Paris, London, Barcelona, Prag – das sind die großen Ziele für Städtetrips, wenn ich mich mit Freunden unterhalte. Paris das ist Magie, da gehe ich mit. Und an meine London-Zeit mit Anfang Zwanzig denke ich tatsächlich immer noch mit Herzklopfen zurück, weil ich selten einen Ort so lebendig fand. Und doch zieht es mich gerade Richtung Osten in die Arme der hässlichen Schönheit Skopjes und der entspannten Dynamik Sofias.

Was es in Europas Osten zu entdecken gibt und warum man die Metropolen im Osten getrost auf die eigene Fernweh-Liste schreiben darf, verrate ich heute.

Skopje

Ich habe selten so viele Statuen gesehen wie in der mazedonischen Hauptstadt. Das liegt daran, dass die Regierung dabei ist – unter großem finanziellen Aufwand – das Stadtbild aufzuwerten und dabei auf Prunk setzt. Direkt im Zentrum wurde zum Beispiel das gigantische Abbild eines Mann auf einem Pferd errichtet – der ewig andauernde Streit mit Griechenland über dessen Herkunft verbietet es offiziell ihn als „Alexander den Großen“ zu identifizieren. Eine gewisse Häme der Öffentlichkeit hat der Stadt zudem die Tatsache eingebracht, dass all die neuen Gebäude im Stil des Historismus’ erbaut und mit ihren Säulen, Verzierungen und Wasserspielen so aussehen, als hätte man ein bisschen zu tief in die Kitschkiste gegriffen. Vor allem aber stehen sie in hartem Gegensatz zu den klaren und harten Betonbauten der 1960er Jahre, die ansonsten das Stadtbild prägen. Geschmack hin- oder her, ich empfehle einen Spaziergang durch das absurd anmutende Zentrum wärmstens!

Über die Steinbrücke, eines der Wahrzeichen Skopjes, kann man dann auch bequem den Fluß Vardar überqueren und gelangt in Windeseile zum Alten Bazaar, welcher tatsächlich der größte seiner Art außerhalb Istanbuls sein soll! Wie ich so etwas liebe! Abtauchen in eine fremde Welt, enge Gassen, kleine Geschäfte. Überall wuseln Menschen, eintausend unterschiedliche Gerüche hängen in der Luft, so viel Leben um einen herum, dass man sich selbst gleich elektrisiert fühlt. Am besten lässt man sich durch die Sträßchen treiben, macht Halt bei der Moschee, schaut in Schaufenster, trinkt um die nächste Ecke einen starken Espresso und isst an einem alten Holztisch orientalische Speisen von einer Vielzahl kleiner bunten Teller.

Wer wie wir im Sommer da ist, kann Abends noch einen ausgedehnten Spaziergang durch den Stadtpark machen. Die Bänke und Mauern hier sind offenbar beliebter Treffpunkt bei den mazedonischen Jugendlichen. Hier hört man Musik, skatet, trinkt, lacht und zieht dann vielleicht noch weiter in einen der Clubs, die sich auch hier angesiedelt haben.

Mit etwas mehr Zeit hätte ich gerne noch einen Abstecher nach Shukta gemacht, die weltweit größte Roma-Siedlung, die sich nur ungefähr 20 Minuten mit dem Bus vom Zentrum entfernt befindet. Das Viertel in den Hügeln vor den Toren der Stadt soll noch einmal eine eigene Welt für sich sein. Hier wurden auch einige Szenen aus Emir Kusturica’s „Time of the Gypsies“ aufgenommen und bei einer zweiten Reise nach Skopje steht das ganz oben auf meiner Liste.

Ich bin jedenfalls schwer angetan von dieser hässlich schönen Stadt. Der nostalgische, farbenfrohe Basar, der neu gebaute Kitsch und diese gleichzeitige Rauheit der Straßen abseits des Zentrums machen die Stadt aufregend und abwechslungsreich. Das Gefühl von Aufbruch, das irgendwie über allem in der Luft hängt, haben mich ganz schön angefixt. Vielleicht war auf eine Art und Weise Berlin einmal so, denke ich als ich im Bus nach viel zu wenig Zeit davon fahre. Wer auch in Grau Schönheit sehen kann, sollte definitiv einen Städtetrip nach Skopje machen !

Sofia

„Huch, ist das hübsch hier!“, habe ich während unseres Stopps in Sofia immer wieder in meinem Kopf ausgerufen. Die vergoldeten Zwiebeltürme der Aleksander Nevski – Kirche, die sowjetischen Prachtbauten, die kleinen Parks, hippen Boutiquen und gemütlichen Cafés machen ganz schön etwas her und verleihen der Stadt eine Ost-trifft-West-Atmosphäre. Tatsächlich hat sich die bulgarische Hauptstadt ziemlich oft nach meinem Zuhause Berlin angefühlt. Für mich eine Überraschung.

Aber eines nach dem anderen. Am besten wagt man sich einfach zu Fuß durch die Stadt. Die monumentalen Sehenswürdigkeiten kann man alle gut erlaufen. Wir haben uns dafür drei Stunden Zeit genommen und laut eines aus Sofia stammenden Freundes bekommt man so einen hervorragenden Überblick. Ich empfehle definitiv einen Gang durch die pulsierende Shishman – Straße und das umgrenzende Viertel. Hier findet man kleine Geschäfte und Cafés und gegen ein kleines Loch im Bauch kann man sich an einer der Buden verdammt gutes Banitsa – bulgarisches Blätterteiggebäck mit Käse – kaufen.

Der richtige Hunger sollte einen dann allerdings zu Made in Home treiben. Wenn man Restaurants einpacken könnte, dann hätte ich dieses unfassbar gerne hier in Berlin. Die Einrichtung ist so liebevoll und gemütlich, dass ein Aufbruch plötzlich in weite Ferne rückt und das Essen ist auch ein Traum.

Wer noch einen zweiten Tag in Sofia hat, sollte ihn mit einem Frühstück bei Tabla starten. Auch so ein Wohlfühl-Ort, der den Spagat zwischen Coolness und Wärme schafft. Gut gestärkt lohnt sich dann eine Fahrt ins Umland. Sofia liegt nämlich in einem Tal, daher ist es ins Vitosha-Gebirge und den zugehörigen Naturpark nicht weit. Ihr seht: unzählige Möglichkeiten! Wer es entspannt und weniger rau mag, wird das hübsche und ganz schön hippe Sofia mit Sicherheit mögen!


Bilder: Büro Für Alles

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