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Das nächste Albanien-Ziel, das Valbona Valley – oder auch das entlegenste Tal Europas – löste schon vor Erreichen echtes Kribbeln der Vorfreude bei mir aus. Zuerst einmal muss man aber dort hinkommen und schon die Reise ist ein kleines Abenteuer.

Auf nach Valbona – Eine Reise Richtung Alpenglühen!

Wir steigen frühmorgens in Shkodra in einen kleinen Bus und schieben uns durch die Ausläufer der Berge. Die Straßen sind teilweise unbefestigt, es ist eng und beim Raussehen schlägt mein Herz etwas schneller. In Fierza angekommen wartet eine Fähre auf uns, die uns drei Stunden lang über den Komani Stausee fahren wird. In einem Reiseführer haben wir gelesen, dass das der „probably most breathtaking boat ride on earth“ sein würde. Ich bin mir nicht sicher, was ich von solchen Superlativen halte, aber was wir sehen, ist definitiv beeindruckend. Wir fahren quasi durch ein geflutetes Tal, zu beiden Seiten ragen Berge auf. Ganz vereinzelt sieht man Häuser an den Hängen kleben. Wer auf der Suche nach Einsamkeit ist, hier bekommt man sie noch. Ich sitze auf dem Bootsdeck in der Sonne und frage mich, wie es sein muss hier zu leben. Bei dem Gedanken wie sich hier ein ordentliches Unwetter anhören muss, schaudere ich trotz Sonnenschein. Die Kulisse beeindruckt mich mit einer Brachialität, die anziehend und furchteinflößend gleichzeitig ist.

Vom Gipfelstürmen und einer Zeitreise

Nach der Bootsfahrt sind wir immer noch nicht am Ziel. Eine weitere Stunde Autofahrt trennt uns weiterhin von der Ankunft. Dann sind wir da, mitten in den Bergen und ich bin sprachlos. Zu allen Seiten türmen sich Gipfel auf, die Luft ist klar, durchs Gestein wirbelt die Valbona, der Fluss, der dem Tal seinen Namen gibt. Zu allem Überfluss taucht die Sonne alles in surreales Gold – allerfeinstes Alpenglühen in Albanien. Ich fühle mich als sei ich in eine Postkarte gefallen und weiß die meiste Zeit nicht, wo ich hinsehen soll bei all der Schönheit.

Das Valbona Valley ist ein Zauberort, an dem es viel zu erleben gibt. Die meisten (also vielleicht 30 Touristen pro Tag) entschließen sich zu einer Tour nach Theth; überwandern dabei den zugehörigen Pass und übernachten dann in dem kleinen Bergdorf. Wir sind im Tal geblieben und haben uns für eine der zahlreichen Tageswanderungen entschieden. Am Ende sollen wir auf circa 1900 Meter am Maja e Rosit aufgestiegen sein und nach Montenegro geblickt haben, denn die albanischen Alpen markieren die Grenze zum Nachbarland.

Die Route hatten wir an diesem Tag quasi für uns alleine. Keine anderen Wanderer, einzig ein paar Höfe zu Beginn des Weges und nach vier Stunden Aufstieg ein Haus, in dem über den Sommer ein altes Ehepaar lebt – in für uns gefühlter absoluter Abgeschiedenheit. Dort machen wir Rast und bekommen etwas zu trinken. Mehr als wie eine räumliche Reise fühlt sich das wie eine Zeitreise an. „Schnell mal in die Stadt,“ gibt es hier nicht, genauso wenig wie Strom oder Komfort in Dingen, die wir Zuhause in Berlin so gerne ansammeln. Seit langer Zeit zum ersten Mal gibt es auch keine gemeinsame Sprache auf der man sich verständigen könnte. Hier spricht man kein Englisch, auf Albanisch können wir außer „Danke“ kaum etwas sagen. Also schweigen wir und schauen, wir gestikulieren, zeigen auf den Gipfel und lächeln.

Als wir unser Tagesziel nach einer weiteren Stunde Aufstieg erreichen, tanze ich ein bisschen auf dem Plateau, das wir uns erwandert haben. Albanien ist so voller kostbarer Orte und kaum jemand spricht davon. Was so wunderschön ist, wird aber nicht mehr auf ewig verborgen bleiben und so kann ich allen, die Fernweh nach einem fast noch geheimen Ort quasi vor der eigenen Haustür haben, nur raten: Auf nach Albanien!


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