Nach drei Monaten im quirligen, lauten und auch stickigen New York waren wir der Meinung, dass wir mal aus der Stadt raus sollten. Die USA sehen, uns mal ein Wochenende Abstand vom neuen Alltag gönnen. Das mag verrückt klingen, schließlich leben wir hier unseren Traum und von Außen betrachtet sieht es vielleicht aus, als wären wir hier ein halbes Jahr lang im Urlaub. Sind wir aber nicht, schließlich leben wir hier ganz normal, arbeiten fünf Tage die Woche und müssen uns ständig um unliebsame Dinge wie Einkaufen und Wäsche Waschen kümmern. Also eben ein Kurzurlaub mit schmalem Budget!

Ein Wochenendtrip in die Hauptstadt der USA

Die Vereinigten Staaten sind wirklich riesig sind (manchen Leuten ist das gar nicht klar aber von der Ostküste an die Westküste sind es mal eben knappe 5000 Kilometer), das mussten wir berücksichtigen. Ein Reiseziel in der Nähe, das man unbedingt mal gesehen haben sollte und von dem alle schwärmen? Da kam uns sofort die Hauptstadt in den Sinn. Schließlich kennt man Washington D.C. aus unzähligen Filmen und wenn in diesen nicht gerade das Weiße Haus weggebombt wird, schaut es dort auch sehr schön aus. Meine Arbeitskollegen, von denen einige sogar in D.C. studiert haben, empfahlen mir die Reise auch sofort , also haben wir nicht lange gezögert und gebucht. Mit dem Greyhound Bus ist man in 4 Stunden von New York in der Hauptstadt, die Busse fahren mehrmals täglich und pro Person kostete der Trip hin und zurück nur 54$ – ein absolutes Schnäppchen also!

Im Bus spielten unsere Gefühle dann gleich ein bisschen verrückt! Zum einen verschaffte uns der Blick von New Jersey aus zurück auf Manhattan einen dieser „Boaahhhhh NEW YORK ALTAAA“ Flashes – zum anderen waren wir unterwegs, auf dem US-Highway, hinein ein die weite des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten! Nach drei Monaten Großstadtdschungel kann sich so eine Fahrt durch eine kaum bewohnte Gegend anfühlen, als wäre man Kolumbus auf dem Weg nach Indien – oder eben Amerika!

In D.C. angekommen nahmen wir dann gleich mehrere Dinge wahr: Huiuiui, diese Klischee-Amis! Dicke Familien in Funktionskleidung mit allerlei eigenartigen Gadgets, wie sie in einer Komödie nicht besser besetzt werden. Als nächstes fiel uns auf, was für ein Dorf-Feeling man in D.C im Vergleich zu NYC bekommt. Das U-Bahn-Netz und die Fahrpläne sind im guten  alten Stuttgart besser – und das bei einer Stadt mit gut 600.000 Einwohnern!

Sightseeing in Washington D.C.

Nachdem wir Freitagabend spät in der Stadt ankamen und nur noch in unser Bett im Days Inn gefallen waren, begannen wir unseren Samstag voller Elan, eine Liste voller Dinge, die wir sehen wollten, in der Hand. Das Hotel ist für den Preis übrigens ordentlich, sollte man aber etwas mehr Budget haben, so empfehle ich eine zentralere Unterkunft.

Bei strahlendem Sonnenschein (der mir später noch einen ordentlichen Sonnenbrand einbringen sollte) kamen wir mitten in der Stadt an. Mitten in der Stadt, wo am Wochenende absolut nichts los war. Als wir uns dann aber den weltbekannten Sehenswürdigkeiten näherten, begegneten wir doch einigen Menschen, wie man auf meinen Schnappschüssen sehen kann. Plötzlich vor dem Monument, dem Weißen Haus und dem Capitol zu stehen – ich hätte nicht gedacht, dass man ein derartiges, dem Patriotismus für ein fremdes Land nahes Gefühl empfinden kann. Verstärkt wurde dies noch durch die Anwesenheit unzähliger Kriegsveteranen, die sich mit stolz geschwellter Brust durch ihr eigenes Denkmal schieben ließen.

Wie schrecklich Kriege eigentlich sind, zeigt der Arlington Cementery eindrucksvoll. Auf dem Soldatenfriedhof reihen sich die Grabsteine zu Tausenden, die Tatsache, dass John F. Kennedy hier ebenfalls begraben liegt, rückt da beinahe in den Hintergrund! Ob in den Weltkriegen oder in Vietnam, die unzähligen Grabsteine verraten, wo Familien ihre geliebten Väter und Söhne verloren haben.

Flott unterwegs mit dem Citybike

D.C. ist groß. Auch wenn man aus einer günstigen Position sämtliche Sehenswürdigkeiten gleichzeitig sehen kann, ist man zu Fuß wirklich lange unterwegs, wenn man alle aus nächster Nähe sehen möchte. Leider wurden wir uns erst nach dem Monument, dem Jefferson- sowie dem Lincoln Memorial und dem weißen Haus der Tatsache bewusst, dass D.C. ein sehr gutes Bike-Sharing-System besitzt, das man ohne Papierkram benutzen kann – man muss nur die Kreditkarte swipen und kann losfahren!

Ich muss sagen: Ich habe es noch nie so genossen, Fahrrad zu fahren! Ganz entspannt Cruisen und sich trotzdem schneller zu bewegen, als jeder Fußgänger, das ist die paar Dollar auf jeden Fall wert. Und da man das U-Bahn-netz wie bereits erwähnt getrost vergessen kann, ist Capitol Bikeshare definitiv Gold wert. Besonders zu empfehlen ist es, am Potomac River entlang ins Szene-Viertel Georgetown zu radeln, das Fahrrad dort an einer der Stationen wieder abzugeben und bei einem Drink und guten Burger im Clyde’s of Georgetown den Tag ausklingen zu lassen.

Viel mehr als einen Tag braucht man auch nicht, um das Wichtigste von D.C. komprimiert zu erleben. Einen Besuch ist die US-Hauptstadt aber in jedem Fall wert. Solltet ihr eine Reise nach NYC planen – ich kann euch nur ans Herz legen, etwas länger in den Staaten zu bleiben, einen vollen Tag in D.C. zu verbringen und dann von dort zurückzufliegen.

Eine Info noch am Rande: Washington D.C. hat unglaublich viele Museen zu bieten, von denen viele sogar umsonst sind. Da wir aber nicht allzu sehr auf Museen stehen und uns das Traumwetter zu schade erschien, um auch nur eine Stunde in einem Gebäude zu verbringen, übersprangen wir diesen Punkt guten Gewissens und drehten noch eine Runde mit dem Bike, setzten uns auf die Treppe vor dem Lincoln Memorial und genossen bei einem Eistee das Leben!

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