„Put your hands up for Detroit – a lovely city!“ – Aus diesem Song und dem Film „8 Mile“ bestand mein bisheriges (Halb)Wissen über die US-Metropole unweit des Lake Erie. Als vor einigen Wochen die Einladung kam, mit Ford nach Detroit zur Automesse NAIAS zu reisen, war ich trotzdem sofort Feuer und Flamme, nach Michigan kommt man ja sonst nicht mal so eben zufällig. Als dann eine Woche vor Abflug plötzlich eine Kältewelle über die USA herfiel, die Niagara-Fälle einfroren und man – aus Detroit, the lovely city – Bilder sah, die eher an „The Day after Tomorrow“ erinnerten, riefen mich innerhalb von zwei Tagen meine Oma und meine Mutter an, um zu fragen, ob ich da wirklich hinfliege.

Perfekte Reisestimmung also, zumal ich es jeden Winter aufs Neue schaffe, mir eine Jacke zu kaufen, die zwar total toll aussieht, bei Temperaturen unter 0 Grad aber plötzlich nichtmehr sehr hilfreich ist. Ich war gerade dabei, mir Gedanken zu machen, wie ich also bei -40 Grad überleben solle, als der Wetterbericht plötzlich besser wurde.

Nun etwas optimistischer stieg ich also an einem Sonntag in aller Herrgottsfrühe in ein Flugzeug und in Detroit wieder aus. Als die nette Ford-Dame am Empfang mir gleich zeigte, wo sich das Buffet befand und mir versicherte, dass man mich gewiss nicht verhungern lasse, war ich mir endgültig sicher, in Detroit ein paar schöne Tage zu haben. Für einen Studenten-Blogger wie mich sind ja die beiden Faktoren „Dach überm Kopf“ und „Essen auf dem Tisch“ bereits die Existenzfrage, die mir Ford aber in diesem Falle abgenommen hatte.
Doch genug des Rahmengeplänkels, kommen wir zu Detroit. Das „Put your hands up!“ kam auf meiner Reise tatsächlich vor – im Nacktscanner am Flughafen. Aber Spaß beiseite, nun zur „lovely City“: Nach einem halben Tag auf der Automesse trieb es Raph und mich zu Fuß in die City, um uns mal so richtig umzuschauen. Die City war zumindest unser Ziel, leider mussten wir dann aber herausfinden, dass Detroit genau das nicht besitzt: Kein klassischen Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten und so weiter, sondern vielmehr einige leerstehende Hochhäuser und Ecken, an denen man sich dann doch nicht so sicher ist, ob man die Stadt wirklich zu Fuß erkunden möchte. Also schnell zurück zur Messehalle an der Flusspromenade. Der Fluss war dabei auch gleich ein Reminder an die kalten Tage zuvor: Riesige Eisschollen flossen in einem riesigen Band vom See herab, was die -40 Grad etwas greifbarer machte.

Ein Ausflug in das Ford-Entwicklungszentrum am zweiten Tag zeigte uns, dass auch die Vororte eher weniger reizvolle Aufenthaltsorte sind, bei einer kleinen Tour mit dem aktuellen Ford Taurus fanden wir neben unzähligen ausgebrannten sowie schlichtweg verrotteten Gebäuden auch zwei verlassene und zertrümmerte Schulbusse. Die „lovely City“ schien etwas über die Stränge geschlagen zu haben.
Dies bestätigte uns auch ein Detroiter Anwalt, der uns eine Stadtführung gab (ja, in Detroit hat ein Anwalt einen Nebenjob). Er erzählte vom Niedergang der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und zeigte uns die Highlights von Detroit – im positiven wie im negativen Sinne.

Doch was lässt sich abschließend über Detroit sagen? Man muss einfach festhalten, dass die Stadt als Reiseziel nicht wirklich lohnt – außer wenn man eben zur NAIAS möchte, ein Riesenfan von Eminem ist, oder ohnehin eine Tour um die großen Seen macht. Die Stadt hat, abgesehen von etwas Streetart und dem Reiz der Ruinen als Bildmotiv eer wenig zu bieten. Wer dennoch dort ist, dem empfehle ich auf jeden Fall, sich ein Auto zu mieten und so die Gegend zu erkunden. Als Highlight sollte man einen Drink im 72. Stock des GM-Towers nehmen, von dem man die ganze Stadt sowie Kanada am anderen Ufer des Flusses überschauen kann.

Übrigens: Ein Hochhaus gibt es in Detroit für nur 9 Millionen Dollar zu kaufen, eine schmucke Stadtvilla mit riesigem Garten und bestimmt 15 Zimmern bekommt man sogar im sechsstelligen Bereich! Das Investment würde ich allerdings nicht empfehlen.

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