Ich bremse ab, fahre einen kurzen Moment rückwärts, schaue den Hang hinauf und muss blinzeln, weil mir die Sonne über dem Gipfel direkt in die Augen strahlt. Aber auch, weil das alles so unfassbar schön ist. Klar, es hat seit über einer Woche nicht geschneit, ab zwölf Uhr sind die meisten Pisten so verfahren wie sonst erst kurz bevor die Lifte schließen, und an einen Ausflug in den Tiefschnee ist überhaupt nicht zu denken. Aber mir ist grade alles egal. Ich bin Skifahren. In Kanada. Whistler. Weil ich den geilsten Job der Welt habe und die coolsten Menschen in meinem Leben.

Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich an einem ähnlichen Tag in Österreich eine Fünf-Meter-Klippe runtergestürzt, trug keinen Helm und hatte ungefähr zehn Schutzengel auf einmal: Ich kam direkt hinter statt auf den Felsen auf, es passierte – bis auf ein paar Schulterprobleme und geprellte Rippen – original nichts. Trotzdem war die Skisaison für mich schon Anfang Januar gelaufen. Katastrophe!

Ich war also etwas nervös, was meine Nerven am ersten Skitag ein Jahr später betrifft. Aber wie das eben so ist beim Skifahren: Mit dem Klicken der Bindung stellt sich ein kleines Knistern im Bauch ein, mit dem ersten Schwung werden die Kanten der Ski (und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten) ausgetestet und von da an läuft alles. Eventuell auch kurz eine kleine Freudenträne meine Wange runter, aber das hat keiner gesehen.

Zurück auf den Brettern die die Welt bedeuten ist übrigens klar: Ab jetzt nur noch mit Helm. Man soll sein Schicksal ja nicht herausfordern. Und weil die Sonne so schön scheint machen wir ein paar Pausen unter blauem Himmel, sitzen im Schnee, genießen die Aussicht auf den Lake Cheakamus. Die Füße in warmen Boots, die Sonnenstrahlen im Nacken, selbst ich Frostbeule komme ins Schwitzen. Wobei das auch an oben erwähnten Menschen um mich herum liegen könnte – mit Schneeballschlacht und Albernheit kann man sich nämlich fast genauso gut warmhalten wie mit Glühwein.

Nachdem auch der letzte Lift aus, die Abfahrt ins Tal genossen und das Feierabendbier getrunken ist, drehen wir noch eine Runde durch den Ort. Whistler Village. Der Großteil der Häuser hier sind Hotels oder Ferienwohnungen, die Ski Bums wohnen außerhalb zu viert in kleinen Holzhäusern, wir trinken dort Tee, es ist unglaublich gemütlich. Auf der Rückfahrt nach Vancouver horche ich nochmal kurz in mich hinein. Ja, glücklich.

Lohnt sich das, für einen Tag nach Whistler zu fahren? Ja, allerdings. Wenn ihr nicht grade zum ersten Mal und nur für zwei, drei Tage in Vancouver seid solltet ihr das dringend tun: Es gibt Packages mit Busfahrt, Mietski und Tagesliftpass für 150 CAD, das ist unschlagbar und wahnsinnig bequem. Und so worth it!

Und wenn ich gar nicht Skifahren kann? Dann lohnt sich der Trip trotzdem (die Fahrt gibt es auch schon für 50 CAD Returnticket): Unter dem Hilton Hotel gibt es eine überraschend gute Art Gallery, und wer mag kann zum Beispiel bei The Beach shoppen gehen. Dort gibt es auch meine geliebten Sorel Boots, die außer mir auch gefühlt neunzig Prozent aller Anwesenden tragen – ohne Witz. Rund um den Ort gibt es tolle Spazierwege. Und wer nicht auf der Hütte Mittagessen mag (wobei ich die Yam Fries im Roundhouse nur jedem ans Herz legen kann!), der kehrt für Sandwiches & Co bei Ingrid’s ein oder genießt einen guten Kaffee im Moguls (beide am Village Square).

Und wie komme ich überhaupt nach Vancouver? Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt und München nach Vancouver. Der Flug dauert zwischen neun und zehn Stunden. Auf Expedia kann man natürlich auch nach dem günstigsten Angebot suchen. Wer nur für einen oder zwei Tage nach Whistler fährt, dem empfehle ich übrigens, höchstens die eigenen Skischuhe mitzunehmen und die Ski selbst vor Ort zu leihen.

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