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Seit über einem halben Jahr lebe ich nun in New York, bis auf den großen Roadtrip durch den Südwesten der USA im September und einen Ausflug in die Hamptons im Juli bin ich aber noch nicht aus der Stadt herausgekommen. Der Gipfel der Gefühle während des Alltags im Big Apple waren Tage, die wir im Park oder am Strand verbracht haben – in New York City! Als ein Kumpel also die Idee hatte, den Indian Summer als Anlass zu nehmen, mal aus NYC raus nach Norden zu fahren, war ich sofort dabei!

Bequem Reisen im Super-Audi

Der Start des Roadtrips war einer der Momente, in denen man sein Bloggerleben einfach nur liebt: Ich lebte meinen ganz normalen Praktikanten-Alltag im adidas-Office als mein Handy klingelte. Am anderen Ende war ein Kurier, der mit einem Parkticket vor dem Gebäude auf mich wartete und eine Minute später mit den Worten „have fun, that car is awesome“ wieder verschwand. Wenig später hatte ich dann auch Feierabend und machte mich fröhlich pfeifend auf dem Weg zur Garage um die Ecke, wo mich meine Wochenend-Begleitung erwartete: Ein schneeweißer Audi S7, der mich mit freudig funkelnden LED-Scheinwerfern empfing und zur Begrüßung mit einem grimmigen V8-Fauchen dafür sorgte, dass ich eine leichte Gänsehaut bekam.

Los ging die Fahrt, die zunächst aber nicht gerade von den 450 PS des Audis geprägt war. Durch den Feierabendverkehr Manhattans brauchten wir mehrere Stunden, bis wir die Stadt endlich verlassen hatten und uns mit einem höllischen Kickdown in Richtung Cape Cod aufmachten. Dort kamen wir am späten Abend auch an und machten die Erfahrung, dass ein Motel irgendwo im Nirgendwo für 45$ pro Nacht gar nicht mal lausiger ist als ein 150$ Hotel in New York.

Cape Cod und Boston

Der Plan war es, zum Frühstück am Meer ganz an die Spitze von Cape Cod zu fahren und dann später Boston inklusive Harvard zu erkunden. Das Wetter machte uns aber einen gehörigen Strich durch die Rechnung, es regnete bis in den frühen Nachmittag hinein ohne Pause und so frühstückten wir zwar in Provincetown auf Cape Cod, hielten sonst aber nicht sonderlich an (und machten dementsprechend auch keine Fotos, von der grauen, wolkenverhangenen und nassem Ostküste.

Auch der nächste Stopp Boston fiel eher kurz aus, zum einen war das dem Wetter geschuldet, zum anderen der Tatsache, dass wir die Entfernungen in Nordosten ein bisschen unterschätzt hatten – beziehungsweise in Sachen Reisegeschwindigkeit zu deutsch gedacht hatten und nicht in lahmen 60 Meilen pro Stunde.

Wir machten dennoch Halt in Cambridge, wo wir über den Harvard-Campus schlenderten, der mich aber fast ein bisschen enttäuschte. Außer unzähligen Asiatischen Reisegruppen war alles sehr tot und unspektakulär, lediglich ein paar Klischee-Nerds am Straßenrand zeugten davon, dass hier Nobelpreisträger und Präsidenten ihre Bildung genossen. Finanziert wird Harvard scheinbar durch Strafzettel für Falschparker – wir mussten zumindest 25$ löhnen, weil wir unsere Parkuhr um wenige Minuten überzogen hatten!

Der Indian Summer in New England

Kaum dass wir Boston verlassen hatten, klarte das Wetter auf und unsere Augen wurden mit Sonnenschein verwöhnt. Passend dazu wurde es um den Highway herum immer bunter, wir hatten das ländliche New England nun so richtig erreicht und der Indian Summer war allgegenwärtig. Die Bäume zeigten sich im gelb-roten Herbstkleid und am späten Nachmittag erlebten wir einen richtigen Fototapeten-Moment, als wir an einem schnuckeligen kleinen See Pause machten, wo sich die bunten Bäume im Wasser spiegelten und der Audi in der tief stehenden Sonne funkelte.

Unser nächster Stopp war Waterbury in Vermont, wo ich mir einen kleinen Traum erfüllte, als wir die Ben & Jerry’s Fabrik besuchten. Den Geburtsort meines absoluten Lieblingseises zu sehen und mit einer riesigen Portion Eis in der Hand zufrieden in den bequemen Sportsitze des S7 zu relaxen, wie könnte ein Tag schöner enden?

Nun, zum Beispiel damit, Abends müde ein Hotel anzusteuern und sich dort ins Bett fallen zu lassen. Wir mussten nämlich leider erfahren, dass Spontaneität bei einem Roadtrip nicht immer für ein Gefühl von Freiheit sorgt. Zum Beispiel dann, wenn ein kompletter Landstrich bereits ausgebucht ist, weil scheinbar jeder am Columbus Day Weekend den Indian Summer erkunden will. Wenn man dann noch ein Hotel über eine Online-Vergleichsseite bucht, extra 100 Kilometer weit fährt und im Hotel gesagt bekommt, dass es leider kein Zimmer mehr gibt, dann wünscht man sich nur noch, man hätte etwas im Voraus gebucht – auf Kosten der Spontaneität und der Freiheit! Der Abend fand aber ein gutes Ende, das wiederum eines echten Roadtrips würdig war: Abendessen im McDonald’s Drive-In geholt, kühles Bier bei Walgreens und ein klassisches 0815 Motel mit freien Zimmern ließ sich auch finden.

Zurück nach New York durch bunte Wälder

Nach einem ausgiebigen Pancake-Frühstück im lokalen „Szene-Restaurant“ machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Rückweg, schließlich lagen noch einige hundert Meilen vor uns und wir wollten nicht erst Nachts zurück nach New York kommen. Zunächst nahmen wir aber noch einige ausgedehnte Umwege auf uns, um mehr vom Indian Summer zu sehen und ein wenig die frische Luft in den Wäldern von Vermont zu genießen. Besonders die Gegend um Killington ist sehr zu empfehlen, dort gibt es neben dem Lake Dunmore auch wunderschöne Waldwege, kurvige Bergstraßen und kleine, hübsche Orte.

Der Rückweg in den Big Apple führte uns an Albany vorbei über Queens nach Manhattan, wo ich gerade vorübergehend in der Upper East Side wohne. Als wir dort am Sonntagabend ankamen fragte ich mich wieder einmal, warum es tatsächlich Menschen gibt, die in Manhattan ein Auto besitzen. Die Parkplatzsuche ist unglaublich frustrierend, der Verkehr steht meistens mehr als dass er fließen würde und um während der Arbeit 8 Stunden im West Village zu parken, bezahlt man mal eben 30$. Aber Amis finden es eben unglaublich convenient, mit dem Auto zu fahren und nicht mit dem Subway.

Mein Fazit zum Indian Summer Roadtrip

Der Indian Summer (und New England im Allgemeinen) ist wirklich sehenswert! Es war wirklich traumhaft, so richtig aus der Stadt rauszukommen und eine bezaubernde Natur zu erleben, die zwar jeder aus unzähligen Filmen kennt, aber kaum einer mit eigenen Augen sieht. Ich würde allerdings empfehlen, etwas mehr Zeit einzuplanen, da die Entfernungen wirklich extrem sind. Wir haben an einem einzigen Wochenende gute 2000 Kilometer gerissen und das Auto kaum verlassen, was uns zwar großen Spaß gemacht hat, aber bestimmt nicht jedermanns Sache ist. Gerade, wenn man eine Wanderung einbauen möchte, braucht man einen Tag mehr, macht man fünf Tage draus, kann man sich außerdem wirklich intensiv mit Boston beschäftigen und eventuell sogar einen Abstecher an die Niagarafälle anhängen.

Unsere Wiederentdeckung des Roadtrips war übrigens ein Lied. Auf einer Reise durch den extrem wild bestückten iPod meines Kumpels stießen wir auf Jeanny von Falco – ein großartiger Song, heute wie damals!

 

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