Bogotá ist ein Moloch. Riesengroß, auf den ersten Blick ziemlich hässlich und unübersichtlich. Mit einer unfassbaren Einwohnerzahl von 6,8 Millionen schüchtert die Stadt erstmal ein. Der Himmel ist grau, man rechnet ständig mit Gewitter. Busfahren ohne Spanisch zu sprechen erscheint mir unmöglich, es gibt keine Haltestellen und keine Fahrpläne (vom hypermodernen TransMilenio mal abgesehen). Aber es gibt Menschen, und die sind – allen Vorurteilen entgegen – ziemlich hilfsbereit, freundlich und herzlich. Die verraten, in welchen Bus man steigen muss (und vor allen Dingen auch, wann wieder aussteigen), dafür rufen sie im Zweifelsfall sogar Freunde an.

Ich habe in diesen drei Tagen, die sich im Nachhinein fast wie Urlaub angefühlt haben, so viel gesehen dass ich es ehrlich gesagt ein bisschen vor mir her geschoben habe, diesen Post zu schreiben. Reizüberflutung und zu viele warme Erinnerungen, die ich sowieso nicht wiedergeben kann. Aber Schreiben ist Erinnern. Also raus damit.

Für den ersten, absolut lächerlichen Versuch uns einen Überblick über diese riesige Stadt zu verschaffen, zieht es uns erstmal auf den Monserrate. Eine Seilbahn und eine Zahnradbahn fahren zu relativ horrenden Preisen auf den Hausberg Bogotás, man hätte auch laufen können. Aber man muss es ja nicht gleich übertreiben, Bogotá liegt auf 2640 Metern, der Gipfel von Monserrate noch mal fünfhundert Meter höher. Oben angekommen ist die Aussicht einfach nur beeindruckend. Auf dem Berg gibt es die üblichen Touri-Läden und kleine Kaschemmen mit leckerem Essen, wir schlendern vorbei, ich lasse mir die verschiedenen Gerichte erklären.

Wieder im Tal liegt es nah, die paar Meter nach La Candelaria zu laufen. Jeder Tourist, der nach Bogotá kommt, landet früher oder später hier: Bunte Häuschen, viel Chicha, die höchste Dichte an Hostels und Backpackern. Schön, voll, ein bisschen überladen. Ich esse endlich wieder Empanadas, aus den Bars dringt Musik auf den kleinen Platz, wo wir uns auf die Treppen setzen um die Sonne auf der Nase tanzen zu lassen. Mittlerweile hat sie sich blicken lassen.

Es lohnt sich, auch in die weniger pittoresken, aber genauso sehenswerten Seitenstraßen der Altstadt zu schlendern. Hier ist etwas weniger los, es ist ruhig, man fühlt sich fast schon wie in einem abgelegenen Bergdorf – wenn man den Blick nicht über die Hausdächer schweifen lässt.

Zum Abendessen zieht es uns nach Usaquén. Das fast schon europäisch anmutende Viertel lockt den Konsumfan mit modernem Einkaufszentrum, einem hübschen Kunsthandwerksmarkt und vielen szenigen Restaurants – wir landen einen absoluten Glückstreffer mit dem Wok, das es offensichtlich überall in der Stadt gibt. Auch wenn der Service eher rustikal ist, genießen wir die köstlichen Curries und meine Begleitungen, die sich seit Monaten in Südamerika befinden, die große vegetarische Auswahl.

Wenn man schon so viel Zeit an einem Ort hat, dann sollte man auch ein bisschen aus der Stadt raus fahren, finde ich. Während ein Teil meiner Kollegen Kaffeeplantagen oder Karibikinseln erkundet, setzen wir uns ins Auto und fahren nach Zipaquirá im Norden der Stadt. Die Salzkathedrale dort gilt als eine der größten Sehenswürdigkeiten rund um Bogotá – und ist ein absoluter Reinfall: Stillgelegte Salzminen, die noch möglichst viele Touristen anziehen sollen und deshalb auf abstruseste Art und Weise in eine unterirdische Kathedrale verwandelt wurden.

Alle paar Meter ein in Stein gemeißeltes Kreuz, das stark abstrahiert für eine Bibelgeschichte stehen soll. Jesusfiguren, Engelchen, aus den Lautsprechern säuselt es leise Ave Maria. Selbst wer stark gläubig ist muss hier eigentlich merken, dass die Mine an sich, ohne den künstlich geschaffenen Jesus-Bezug, mindestens genauso beeindruckend wäre.

Besser gefällt mir die Laguna de Guatavita – und die Geschichten, die uns der Guide auf dem Weg auf den Krater erzählt. Nicht, dass ich mit meinem eingerosteten Spanisch alles verstehe, aber genug um mich an der Legende von El Dorado zu erfreuen. Und dann einfach nur noch am Ausblick.

Kein Erst-Aufenthalt in Bogotá scheint vollkommen ohne einen Besuch im Museo del Oro. Das Goldmuseum hat den Ruf des besten Museums Südamerikas, das schönste ist es vielleicht, und man lernt hier wahnsinnig viel über die Geschichte und die verschiedenen Regionen des Landes. All das steigert meine Lust auf mehr: Nach drei Tagen hier frage ich mich wirklich, warum ich erst jetzt nach Bogotá gekommen bin.

Ja, die Stadt an sich ist nicht gerade schön. Es gibt spektakulärere Orte, Ziele mit mehr Prestige, mehr Glitzer und Tamtam. Aber meine Neugier auf Kolumbien hat gerade dieses Spröde geweckt, dieses Unperfekte und Improvisierte. Ich habe es vermieden, nachts alleine auf der Straße unterwegs zu sein, und man muss sich ja auch nicht gleich die Rolex um den Arm schnallen. Aber soweit habe ich mich ziemlich sicher gefühlt.

Zeit, dieses Land mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich versuche jedenfalls, so bald wie möglich wieder hin zu kommen. Die typischen Spots in Bogotá kenne ich jetzt, aber da ist noch so viel mehr. Eine wahnsinnig beeindruckende Street Art Szene zum Beispiel. Ein wunderschönes Umland, von dem ich bisher nur Bruchstücke gesehen habe. Die Küste, die einfach nur traumhaft sein muss. Medellin, Cali & Co. ¡Colombia, voy a volver!

Kommentare

Send this to a friend