We all kick the bucket in the end…“ – singt Charlie Winston und ich habe schon echt oft mitgegröhlt bei diesem Refrain. Mal ernst, mal ohne dabei nachzudenken. Und dann kennen viele sicherlich mein Tattoo „Attention! Life is deadly.“ steht auf meiner Brust und während das „Attention!“ viele noch amüsiert, löst die zweite Zeile meist Schweigen aus…

…bloß nicht zu ernst nehmen. Lena, die Autorin dieses Beitrags.

Memento mori. Bedenke, dass du sterben wirst. Carpe Diem. Lebe jeden Tag, als sei es dein Letzter.

Sinnsprüche, die wir alle kennen.

Und dabei ist uns dieses Thema meist einfach nur sehr fern. Und wird uns auch eher immer ferner werden durch bessere medizinische Möglichkeiten, längere Lebenserwartungen undsofort. (Ich hatte mich über dieses Thema auch schon ausführlicher auf Uberding unterhalten: hier geht’s lang und mag das an dieser Stelle nicht breittreten.)

Und durch irgendein Ereignis kommt’s uns dann doch wieder nah. Ich muss zugeben, dass mich das Thema an sich gar nie ganz loslässt und ich daher dachte, ich würde gar nicht so heftig auf Gespräche über Tod & Co reagieren, aber doch, ich tu’s. Und ich lerne verdammt viel dabei. Auch für mein Leben. Und ich hoffe, es geht dem einen oder anderen genau so… und damit auch mal zum Thema: dem Projekt ÜBERleben (das trotz „Über“ nix mit Uberding zu tun hat).

Vor bald einem halben Jahr hat es stattgefunden, ein ganz besonderes Fotoshooting. Ein Fotoshooting, dem ich mit viel Bauchweh entgegensah und nicht recht wusste, ob es so schlau gewesen war, dieser Kundin, die Bilder von sich wollte, die „ihr neues Selbst“ abbildeten, nicht einfach zu sagen, dass ich sowas nicht mache.

Barbara Hauter, 49 Jahre alt, hatte mir geschrieben, da sie nach einer Nahtoderfahrung und langer Zeit im Koma, eine andere geworden war. Und sie wollte sich so, wie sie geworden war, fotografieren lassen. Mit ihren OP-Narben. Mit all dem, was sie zu der Person gemacht hatte, die sie nun war. Mit ihrer neuen Lebensenergie. Mit ihrer anderen Einstellung zu sich selbst.

Und ich hatte zugesagt.

Das liest sich hier jetzt ein wenig wie der Ganz zum Schafott ;), muss ich selbst zugeben. Doch es war wirklich ein Termin, vor dem mir bange war. Und letztlich war das vollkommen unberechtigt.

Denn das Fotoshooting war nicht etwa ein Reinfall, sondern der Auftakt zu einem wunderbaren Projekt. Barbara erzählte mir nämlich von ihrer Idee, Überlebendengeschichten wie die ihre zu sammeln. Und sie fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, als Fotografin dabei zu sein.

Wer sieht die Narbe? – Diana zeigt mir ihr Tattoo im Vergleich zu den echten Blüten.

Ich habe Ja gesagt und inzwischen gibt’s unser Projekt nicht nur im Internet. Nein, wir haben schon eine ganze Liste an Überlebenden, die wir portraitieren werden. Und eine davon habe ich bereits treffen dürfen: Diana, sogar ein bisschen jünger als ich, eine wunderbar bunte, starke und lebensfrohe junge Frau.

Man würde auf den ersten Blick nie denken, dass sie einen schweren Unfall hinter sich hat und die Folgen nicht überstanden sind, sondern sie seither chronische Schmerzen hat und ihr Rücken noch weiterhin operiert werden muss. Auf den zweiten Blick findet man die Narben in ihrem Gesicht und fragt sich dann doch, was da wohl passiert ist.

Ihre Geschichte findet ihr in ein paar Wochen bereits auf unserem Blog und irgendwann dann auch in unserem Buch zum Projekt.

Und wir suchen weiter. Der Plan ist es, jeweils 1-2 Tage in einer Gegend oder Großstadt zu bleiben und dort diejenigen zu treffen, die Teil des Projekts sein mögen. Bei all denjenigen, die mobil sind, würden wir uns an einem schönen hellen Fotoort treffen, bei Menschen, die im Bett bleiben müssen, kommen wir selbstverständlich zuhause vorbei.

Konkrete Termine folgen ganz bald und wir stellen sie natürlich online auf unserer Webseite und auf unserer facebook-Seite.

Wichtig ist uns, dass wir für den ersten Teil des Projekts – wir wollen nicht ausschließen, dass es auch weitere geben wird – nur „körperlich“ Überlebende suchen, also Menschen, die eine schwere Krankheit durchgemacht haben, einen schlimmen Unfall überstanden haben bzw. allgemein eine Nahtoderfahrung gemacht haben (am eigenen Leibe erfahren). Das Überleben im „psychischen“ Sinne lassen wir vorerst außen vor, damit das Ganze nicht ausufert und eine klare Linie hat und da wir dafür erst Erfahrung sammeln mögen.

Das Ganze soll dann in einem Bildband münden mit ganz individuellen Doppelseiten über jede(n) Überlebende(n), die mitmacht.

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