Hier bei Uberding wird in der letzten Zeit ja ganz schön vorgelegt. Mia geht bei Though Mudder an den Start, Lisa läuft jetzt regelmäßig gegen den inneren Schweinehund an. Hah, Ehrgeiz geweckt! Also, bin ich Fahrrad gefahren. Diesmal allerdings nicht bloß eine kleine Runde um den See, sondern über 600 Kilometer von Berlin nach Gießen.

Die Mission: Eine Fahrradtour durch Deutschland

Eigentlich hatte ich nur ein Wochenende auf dem Fahrrad eingeplant. Ein bisschen frische Luft, Bewegung und ab zurück in die große Stadt. Dann die große Überraschung: So eine Tour mit dem Rad ist großartig! Also Leute, aufsitzen und losfahren! Es lohnt sich sehr und wir haben Glück, denn Deutschland ist absolutes Fahrradland. Über 70 ausgeschriebene Routen gibt es und wunderbar ist es noch dazu. Klar, die größeren und kleineren Städte kennt man und am Bahnfenster lassen wir die Landschaft immer wieder gerne gemütlich vorbeiziehen. Trotzdem waren so viele Orte im eigenen Land für mich bisher eher Worte auf Autobahnausfahrten oder Bahnhofsschildern. Auf dem Fahrrad bekommen sie dann plötzlich ein Gesicht.

Ein gutes Stück des Weges sind wir auf dem R1 gefahren, dem Europaradweg, der eigentlich von der französischen Westküste auf 3800 Kilometern nach St. Petersburg führt. Konkret heißt das: von Berlin nach Potsdam, Lutherstadt Wittenberg, durch den Fläming und das Biosphärenreservat Mittelelbe, über Goslar und die Nordseite des Harzes, durch das Weserbergland bis Höxter. Von dort ging es für uns dann ab durch Hessen: an der Fulda, Schwalm und Lahn entlang, um eine Woche später pünktlich zum Grillen bei der Familie des Lieblingsjungen aufzutauchen.

Vom Staunen und einem Po wie J.Lo: Muskelkater und Wehwehchen

Der Start durch Brandenburg verzaubert mich bereits. All die Seen und luftigen Wälder lösen in mir Sommer-Kribbeln aus. Die Landschaft ist weit, Orte drängen sich hier nicht dicht an dicht. Im Gegenteil, manche scheinen nur aus einer Handvoll Häusern zu bestehen. Ich merke wie ich aufatme, auch wenn die ersten Tage für den Körper eine ungewohnte Belastung bedeuten und er mit Ziepen und Wehwehchen reagiert. Am zweiten Abend bin ich mir deswegen noch sicher, dass ich diesen Artikel: „Embrace your pain“ nennen werde. Aber dann passiert etwas wundersames: Meine Beine fangen mit jedem weiteren Tag an sich leichter anzufühlen, meine Handgelenke hat der Lieblingsjunge mit Sporttape versehen und somit entlastet, mein Rücken tut kaum mehr weh. Einzig der Po wird unsichere Konstante bleiben, trotz Polster-Hose, die mir optisch einen Hauch von J.Lo verleiht.

Packesel: Gepäck am Fahrrad

Eines lernt man schnell: beim Fahrradfahren geht es auch darum Durchzuhalten und auf Eitelkeit zu verzichten. Viel Platz für Gepäck bleibt schließlich nicht. Mein Rennrad lässt keinen Gepäckträger zu, also muss alles in drei Gepäckträgertaschen am Fahrrad des Lieblingsjungen und einem kleinen Rucksack auf meinem Rücken verstaut werden. Vor Abfahrt bin ich skeptisch, als ich den wirklich kleinen Haufen Kleidung vor mir sehe, den man mir zugesteht. Aber alle weiteren Verhandlungen und Mogelversuche bringen mir nur erhobene Zeigefinger ein. Nun ja, ganz ehrlich? Fast den kompletten Tag verbringt man eh auf dem Fahrrad in Sportsachen, die relativ leicht und platzsparend sind. Wir hatten außerdem unser Zelt dabei, und auf dem Camping-Platz muss ich keine Medaille für das beste Outfit gewinnen. Wenn man etwas Geld übrig hat, lohnt es sich aber definitiv in Ultralight-Ausrüstung zu investieren. Umso leichter und komprimierter Zelt, Schlafsäcke und Iso-Matten sind, umso mehr Platz bleibt am Ende dann doch für das ein oder andere Lieblingsteil.

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