Schon wieder eine Woche vorbei. 10 Wochen bin ich nun schon in New York und so kommt auch die Routine ins Leben. Das bedeutet zwei Dinge: Zum einen, dass man sich so langsam ein bisschen auskennt. Man muss nicht mehr ganz so oft auf die Karte im iPhone starren, nicht mehr ganz so oft die unglaublich hilfreiche NYC Subway-App verwenden. Zum anderen bedeutet das aber auch, dass man nicht mehr ganz so beeindruckt ist, wie noch am Anfang. Man schaut aus dem Fenster und sieht das Empire State Building? Business as usual! Am Ende der Straße sieht man den Freedom Tower in den Himmel ragen? Nicht noch ein Foto!

Doch das soll keinesfalls einen falschen Eindruck vermitteln! Langweilig wird es hier trotzdem nicht und jetzt, wo der Frühling hier so langsam spürbar ist, lernt man eben auch andere Seiten der Stadt zu schätzen. Denn kaum wird es ein bisschen wärmer und sonniger, blüht hier das Leben auf! Parks füllen sich, Menschen treiben Sport, gehen ihren (teils verrückten) Hobbys nach oder genießen einfach nur die Zeit mit ihrer Familie. In so einem Moment wird die atemberaubendste Skyline, die krasseste Shoppingmeile zweitrangig. Eine Dose Dr. Pepper und ein Muffin in der Hand, die Sonnenstrahlen auf den Wangen – so einfach kann Glück sein!

Staten Island Ferry Tour

Doch ganz so faul waren wir dann doch nicht und eine Sache stand noch auf unserer To-Do-Liste, auch wenn die Skyline zur Gewohnheit wurde: Die Fahrt mit der Staten Island Ferry! Eine absolut empfehlenswerte Sache übrigens, gerade für die, die die Stadt nur für ein paar Tage als Touristen besuchen. Die Fähre legt nämlich am unteren Ende Manhattans beim Battery Park ab und fährt – an der Freiheitsstatue vorbei – nach Staten Island. Mega Panorama auf Manhattan, die Brooklyn Bridge und Governor’s Island inklusive.

Und das Beste an der ganzen Sache: Die Fahrt mit der Fähre ist kostenlos! Man kann also ausnahmsweise mal den Geldbeutel stecken lassen, sich an die Reling der Oldschool-Fähre stellen und einfach nur wahrnehmen. Das Kreischen der Möwen, den Geruch der See und die Aussicht auf New York, die auch jene hatten, die früher nach einer harten Überfahrt mit dem Schiff aus Europa kamen – absolut atemberaubend!

Heimatgefühle im Black Forest Brooklyn

Ich bin grundsätzlich ja kein besonders heimatverbundener Mensch. Weder in Bezug auf meine Heimatstadt Freiburg noch auf Deutschland im Allgemeinen. Ich bin eben, wo ich gerade bin und vermisse in der Regel kaum etwas. Gerade in New York, wo es ohnehin alles gibt, war ich also sowieso zufrieden. Perfekte Burger, aber auch Pizza und Essen aus aller Herren Länder, bei einer solchen kulinarischen Overdose sollte man doch befriedigt sein. Oder? Nun ja. Seit etwa zwei Wochen hatte ich dann plötzlich Lust auf deutsches Essen. Fleischkäse mit Kartoffelsalat, daran musste ich denken. Currywurst, Flammkuchen, Maultaschen und Käsespätzle, hach da kamen doch tatsächlich mittelschwere Sehnsüchte auf!

Doch auch dafür weiß eine Stadt wie NYC eine Antwort! Dank meiner Mutter habe ich nämlich erfahren, dass doch tatsächlich zwei Freiburger ein „Black Forest Restaurant“ in Brooklyn eröffnet haben. Eigentlich stehe ich solchen Dingen eher etwas skeptisch gegenüber. Deutsche, die in Thailand ein Schnitzelhaus eröffnen, um den Touristen dort eine Möglichkeit zu bieten, bloß keine fremden Speisen probieren zu müssen? Schrecklich! Meine Meinung ist, dass man immer voll in ein Land eintauchen sollte, auch mal etwas neues probieren sollte. Doch dieses Mal fühlte ich plötzlich etwas anderes. Kein Heimweh. Sondern einfach Appetit auf deutsches Essen, so wie es mich eben auch mal nach einer Pizza oder einem Döner gelüstet. Ich musste einfach in dieses Restaurant, genau das brauchte ich dieses Wochenende.

So fand ich mich also am Samstagabend im „Black Forest Brooklyn“ wieder, unweit des Barclays Center in einer herrlich belebten Gegend. Vor mir stand eine Currywurst und ein Hofbräu und als Nachtisch gab es Bienenstich. Meine Liebste genoss Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelbrei und ein Stück Linzertorte als Dessert, dazu Apfelschorle!

Dieser Moment, wenn man nach zwei Monaten des Querbeet-Probierens durch die amerikanische Bier-Landschaft wieder echtes Bier schmeckt – unbezahlbar! Was ich über das Restaurant sagen kann? Ich fand es super! Die Speisekarte bietet wirklich eine breite Auswahl an Speisen aus der Heimat, die Atmosphäre jedoch ist nicht etwa peinlich wie ein Schwarzwald-Haus im Europapark, sondern einfach wie jede andere coole Kneipe in Brooklyn. Dementsprechend ist auch das Publikum jung und szenig, Klischee-Deutsche, die auch im Ausland nicht ohne ihr Schnitzel leben können, sieht man nicht. Unfassbar glücklich und mit dieser leichten Bierseeligkeit schlief ich in dieser Nacht verdammt gut!

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