Nachdem wir San Francisco, den Highway 1 und Los Angeles im Mercedes SL erkundet hatten und so zwei Wochen lang eine Mischung aus Strandurlaub und Citytrip erleben konnten, war es dann Zeit, von unserem schicken, sportlichen Flitzer Abschied zu nehmen. Doch die Tränen des Abschiedes waren kaum vertrocknet, als schon wieder Freudentränen folgten: Für den zweiten Teil unserer Reise holten wir bei unserem Vermieter Moturis das Wohnmobil ab, das für die nächsten drei Wochen unser Zuhause sein sollte, unser fahrendes Zuhause auf einer Reise durch den Wilden Westen, durch die atemberaubenden National Parks und über tausende Highway-Kilometer, die alleine schon reichen würden, um drei Wochen lang zu staunen. Die USA im Wohnmobil zu bereisen, bedeutete für uns die Erfüllung eines Traums!

Reisen im Wohnmobil – wie geht das?

Zunächst einmal die Info: Das geht ganz einfach. Wir beispielsweise haben über das Reisebüro des ADAC unseren Camper beim Schweizer Vermieter Moturis gebucht, der Standorte überall in den USA besitzt. Weil wir relativ spät dran waren, mussten wir ein Wohnmobil mit stolzen 9 Metern Länge nehmen, das natürlich auch etwas teurer war. Anbieter wie Moturis haben aber eigentlich jede Größe im Angebot, vom handlichen Camper für zwei Personen bis hin zum riesigen Luxusliner für Großfamilien. Der Preis fürs USA-Camping ist auch halb so wild – die Wohnmobile sind zwar nicht gerade ein Schnäppchen und ziehen ziemlich viel Sprit, durch die niedrigen Benzinpreise hier in den Staaten (aktuell ungefähr 1$ pro Liter) sowie die sehr günstigen Campingplätze (im Schnitt so 20$ pro Nacht) wird der Urlaub dann aber trotzdem nicht unbezahlbar. Übrigens: Einen besonderen Führerschein braucht man nicht! Während ich in Deutschland unser Wohnmobil mit meinem normalen B-Führerschein nicht fahren dürfte, ist das hier völlig in Ordnung. Das Handling ist zwar am Anfang etwas ungewohnt und erfordert am ersten Tag viel Vorsicht, wird dann aber schnell zur Routine.

Der erste Stopp: Joshua Tree National Park

Für nur 80$ pro Jahr bekommt man Zutritt zu allen National Parks der USA – was in Anbetracht der Vielfalt ein absolutes Schnäppchen ist. Unser erstes Ziel nach Los Angeles war der Joshua Tree National Park, ein unwirklich erscheinendes Gebiet, in dem die stacheligen, verzweigten Joshua Trees neben ein bisschen Gestrüpp das einzige sind, was die felsige Mondlandschaft unterbricht.

Der Kontrast zu all den Großstädten, in denen wir das letzte halbe Jahr verbracht haben, hätte nicht größer sein können! Unglaubliche Ruhe, frische Luft und ein Himmel, der durch seine Klarheit und all die funkelnden Sterne völlig surreal erschien. Dazu ein sehr kleiner und naturbelassener Campingplatz (Hidden Valley Campground), auf dem wir zum ersten Mal seit langer, langer Zeit so richtig grillten und dann von den Felsen aus den Sonnenuntergang beobachteten. Ein wirklich wunderschöner, empfehlenswerter Ort!

Kaum in Worte zu fassen: Der Grand Canyon

Einige hundert Kilometer weiter, die wir teilweise auf der legendären Route 66 zurücklegten, wartete dann der wohl berühmteste Ort des Amerikanischen Südwestens auf uns: Der Grand Canyon. Wir stellten unser Wohnmobil auf dem Mather Campground ab, der sich direkt in dem großen Nadelwald befindet, der sich bis an den Rand des Canyons erstreckt und wollten gerade loslaufen, um einen Blick in den Grand Canyon zu werfen, als wir auf ein Knacken ganz in unserer Nähe aufmerksam wurden: Nur 20 Meter weiter hatte ein prächtiger Hirsch mit seinem riesigen Geweih ein kleines Bäumchen umgerissen, um dessen Blätter zu essen. Für diesen Snack ließ er sich dann auch den halben Nachmittag Zeit, sodass wir ihn – natürlich einige Fotos später – zurückließen und uns zum Canyon aufmachten.

Der Moment, wenn man an den Rand des Grand Canyons tritt, ist absolut unbeschreiblich. Jeder hat schon Fotos von Freunden gesehen, die waghalsig am Rande der Schlucht posen, um das perfekte Urlaubsfoto zu bekommen. Doch wie riesig, tief und überhaupt abartig dieses Loch im Boden eigentlich ist, wird einem erst bewusst, wenn man selbst dasteht und sich einfach unfassbar klein vorkommt!

Ein noch besserer Weg, den Grand Canyon zu erfahren (und vor allem etwas mehr zu erleben als die Millionen Bustouristen, die kurz an den Grand Canyon fahren, sich die Speicherkarte mit Erinnerungen vollladen und dann wieder weiterziehen) ist eine Wanderung IN den Grand Canyon. Dazu eignet sich der Bright Angel Trail sehr gut, der nicht weit vom Campground entfernt am Rande des Canyons beginnt und sich über 1000 Höhenmeter hinab in den Canyon windet, wo man sich dann in einer Oase namens Indian Gardens ausruhen kann, bevor man die selbe Strecke wieder zurücklegt – nur nach oben!

Wer noch ein bisschen Luft und Zeit hat, bevor er sich auf den Rückweg macht, der sollte unbedingt noch 5 Kilometer dranhängen und zum Plateau Point laufen, von wo man einen Wahnsinns-Ausblick auf den Colorado River hat, der sich weitere 400m tiefer durch den Canyon schlängelt. Theoretisch könnte man auch von ganz oben bis zum Fluss wandern, dies sollte man aber nur tun, wenn man auch beabsichtigt, auf dem dortigen Campingplatz zu übernachten. Davon, die gesamte Stecke und vor allem Steigung an einem einzigen Tag zu machen, rate ich persönlich ab – wie auch das National Park Management.

Zwischenstopp am Lake Powell

Mit dem krassen Muskelkater unserer Wanderung im Grand Canyon kam es uns sehr gelegen, dass für den nächsten Tag wieder eher Fahren angesagt war. Auf dem Weg zum Monument Valley war der Lake Powell unser Zwischenziel, wo wir am späten Nachmittag einfach glücklich in den erfrischenden See sprangen, ein bisschen am Strand relaxten und von unserem Wohnmobil aus den Sonnenuntergang beobachteten, auf den ein unglaublich klares Sternenbild inklusive Milchstraße folgte. Hach, diese Freiheit!

Hallo John Wayne: Das Monument Valley

Vor dem Frühstück nochmals in den See gehüpft und schon ging unser Roadtrip auch weiter – schließlich stehen insgesamt gut 3000 Kilometer auf dem Plan! Es folgte ein weiterer wunderschöner On-The-Road-Abschnitt, bevor wir uns von einem Moment auf den anderen fühlten, als seien wir plötzlich in einem Western gelandet. Der Grund? Wir hatten das Monument Valley erreicht, wo früher viele der bekanntesten Cowboyfilme gedreht wurden, unter anderem jene, in denen der große John Wayne mitgewirkt hatte. In dem Gebiet, das noch heute den Indiandern gehört, befindet sich die Goulding’s Lodge, zu der neben der Hotelanlage und einem Supermarkt auch ein schöner Campingplatz gehört. Von dort erkundeten wir zu Fuß die umliegende Gegend inklusive der charakteristischen Monolithen, relaxten am Pool und erledigten Dinge, die man eben auch auf einer langen Reise tun muss. Wäsche waschen zum Beispiel.

Den Rest des Monument Valley konnten wir dann auf der Weiterfahrt nach Norden erleben, wo unser nächstes Ziel liegt: Der Canyonlands National Park, von dem ich euch nächste Woche berichten werde – und von all den anderen Orten, die wir bis dahin bereisen!

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