Die Weihnachtszeit in New York ist ein Faktor, der erheblich zum Mythos der Stadt beiträgt. Durch Filme wie „Kevin Allein in New York“ und Fotos vom Weihnachtsbaum am Rockefeller-Center und der Eislaufbahn im Central Park wird jeder zum Träumen angeregt und nicht wenige fliegen extra zum Weihnachtsshopping in die US-Metropole. Ich lebe hier bis zum Ende des Jahres, konnte diesen Programmpunkt also quasi nebenbei mitnehmen – was ich dazu zu sagen habe? Lest weiter!

Der Weihnachtsbaum am Rockefeller, Eislaufen und Shopping

Das Klischee-Weihnachtsprogramm für NYC ist bekannt: Man schlendert gemütlich durch das bunt leuchtende Manhattan, vorbei am Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller-Center, wo man dann auch gleich noch eine Runde Eislaufen geht. Nach diesem Spaßprogramm heißt es Weihnachtsshopping auf der berühmten 5th Avenue.

Soviel zur Theorie. Die Realität war für mich leider etwas ernüchternd. Von Besinnlichkeit ist nämlich nicht viel zu spüren, in dieser Gegend von Manhattan. Die Menschenmassen schieben sich langsam durch die Straßen, der ein oder andere wird auch schon mal aggressiv, wenn er nicht den perfekten Blick auf den Weihnachtsbaum bekommt. Und in den Stores ist die Hölle los, wer etwas anprobieren will, hat gelitten.

Glühwein zum Aufwärmen geht ja leider auch nicht, da in den USA bekanntlich kein Alkohol auf der Straße konsumiert werden darf. Bummer, wie der Ami sagt! Es kann aber auch daran liegen, dass ich schon so lange hier bin. Als New Yorker verliert man im ständigen Strudel der Geschehnisse schnell mal den Blick für schöne, kleine Details und hetzt einfach so überall vorbei. Vielleicht ist das alles anders, wenn man als Tourist in der Stadt ist und mit ganz anderem Vorsatz unterwegs ist. Wenn man selbst sehr ruhig lebt und den Trubel des Big Apple total toll und aufregend findet. Wenn man die Weihnachtszeit in New York als Anlass nimmt, nach Amerika zu fliegen.

Am Ende kriegt einen New York City dann aber doch

Ich kann trotz allem Stress und aller Ernüchterung aber nicht leugnen, dass es den ein oder anderen Kribbel-Moment gab. Als in der Straße vorm Büro plötzlich ein Stand für Weihnachtsbäume war und es morgens nach Tanne geduftet hat zum Beispiel. Oder wenn man all die Menschen, all den Stress mal für einen Moment ausblendet, der Weihnachtsmusik lauscht, die aus den Lautsprechern von Saks Fifth Avenue tönt und sich im Lichtermeer verliert, dann wirkt Weihnachten irgendwie doch ganz nah. In dem Moment kommt dann noch eine weiße Kutsche vorbei und von einem der Straßenhädler weht der Duft von heißen Maronen herüber und es ist wie immer in New York: Alles zu viel und genau das liebt man dann doch irgendwie.

Mein Tipp für maximale Weihnachtsstimmung

Die intensivste Weihnachtsstimmung meines Lebens hatte ich vor ein paar Jahren erlebt. Da waren wir mit der Familie über die Feiertage nach St. Ullrich in Südtirol gefahren. Das Dorf war verschneit und hübsch beleuchtet, die Menschen stapften in dicken Mänteln und mit Schals und Handschuhen durch die Gegend und die Tannenbäume waren ohnehin schon an jeder Ecke. Da hatte man wirklich das Gefühl, den Weihnachtsmann jeden Moment um eine Ecke kommen zu sehen. Für mich ist Weihnachten einfach eher so ein Dorf-Ding, das Jahr ist schließlich immer wild genug, da freue ich mich dann, wenn alles eine Nummer kleiner und ruhiger abläuft für einige Tage.

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