Und dann liegt dein nackter Körper auf kaltem Stein. Du spürst wie dein Atem langsamer wird und wie langsam warmes Wasser deinen Körper umschließt. Nicht nur dein Körper wird leichter sondern auch deine Gedanken. Es sind vierzig Minuten die sich wie eine Ewigkeit und wie ein kleiner Moment zugleich anfühlen. Und dann weißt du, dass hier die Schmerzen weggehen. Die Kopfschmerzen. Die Gliederschmerzen und der Druck der uns so schwer macht.

Ein paar Stunden mit Rucksack über Stock und Stein. Kilometer versetzend, das gesparte Taschengeld im Beutel zwischen Klippen, Bäume und Gestein hindurch um irgendwann eine knappe Stunde im 34 Grad warmen Termalwasser zu sitzen. Das war Wellness früher an der Taminaschlucht im alten Bad Pfäfers, zu welchem wir mit einem öffentlichen Bus (der in der Sommerzeit entlang des Flusses fährt, nichts für Angsthasen).

Die Geschichte des Alten Bad Pfäfers beginnt im Jahr 1240, als zwei Jäger eine 36,5°C warme Quelle entdecken. Und in genau dieser Schlucht waren wir diese Woche. Im Wasser der Quelle erkannten  die Mönche des nahe gelegenen Benediktiner-Klosters eine heilende Wirkung. Eine Wirkung die bis heute zahlreiche Badegäste in diese Umgebung und nach Bad Ragaz zieht.

Ab 1350 wurden hölzerne Badehäuser quer über die tosende Tamina (der Fluss in dieser Schlucht) gebaut. Die Badegäste wurden dann teilweise von abgeseilt um in den Genuss der warmen Quelle zu kommen. Verrückt, oder?

Bäder in Thermalwasser sollen wirkungsvoller als Cremes sein.  Thermalwasser soll gereizte Haut beruhigen, bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis helfen, den Kreislauf anregen und rheumatische Schmerzen lindern. Und außerdem ist es doch auch psychisch einfach das beste in warmem Wasser zu versinken und innerlich wie äußerlich einfach mal los zulassen. Das genau das als „Wellness“ beschrieben wird (ja, stimmt, damals kannte man dieses seltsame Wort noch nicht) und sich seit vielen Jahrhunderten (!) nicht verändert hat liegt wohl an der Natur des Menschens und seiner Bedürfnisse.

Aber ein bisschen anders hat es damals dann doch ausgeschaut mit den kleinen Keller-Räumchen, den Wannen und den Wasserleitungen die ununterbrochen die warme Quelle anzapfte. 1969 wurde hier das letzte Mal gebadet und in meinem inneren Auge kann ich die damaligen Szenen noch heute sehen.

Auch der Dichter Rainer Maria Rilke, von welchem im übrigen das Zitat „Je mehr Liebe man gibt, desto mehr besitzt man davon.“ stammt kam ins alte Bad Pfäfers um zu baden. Ab 1840 führte man das Thermalwasser nach Ragaz, wo damit der Entstehung des Weltkurortes Bad Ragaz nichts mehr im Wege lag. Wie „Wellness heute“ dort dann aussieht zeige ich euch in einem Artikel auf den ihr euch Anfang der nächsten Woche freuen dürft!

Was wir außerdem gelernt haben: Das Thermalwasser fließt etwa 10 Jahr lang durch diverse Gesteinschichten bis es zum Schluss im Glas oder in der Wanne landet.


Diese Fotos hat die liebe Nina Stiller geschossen. © uberding

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