Ein Monat (!) ist nun schon vergangen, seit einem Monat lebe ich meinen Traum und bin ein New Yorker! Da ich aber erst nach einer kurzen Eingewöhnungsphase begonnen habe, hier über meine Erlebnisse zu berichten, folgt heute der dritte Teil meines Tagebuches.

Die erste Woche bei adidas

Ich hatte euch ja bereits letzte Woche von meinem ersten Arbeitstag erzählt, woraufhin mich einige von euch gefragt hatten, wie es mir denn so erginge, ob es mir Spaß mache und ob auch alle lieb seien zu mir. Ich kann euch beruhigen: mir geht es bestens! Auch im Job-Umfeld fühle ich mich hier bereits zu Hause und alle behandeln mich wie jeden anderen auch hier. Da ich als Deutscher (aus der Sicht eines Amis) ja quasi aus der Zentrale von Adidas komme und ein ganzes halbes Jahr lang hier bleibe, habe ich wohl einen kleinen Bonus und fühle mich besser integriert, als manch andere Praktikanten. Mein neuester Trumpf: Die amerikanischen Kollegen sind total wild darauf, deutsche Schimpfwörter von mir zu lernen und so finde ich mich ab und zu in der surrealen Situation wieder, wie ein Lehrer von einer Gruppe von Erwachsenen zu stehen, die im Chor „Arsch-Loch“ wiederholt.

Highlight gleich in der ersten Woche

Die erste Woche verging wie im Fluge und so war es auch schon Freitagnachmittag, als mein Chef mich um einen Gefallen bat: „Do you know Nick Wooster?“ fragte er mich. Ob ich Nick Wooster kenne? Den absoluten Gott der Männermode? Streetstyle-Ikone und Mr. Cool höchstpersönlich? FOR SURE!

Ein paar Minuten später fand ich mich auf der Straße wieder, mit einer Tüte in der Hand. Doch nicht irgendeiner Tüte! Diese Lieferung war für Nick Wooster bestimmt und ich spielte auf dem Weg nach Hause noch schnell den Boten. Zwar war der Fashion-Papst gerade nicht zu Hause und ich lernte nur seinen Doorman kennen, ein absolutes WOW-Erlebnis war dieser Freitagnachmittag aber dennoch für mich!

Bild via Nick Wooster @Instagram

 

Foodporn-Mekka New York City

Dass NYC auch aus kulinarischer Sicht eine absolute Metropole ist, ist ja nichts neues. Neben den typischen US-Rennern wie Burgern, Hot Dogs und Sandwiches findet man auch aus allen anderen Gegenden der Welt Spezialitäten. Teilweise werden diese – Stichwort TexMex – amerikanisiert, teilweise, gerade in den Randbezirken New Yorks, aber auch wirklich exotisch angeboten.

Natürlich will ich noch vieles ausprobieren, ein Burger-Guide ist in Planung und haufenweise Restaurants stehen auf meiner Liste. Trotzdem möchte ich heute bereits eine absolute Empfehlung aussprechen, ein Restaurant, das mich nachhaltig begeistert hat und das ihr definitiv bei euerem nächsten New York-Besuch aufsuchen solltet: The Meatball Shop! Was vielleicht ein bisschen nach Imbiss klingt, ist ein absolut szeniges Restaurant, das mich in Sachen Atmosphäre ein bisschen an das „The Bird“ in Berlin erinnert.

Zu Cooler Grunge Musik werden Meatballs serviert. Doch diese Fleischbällchen haben mit den Köttbullars bei IKEA absolut nichts gemeinsam. Vielmehr verdient das, was man letztendlich auf dem Teller hat, das amerikanische Prädikat „mouthwatering“ verdammt gut: 3 Bällchen aus bestem, frischem Fleisch, serviert in einem knackigen Brötchen mit Provolone-Käse und grüner-Pesto-Sauce.

In diesem Moment verstummt das Gespräch am Tisch und man sieht lauter glückliche Gesichter, seeling vor sich hin mampfend und kurz vor dem kulinarischen Orgasmus. Dieser folgt dann spätestens beim Dessert. Bestellt euch ein Ice Cream Sandwich und spätestens dann gleicht die Ausschüttung an Glückshormonen in eurem Körper dem Feuerwerk am 4. Juli!

Foto und Titelbild via The Meatball Shop

 

Besuch auf dem Amt

Doch ich habe nicht nur gegessen und das süße Leben genossen. An einem arschkalten Mittwoch musste ich auch aufs Amt, um mir eine Art Sozialversicherungsnummer abzuholen. Nun, Amtsbesuche sind ja nie besonders spaßig, aber was muss, das muss eben! Beim ersten Amt angekommen wurden wir direkt an der Tür von einem bewaffneten Wachmann empfangen, der uns mitteilte, dass wir leider zu einer anderen „Filiale“ des Bürgeramtes gehen müssten. Wir bekamen sogar einen Zettel mit Wegbeschreibung, die uns aber ohne Google Maps und die unglaubliche nützliche App „NYC Subway“ nicht viel gebracht hätte. Nach ungefähr einer Stunde kamen wir dann aber an und wurde wieder von einem bewaffneten Hünen empfangen, der uns jedoch nach einer ausgiebigen Taschenkontrolle hereinließ. Was zur Hölle gibt es denn an einem Bürgeramt zu bewachen??

Wir waren also drinnen, alles easy – sollte man meinen! Unsere frisch gezogene Nummer war aber die 556 und auf dem Display stand gerade die 480, ganz so schnell sollte unser Vormittag dann also nicht vorbei sein. Nach einer Stunde  kamen wir tatsächlich dran und durften durch eine Scheibe mit einer Dame sprechen, die unsere Unterlagen kurz musterte und und mit den Worten „wait till we call your name“ wieder in den flughafenartigen Warteraum entließ. Bis unsere Namen (man konnte sie tatsächlich fast verstehen) dann durchgesagt wurden, war der restliche Raum bereits bei Nummer 666 angekommen. Jeder wollte natürlich wissen, wer denn nun der Teufel ist!

Wie das ganze endete? Ein dicker, Kautabak kauender Klischee-Ami empfing mich (wieder durch eine Glasscheibe) mit den Worten „Guten Tag, ich spreche deutsch, meine Tochter wohnt auf ein Farm in Deutschland, look:“ und zeigte mir ein Foto einer norddeutschen Windmühle. Kleine Welt! Ob mir mein neuer Kumpel etwas brachte? Nein. Er checkte nur meine Unterlagen und sagte mir, dass mir meine Nummer zugeschickt werde. Bis heute kam aber nichts an!

Was lernen wir daraus? Amtsbesuche in Deutschland sind eventuell gar nicht das anstrengendste, was einem passieren kann!

So, genug für heute! In einer Woche gibt es wieder News aus New York, unter anderem zu den Themen Clubs, Culture und Cocaine!

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