Eigentlich ist Wettenberg eine verschlafene Gemeinde irgendwo in Mittelhessen. Zwei Eisdielen, eine Hauptstraße, Fachwerkhäuser und Pferdeweiden, sonst ist hier nicht viel los. Aber einmal im Jahr geht ganz Wettenberg auf Zeitreise: Das Golden Oldies Festival lockt seit 25 Jahren Oldtimer-Fans, Verkleidungskünstler und Vintage Liebhaber in den Ort. Die Hauptstraße verwandelt sich in eine Flaniermeile, man sieht Petticoats, Polka Dots und Pomade wohin man auch blickt. Irgendwo am Straßenrand lasse ich mir die Haare zum Fifties Updo hochstecken, irgendjemand will mir eine Coke im Retro-Design zustecken und ich bin kurz davor, nach rosafarbener Zuckerwatte zu fragen.

Der Tatsache, dass man mich mit dicken Angeber-Schlitten weniger beeindrucken kann als so manch andere Frau liegt vielleicht zu Grunde, dass ich schon in jungen Jahren mit – in meinen Augen – wesentlich geschmackvolleren Autos umgeben war als mit denen, die sich erfolgreiche Jungunternehmer heute zumeist leisten. Nichts für ungut, aber ein zierlicher Triumph kann mich immer noch wesentlich mehr beeindrucken als ein moderner Sportwagen mit hohen PS-Zahlen, unter denen ich mir sowieso nichts vorstellen kann. Liebend gerne bin ich deshalb am Wochenende der Einladung zum Golden Oldies gefolgt: Oldtimer. H-Kennzeichen, lautes Motorenknattern. TR4, Spitfire, ein wunderschöner Porsche, die Isetta. Und zwischendrin junge Herren mit Tattoos, hochgekrempelten Ärmeln und Pomade im Haar. Ich komme gerne wieder!

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