Ich dachte eigentlich, das Highlight meines Tages würde am Nachmittag kommen. Es war Montag, ich verließ Queenstown und bog auf den Highway 6 ein: Auf schnellstem Wege an die West Coast, bitte. Am Fox Glacier wartet ein Helikopter auf mich. Es ging ungefähr alles schief auf dieser Fahrt, für die vier Stunden eingeplant waren – die aber, wie mir im Nachhinein alle Locals bestätigten, mindestens fünf dauert. Ich war schon extra früher losgefahren, schließlich blieb ich hier bisher auf jeder noch so kurzen Fahrt mindestens vier Mal stehen, um zu staunen und die Kamera zu zücken. Dann versagte auch noch das Navi und kurzfristig auch meine Geduld. Die Zeit lief, ich wollte unbedingt auf diesen Heli Hike! Was ich noch nicht wusste (aber irgendwo doch ahnte), als ich da knapp über den erlaubten 100 km/h die Küstenstraße entlang peste: Kein Heli Hike heute, zu viel Nebel am Gletscher.

Roadtrippin‘

Vielleicht war es aber auch gut, etwas Zeitdruck zu haben, denn sonst wäre ich wohl an jeder Haltebucht rausgefahren, an jedem Strandschild abgebogen. So erlaubte ich es mir nur zwei, drei Mal und fragte mich (nur ganz kurz natürlich), warum ich nicht statt Hotelbett auf Strandmatte bestanden hatte. Ganz ehrlich: Vielleicht war es auf dieser Straße zwischen Regenwald und Sandstrand, auf der ich mich endgültig in Neuseeland verliebte. Mit The Verve und TLC im rauschenden Radio, den Blick immer zwischen Tacho und unfassbarer Kulisse hin- und herschweifen lassend.

Willkommen an der West Coast

Ihr müsst euch diese Gegend zwischen Haast und der Gletscherregion so vorstellen: Dichtester Regenwald, Palmen und grünes Blattwerk. Feuchte Luft, viel Sonne. Eine zweispurige Straße, die man Highway nennt (und auf der man zum Glück kein Navi braucht). Irgendwo im Nacken kleine Caravan-Parkplätze – und irgendwo in der Ferne kann man weiße Bergspitzen erahnen.

Am Fox Glacier, oder eine halbe Stunde weiter am Franz Josef Glacier, wartet eigentlich alles nur auf eins: Dass sich der Nebel lichtet und die Helikopter fliegen können. Alle, außer den Locals. Denen kann es eigentlich nur recht sein, wenn die Gletscher-wütigen Touristen noch ein, zwei Nächte länger bleiben, um es eventuell doch noch in die Luft zu schaffen. Aber das lässt sich hier niemand anmerken, wer mag steigt (wie ich) dann eben zu Fuß und mit Spikes unter den Schuhen hoch auf die Gletscherzunge. Das Besondere: Nur an wenigen Orten dieser Welt schmiegen sich Meer, Regenwald und Gletscher so eng aneinander wie hier.

Und jetzt: Entspannung!

Auch rund um die Gletscher gibt es natürlich einiges zu sehen und zu erleben. Mich hat man zum Beispiel auf ein Quad gesetzt (Ernsthaft! Und dabei bin ich eher so das Pferdemädchen, das die Natur am liebsten ganz ruhig und still erlebt…), ich durfte frisch geschlüpfte Kiwis bestaunen und mich im Hahana Day Spa verwöhnen lassen. Wer einfach nur noch abhängen will, dem lege ich die Hot Pools direkt nebenan ans Herz. Viel entspannter gehts eigentlich nicht. Und wenn man da dann so im 40° heißen Wasser treibt ist der Ärger über den abgehetzten Roadtrip auch fast schon vergessen.

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