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Krankenhausseelsorge. Ohjemineh, das klingt vielleicht christlich! Muss es aber gar nicht sein, kann ich euch sagen. Und missionarisch ist es sowieso nicht. Nein, Krankenhausseelsorge ist in unserer heutigen Zeit einfach nur eines: verdammt wichtig. Im folgenden Beitrag erfahrt ihr dazu mehr und auch, wie ihr diese wichtige Arbeit unterstützen könnt.

Dekanin H. Schneider-Cimbal ist diejenige, deren Wissen und Erfahrung diesen Artikel überhaupt möglich gemacht hat.

Zugegeben – keine(r) von uns beschäftigt sich vermutlich gern mit dem Thema Tod und Sterben. Ich meine hier nicht das Sterben in einem Hollywoodfilm und auch nicht den ekligen Abgang in einem Splatterfilm, nein, ich meine den echten, den realen Tod von nebenan, den wir alle mal sterben müssen. Genau so wenig wie wir uns gern damit beschäftigen, dass wir einmal ableben, setzen wir uns mit dem Tod naher Verwandter oder sogar unserer Kinder auseinander.

„Ich bin Wittwe. Ich habe erlebt, wie hilflos die Leute im Umgang mit so einem Thema sind. Die meisten wussten nicht, was sie mir sagen sollten und wichen mir darum ständig aus.“

Und fast genau so unangenehm ist die Vorstellung, einmal im Rollstuhl sitzen zu müssen oder irgendwas in dieser Art. Und Behinderungen ignorieren wir sowieso am allerliebsten. Ist es nicht so? In unserer Leistungsgesellschaft ist dafür einfach kein Platz mehr und, was noch viel schlimmer ist: die Zeit fehlt, sich mit ebendiesen Themen und den „betroffenen“ Menschen zu beschäftigen.

„Wir glauben ein bisschen an Zauberei. Wenn wir ins Krankenhaus gehen, wird’s schon wieder werden.“

Krankenschwestern und -pfleger haben so viele Überstunden, dass sie kaum noch Schlaf bekommen und wir andren, wir sind froh, wenn wir unser eigenes Leben auf die Reihe bekommen. Zudem ist die Medizin heutzutage wirklich weit. Da denkt doch keiner dran, dass er vielleicht nicht lebend und geheilt vom Arzt wiederkommt. Oder der Tod eines Neugeborenen? Das scheint alles sehr weit weg zu sein. Wir sehen uns heute viel seltener mit dem Tod bekannter Menschen konfrontiert – wir kennen ihn nur aus Filmen und dem Fernsehen. Das liegt allein schon an den viel weiter verstreuten Familienangehörigen und daran, dass die wenigsten noch zuhause sterben. Da ist der Schock, wenn man einen Tod ganz nah erlebt, umso größer.

Und genau daher ist es so wichtig, dass es Leute gibt, die genau dann helfen, wenn kein anderer da ist. Eine Gruppe Leute, die das tun, sind Seelsorger, Krankenhausseelsorger, um genau zu sein.

Und von genau ebendiesen gibt es viel zu wenige. Ich kenne zwar nicht den Berechnungsschlüssel, aber ich durfte lernen, dass in einer Seelsorgeeinheit mit vier Krankenhäusern gerade einmal 2 1/4 Stellen bezahlt werden – diese Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Natürlich gibt es  viele Ehrenamtliche, die zudem mithelfen, aber auch die Ehrenamtlichen müssen ausgebildet und betreut werden. Denn gerade, wenn es um die Psyche von Menschen geht, muss professionell gearbeitet werden.

Einfach nur „gut gemeint“ kann in so einem Fall auch richtig Schaden anrichten.

Eine Seelsorgeeinheit, die mit diesem Problem konfrontiert ist, hat beschlossen, nicht „wie bisher einfach wegzuschauen“, sondern etwas zu ändern. Und darum gibt es jetzt ganz neu begründet den „Förderkreis Krankenhausseelsorge“ in Konstanz. Der setzt sich dafür ein, dass nicht nur die knappen Stellen aufgestockt werden und die Ehrenamtlichen besser betreut, sondern dass auch alle wichtigen Bereiche abgedeckt werden können. Die Betreuung verwaister Eltern gehört da beispielsweise dazu. Oder auch die Betreuung Sterbenskranker.

„An der Schwelle zwischen Leben und Tod muss man sich Manches einfach von der Seele reden – um zu sterben oder zu leben. Für beides ist das wichtig.“

Die Leute von der Seelsorge sind oft einfach nur da. Sie halten Händchen, sie hören zu, sie halten mit aus, sie begleiten. „Irgendwelche gut gemeinten Ratschläge sind da oft total fehl am Platz“, weiß Schneider-Cimbal aus eigener Erfahrung, aber auch, wie schwer es ist, diese sein zu lassen. Und genau deswegen sei die Ausbildung der Ehrenamtlichen so wichtig.

„Für manches gibt’s keine Erklärung. Da muss auch keiner eine haben. Es muss einfach jemand da sein.“

Damit immer jemand da ist, wenn jemand gebraucht wird, müssen die Mitarbeiter rund um die Uhr verfügbar sein. Arbeitszeiten sind dabei ganz schlecht planbar, weil man ja nicht voraussehen kann, wann Not am Mann ist. Fest steht nur: die Mitarbeiter werden wirklich gebraucht. Manchmal sogar, um das Krankenhauspersonal zu betreuen. Daher hofft der Förderkreis auf regelmäßige Unterstützer, die monatlich einen kleinen Betrag spenden, um den Ausbau ihrer Arbeit zu ermöglichen. Die Höhe kann dabei jeder so festlegen, dass es sein Konto nur kaum merklich belastet. Die Regelmäßigkeit ist das, was wichtig ist.

Mehr Infos zu dem neu gegründeten Förderkreis und auch den Unterstützungsmöglichkeiten bekommt ihr, wenn ihr hier klickt.

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