Bogotá ist ein graues Moloch – aber nur auf den ersten Blick. Sobald man nämlich durch die Straßen dieser riesigen Stadt läuft, wird auf einmal alles ganz bunt. Die Menschen, ihre Kleidung, das Essen, die Früchte überall – und die Wände. Da ich die unzähligen Murals die letzten Male nur verschwommen im Vorbeifahren wahrnahm, begab ich mich diesmal in die Hände eines Mannes der sich mit der Streetart Szene Bogotás besonders gut auskennt und ließ mir die coolsten Pieces rund um La Calendaria zeigen. Kaum betritt man hier die engen Gassen, drängen sich einem Tags und Stencils gerade zu auf.

Wie überall auf der Welt hat die Streetart auch in Bogotá einen hohen kommunikativen Wert. Politische Missstände und soziale Ungerechtigkeit wurden und werden hier nach wie vor verbildlicht, man sieht aber auch viele Bilder die sich mit der Geschichte des Landes oder mit den Rechten der indigenen Bevölkerung beschäftigen. Streetart ist in Bogotá übrigens mittlerweile so toleriert wie sonst nur an wenigen Orten dieser Welt: Wer von der Polizei erwischt wird zahlt meist so viel wie für einen Strafzettel – was eine krasse Entwicklung ist, wurden doch bis vor wenigen Jahren noch Künstler beim Sprühen von der Polizei erschossen. Eines der vielen Beispiele vielleicht dafür, wie viel an diesem Ort in den letzten paar Jahren passiert ist.

Mittlerweile werden Künstler teilweise sogar darum gebeten oder dafür bezahlt, Häuserwände mit aufwändigen Murals zu verzieren, um auf Läden aufmerksam zu machen oder Schmierereien zu verhindern. Vor allem Pieces angesehener Künstler werden nur sehr selten gecrossed. Meine Favoritin der kolumbischen Künstler, die ich gesehen habe, ist Bastardilla. Sie ist eine der wenigen Frauen der Szene und malt eindrucksvolle Portraits. Stinkfish hat mich damit beeindruckt, wie er aus Fotos detailreiche Stencils macht und überall in Bogotá verteilt. Aber auch die farbenfrohen Werke von Rodez sind ziemlich mein Fall. In der Galerie seht ihr auch noch Bilder von Pez, DJ LU, Shaday und Toxicomano.

Wenn es euch irgendwann mal nach Bogotá verschlagen sollte und ihr euch genauso für die riesige Szene der Streetart in Bogota interessiert wie ich, empfehle ich euch unbedingt die Bogota Graffiti Tour mitzumachen. Sie wurde vom australischen Streetart Künstler Crisp ins Leben gerufen und findet jeden Tag statt – Treffpunkt ist um zehn Uhr an der Simon Bolivar-Statue auf dem Plaza de Periodistas. Die Tourguides sprechen alle hervorragendes Englisch, bezahlt wird nach eigenem Ermessen (üblich sind zwischen 20- und 30.000 Pesos).

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