möchtest, muss ich die leider enttäuschen ;) Wir sind hier um die 100 Leute und alle Individualisten. Hier sind immer noch alle Arten von Jugend Subkulturen vertreten – Skater, Hot Rods, Surfer Girls und Preppy Boys. Aber da wir alle Sneakerliebhaber sind, entdeckst du an jedem zweiten Fuß Running Schuhe.

In der jüngeren Vergangenheit sind zahlreiche neue, deutsche Labels entstanden, die in meinen Augen auch international mithalten können. Gibt es ein paar deutsche Marken, die besondere Beachtung verdienen?

Absolut! Mein Favorit Brand momentan ist Wemoto. Die Jungs haben es geschafft, mit dem cleanen Basic Style und schöner mellierter Basicware sich fest im Streetbereich zu etablieren und können mit internationalen Brands definitiv mithalten.

Vielen Dank für das Interview, Dominique!

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