Es ist ein ultimatives Dilemma. Es ist kontrovers und doch so einleuchtend. Soziale (!) Medien machen uns unsozial, manchmal sogar einsam. Wann hast du das letzte Mal das Smartphone in die Hand genommen um tatsächlich einen Freund anzurufen? Einfach nur um zu fragen wie es ihm geht? Und wie oft am Tag klickst du dich durch deine Sozialen Netzwerke?

Ist die alltägliche Interaktion mit Freunden und Fremden noch greifbar? Oder wird sie immer mehr durch schnelle, mundgerechte Kommentare, Retweets und „Likes“ ersetzt? Auf welches Niveau ist das Wort „Freundschaft“ gesunken?

Statistiken belegen, dass sich mit dem Aufstieg der sozialen Medien, durch die Smartphone-Penetration und durch die schnellere Internet-Geschwindigkeit mehr und mehr Menschen tatsächlich einsam fühlen. Isoliert und sozial unfähig. Insbesondere Facebook verändert das Gesicht der Beziehungen.

Dieses unglaubliche Video (ja, Anschauen lohnt sich) von Shimi Cohen, regt mich an die Tätigkeiten im Social Web ein bisschen zu überdenken. Kommt das „echte Leben“ manchmal zu kurz? Kann ich Privates und Job, echte Freunde und Social Network Kontakte noch trennen? Gibt es noch eine gesunde Balance zwischen meinem On- und Offline-Leben?

Als Blogger ist das eine ziemlich berechtigte Frage. Und natürlich erleben wir vieles, ganz echt und hautnah und offline. Aber wie Lisa Rank kürzlich so schön zitierte “Denn jede Geschichte, die man erzählte, gehörte einem nicht mehr ganz. Man musste darauf achten, was man teilte.” (Das größere Wunder, Thomas Glavinic) geht uns irgendwo auch ein bisschen was davon verloren.

Was macht das Soziale Web aus der Menschlichkeit…und zwar in jedem Bereich?

Es ist die Kunst, die sich selbst kuratiert. Unser Erscheingsbild, das wir mit Photoshop pimpen. Es ist unser Job, dessen Titel plötzlich so ganz wundervoll klingt. Wie viele meiner Freunde / Fans / Follower kennen mich wirklich? Und vor allem: Wie gut kennen wir unser wahres Gesicht noch selbst?

Und am Ende des Tages weiß ich trotzdem, dass kein „Like“ und kein „Share“ so viel wert ist wie ein Blickkontakt, ein Händedruck oder gar eine Umarmung. Das Gefühl von Gemeinschaft, Zuneigung oder Beachtung ist eben nicht ersetzbar, ganz egal wie vernetzt unsere Welt auch sein mag.

Und jetzt gehe ich erst mal meinen Status aktualisieren, bevor ich mich dann zum Mittagessen wieder kurz in die „echte Welt“ verabschiede…aber warte mal…welche Welt ist denn heute überhaupt noch die „echte“? ;)


Foto von Mia Bühler gemacht von Nina Stiller.

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