Manchmal, ganz manchmal, da halten selbst Kurzstreckentouren mit drei bis fünf Flügen am Tag tolle Überraschungen bereit. Dazu gehört: Ein Tag frei in Istanbul. Direkt nach den Kommunalwahlen in Istanbul war es für mich soweit, und obwohl ich zunächst etwas unsicher war, wie die Lage in der türkischen Metropole zwischen zwei Kontinenten am Tag nach der Wahl so sein würde, bekamen wir auf der Touri-Halbinsel rund um den Großen Basar absolut nichts davon mit. Stattdessen: Strahlender Sonnenschein, frisch gepresster Granatapfelsaft und wie immer großer Ansturm vor der Blauen Moschee. Rein ins Getümmel!

Nach einem leckeren Frühstück auf die Hand ging es also los. Die Blaue Moschee habe ich mittlerweile schon ein paar Mal von innen gesehen, aber ich finde sie immer wieder absolut beeindruckend. Ich könnte da stundenlang rumstehen oder sitzen und mir den Hals verdrehen. Wie genial wäre es, diesen Ort mal ohne das laute Touristengebrummel zu erleben. Denken sich wahrscheinlich auch die Betenden dort – während der Gebetszeiten sind die Türen zwar geschlossen, aber dennoch stehen neugierig wartende Touris davor und scharren mit den Hufen.

Gleich gegenüber der Blauen Moschee steht die Hagia Sophia – von außen fast noch imposanter als die Blaue Moschee. Leider ist die Hagia Sophia montags geschlossen, deshalb konnte ich sie (mal wieder) nur von außen bewundern. Irgendwann schaffe ich das noch. Die Geschichte hinter der Basilika ist schließlich beeindruckend genug: Zentrum der orthodoxen Christen, großes Heiligtum, im 15. Jahrhundert von den Osmanen übernommen und zur Moschee gemacht, dient sie mittlerweile als Museum.

Was ich jedem ans Herz lege, weil man so leicht daran vorbei läuft, ist die Zisterne unter dem Vorplatz. Die Cisterna Basilica wurde im vierten Jahrhundert als Wasserspeicher für den Großen Palast gebaut. Sie ist 138 Meter breit und 65 Meter lang, 336 Säulen stützen die Zisterne – und wenn nicht gerade irgendjemand das wunderschöne Licht mit seinem billigen Kamerablitz zerstört, ist die Stimmung da unten ziemlich magisch. Im hintersten Teil der Zisterne befindet sich übrigens mehrere umgekehrte Medusenhäupter, im Wasser schwimmen ein paar Fische herum, oft läuft klassische Musik. Dem ein oder anderen kommen die Bilder vielleicht auch aus Liebesgrüße aus Moskau bekannt vor.

Dass für mich kein Layover ohne Marktbesuch vergeht, ist ja bekannt. Neben Gewürzen wollte ich diesmal unbedingt neue Hammam-Tücher für meine geliebten Saunabesuche besorgen, also ging es sowohl auf den Ägyptischen Basar, auf dem hauptsächlich Gewürze verkauft werden, als auch auf den nahe gelegenen Großen Basar. Immer wieder Wahnsinn, was hier los ist. Und wie sehr selbst ich mich zusammenreißen muss, hier keine bordeauxrote Céline Luggage für 200 Euro zu kaufen.

Aber ganz ehrlich: Besser als in einen schlechten Fake ist dieses Geld sowieso in kulinarische Genüsse investiert. Zwischen viel zu süßen Baklava und einem Teller Fleisch mit Fleisch trinken wir Efes in einer der Touri-Fallen auf der Galata-Brücke und strecken dabei die Nase in die Sonne. Am Abend freue wie ein kleines Kind über die Käsepide auf einer Dachterrasse irgendwo am Rand des Großen Basars, eine Katze nascht heimlich unter dem Tisch mit. Istanbul ist einfach immer wieder großartig.

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