Mein letzter Reisebericht endete am Dead Horse Point, den wir – entgegen seines reißerischen Namens – unbeschadet überstanden haben. Es folgte eine der größten Etappen unserer USA-Reise, da wir kurzfristig einen Stopp übersprangen, um dafür an anderer Stelle mehr Zeit zu haben. So ging es an einem Tag um die 700 Kilometer vom Dead Horse Point über den Capitol Reef National Park, den atemberaubenden Dixie National Forest sowie das Grand Staircase Escalante National Monument bis zum atemberaubenden Bryce Canyon National Park.

Der Bryce National Park – so schön wie surreal

Im frühen Morgengrauen fuhren wir von einem Zwischenhalt außerhalb des Parks zum North Campground im Bryce National Park, um auf jeden Fall einen Platz zu bekommen – schließlich herrschte auch dort das ‚First Come, First Serve’ Prinzip und wir hatten im Laufe der Reise schon festgestellt, dass der September definitiv noch zur Hauptsaison gehört, was Roadtrips durch den Südwesten der USA angeht.

Durch diesen Move fanden wir direkt einen schönen Stellplatz für unser Wohnmobil, sodass wir nach einem entspannten Frühstück inmitten der duftenden Pinien direkt einen Spaziergang zum Rand des Canyons machen konnten. Was der Grand Canyon durch seine Größe erreicht, erzielt der Bryce Canyon durch die Mischung aus spektakulären Sandsteinfelsen und Pflanzen aller Art. Nach all den kargeren Gegenden merkten wir, wie sehr wir doch auf die wirklich grüne Komponente der Natur anspringen, ob Baum oder Busch – irgendwie fühlt man sich doch einfach Frisch, wenn man sich zwischen Pflanzen bewegt!

Auf einer ausgiebigen Tour am Canyon entlang konnten wir uns aus unzähligen Blickwinkeln von der Schönheit des National Parks überzeugen, zur großen geplanten Wanderung in die Schlucht hinunter kam es leider nicht, da uns das erste Mal auf der gesamten Reise das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Weit mehr als 12 Stunden prasselnder Regen ohne Unterbrechung sorgte dafür, dass wir es nur schafften, am Nachmittag einen kleinen Abstecher zwischen die Felsen zu machen. Mit kiloschweren Matschbrocken an den Füßen kamen wir wieder zurück und waren froh, dass es am General Store des Parks öffentliche Duschen gab! Übrigens zeigte uns der Schlechtwettertag auch, wie wertvoll ein richtiges Wohnmobil ist. Während wir nämlich im Trockenen Karten spielten, kochten und das beste aus der Situation machten, schauten die Herrschaften, die mit einem Zelt unterwegs waren, ganz schön doof aus der Wäsche!

Der Zion National Park – einer unserer Favoriten!

Am folgenden Tag ging es – wieder in aller Herrgottsfrühe – zum Zion National Park, wo wir durch einen uralten Tunnel in den Park fuhren, der so schmal ist, dass der Verkehr vor dem Tunnel angehalten wird, wenn ihn von der anderen Seite ein Wohnmobil durchqueren will. Die lang gezogenen Serpentinen, die im Anschluss an den Tunnel ins Tal hinabführen, ließen mich wieder einmal vom Mercedes SL träumen, der diese vermutlich mit deutlich mehr Grazie gemeistert hätte, als unser schweres, 9 Meter langes Wohnmobil!

Doch auf dem South Campground angekommen, war schnell ein Platz gefunden und schon war es wieder angenehm, einen fahrbaren Untersatz zu besitzen, der mit Kühlschrank und fließendem Wasser auftrumpfen kann – und mit einem Bett! Müde vom frühen Roadtrip vom einen Park zum anderen legten wir nämlich einen entspannten Powernap ein. Ausgeruht und gestärkt machten wir uns etwas später auf, den Park zu erkunden. Interessiert man sich für die Geschichte des Parks und allerlei spannenden und witzige Details zur Gegend, so besitzt der Park gleich in doppelter Hinsicht einen tollen Service: Alle paar Minuten fahren kostenlose Shuttlebusse quer durch das Tal, die nicht nur Besucher transportieren sondern durch die Boxen im Inneren auch eine wirklich schöne Audio-Begleitung bieten. Mehr als die Hälfte der Talstraße ist sogar nur für diese Busse reserviert, Autos müssen auf dem Park&Ride Parkplatz am Visitor Center abgestellt werden. Was das bedeutet? Keine Staus und eine weitaus unberührtere Natur!

Doch wir sind ja schließlich noch keine Rentner, also begnügten wir uns natürlich nicht mit einer informativen Busfahrt. Stattdessen stellten wir uns der anspruchsvollsten Wanderung, die an diesem Tag möglich war: Dem Aufstieg nach ‚Angel’s Landing’, einem den Felswänden vorgelagerten Grat auf dem man – nach einem Hardcore Anstieg – in ungefähr 500 Metern Höhe entlang läuft und klettert, während es wenige Schritte rechts und links der Route scheinbar endlos in die Tiefe geht. Die Aussicht und die süßen, gefräßigen Chipmunks am Ende des Weges sind aber jede Anstrengung und Überwindung wert! Und zwar so wert, dass wir die selbe Tour als kleine Challenge einfach am nächsten Tag noch einmal machten, mit einer anderen Wanderung aus dem Parkguide des Visitor Centers als Warm-Up! Schließlich konnten wir ja aus der Ferne nicht einfach tatenlos zusehen, wie Mia sich erneut dem Tough Mudder stellte!

Ein Roadtrip geht zu Ende

Nach tausenden von Kilometern, unzähligen Orten und mehreren Wochen im Nirgendwo ging mit den traumhaften Tagen im Zion National Park dann auch leider der Roadtrip unseres Lebens zu Ende. Das finale Ziel hieß Las Vegas, wo wir unser Wohnmobil abgeben musten. Quasi direkt vor den Toren der Stadt, im wunderschönen aber auch unglaublich heißen Valley of Fire State park, verbrachten wir noch eine letzte Nacht in unserem treuen Camper, dann hieß es: Welcome to fabulous Las Vegas!

Las Vegas – Sin City voller Extreme

Ob Ocean’s 11 oder Hangover, Vegas ist eine Stadt der Legenden. ‚What happens in Vegas stays in Vegas’ ist das Motto, unter dem jährlich Millionen an Besuchern in die Sin City kommen, um zu Trinken und zu Spielen.

Die Meinungen zu Las Vegas sind dabei gespalten, ähnlich wie beim Ballermann auf Mallorca: Die einen lieben es, die anderen hassen es. Hass ist zwar ein böses Wort doch gehöre trotzdem ich eher zur zweiten Gruppe. Natürlich kann man in Vegas einfach ein bisschen Urlaub machen, am Pool relaxen und einen Ausflug zum nahen Grand Canyon machen.

Doch wer kommt schon wirklich deshalb? Die Realität besteht eher aus abstoßenden, kaputten Menschen zweier Extreme: Zum einen ist da der Typ Mensch, wie man ihn aus ‚Mitten im Leben’ auf RTL kennt. Am unteren Rand der Gesellschaft, der Exzess und die Hoffnung auf den großen Gewinn im Casino sind die Strohhalme, an die er sich noch klammert. Er pöbelt schon auch mal vormittags besoffen im Aufzug rum. Auf der anderen Seite sind da die Reichen ohne Geschmack und ein Haufen Frauen mit viel viel Silikon. Das klassische System eben.

Doch ich will ja nicht nur motzen, das wäre unfair – wir hatten als Abschluss der Reise nämlich eine wirklich schöne Zeit in Las Vegas. Der Kontrast zum Camping hätte nicht größer sein können: Unser super stylishes Zimmer im neu eröffneten Boutiquehotel Delano trumpfte nämlich unter anderem mit einem riesigen Badezimmer auf, das für uns in etwa so viel bedeutet, wie eine Oase für einen Verdurstenden in der Wüste. Auch sonst boten King Size Bed, die verdammt guten Hotelrestaurants und natürlich der riesige Pool mit Wellenfunktion genau das, was das Wohnmobil konnte. Im Gegenzug mussten natürlich Natur und wilde Tiere der Großstadt weichen.

Die USA-Reise ist zu Ende – so geht es nun weiter

Eigentlich war es so geplant, dass wir auf dem Rückweg von Vegas nach Deutschland noch schnell eine Nacht in New York stoppen würden, um dort unser restliches Gepäck abzuholen. Doch dann kam alles anders: Mein Arbeitgeber adidas fragte mich kurz vorm Urlaub plötzlich, ob ich denn nicht noch bleiben wolle. Und so werde ich nun bis Weihnachten in New York bleiben, hier unter anderem Halloween und Thanksgiving erleben. Doch davon berichte ich euch dann natürlich wie gewohnt!

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