Ich bin zwar mittlerweile zurück in Deutschland und sitze mit Mia, Lisa und Daniel im uberding-Büro, doch so ganz sind New York und all die Erlebnisse, die ich dort hatte, noch nicht aus meinem Kopf verschwunden. Teilweise völlig ohne Zusammenhang, teilweise ausgelöst durch bestimmte Situationen, muss ich dann wieder an den Big Apple und mein Leben dort denken. Ein Leben, das der absolute Wahnsinn war und ganz anders als hier in Deutschland.

Weil es viele Unterschiede gibt – kleinere aber auch größere – und ich beinahe täglich von Bekannten auf facebook lese, dass sie eine Reise nach NYC planen, habe ich beschlossen, ein paar Tipps mit euch zu teilen. Tipps, mit denen ihr euch wie ein echter New Yorker fühlen könnt und nicht ausseht wie ein Tourist, den jemand planlos auf dem Times Square abgesetzt hat.

1. Mit dem Strom schwimmen

New York ist eine sehr schnelle Stadt. Manche empfinden das als stressig und chaotisch, aber wenn man etwas mehr Zeit dort verbringt, dann lernt man, das zu verstehen. Die Leute dort sind ständig unterwegs und total an alles gewöhnt, sie wollen einfach nur noch ankommen und bleiben nicht mehr jedes Mal mit großen Augen stehen, nur weil sie irgendwo das Empire State Building sehen. Diesem Fluss der Menschen durch die Stadt kann man entweder folgen – oder aber eine Art Staudamm bilden, indem man nichts besseres zu tun hat, als mitten auf dem überfüllten Gehweg stehen zu bleiben, um in den Reiseführer zu schauen. Es spricht ja nichts gegen Reiseführer, Google Maps und Co., aber sucht euch dafür doch ein ruhiges Eckchen aus, das ist dann für alle Beteiligten angenehmer.
Gleiches gilt auch für Fotos: Man kann nicht erwarten, dass 200 Menschen ihren Marsch zum Office kurz unterbrechen, nur damit das perfekte Familienfoto direkt auf dem Broadway entstehen kann. Sucht euch dafür lieber Orte wie den Brooklyn Bridge Park (NICHT auf der Brücke), den Central Park oder auch Roosevelt Island aus. Die Belohnung: Ein Foto ohne (unfreiwillige) Photobombs durch Passanten.

2. Rote Ampeln? Fuck Off!

Ich möchte natürlich nicht, dass ihr euch blind in Gefahr begebt und von einem durch die Gegend rasenden Taxi ins Jenseits befördert werdet. Doch es ist nun einmal Fakt, dass rote Ampeln für New Yorker Fußgänger keinerlei Bedeutung haben. Man läuft eben, wenn die Straße gerade (halbwegs) frei ist und wartet einen Moment, wenn ein Auto auf die Kreuzung zuschießt. Wartet man an einer roten Ampel, so outet man sich quasi direkt als Tourist und verliert hier und da wertvolle Minuten. Und das will doch beides keiner. Also: links-rechts-links gucken und einfach laufen. Ich habe noch nie erlebt, dass die Cops auch nur böse schauen, wenn man genau vor ihrer Nase über eine rote Ampel läuft.

3. Steuer beim Shopping in NYC

In Amerika hat jeder Bundesstaat seine eigene Mehrwertsteuer. Teilweise haben Städte außerdem noch eigene Steuern, die beim Kauf eines Produktes fällig werden, so auch New York City. Das Problem dabei: Am Regal oder auf dem Preisschild steht immer der Nettopreis, auf den dann an der Kasse die Steuer aufgeschlagen wird. In NYC sind das insgesamt 8,875%, die am Ende noch obendrauf kommen. Das klingt zwar nicht allzu viel, kann bei ausgedehnteren Shoppingtouren aber durchaus zu einer bösen Überraschung an der Kasse führen und (mal abgesehen vom Zoll-Problem) den Kauf eines Produktes im Ausland wirtschaftlich unrentabel machen, gerade bei Elektrogeräten wie Kameras. Deshalb: Immer erst denken und nachrechnen und dann eine Kaufentscheidung treffen.

4. Cool aussehen

Durch den extremen Multikulti-Charakter der Stadt ist es quasi unmöglich, einen klaren Stil zu definieren, der für New York steht. Es gibt die feinen Herren an der Wallstreet, die Hipster in Williamsburg und all die HipHop-Streetwear-Menschen aus Brooklyn, Queens und der Bronx. Dazu eine bunte Mischung an religiös begründeten Kleidungsstilen. Aber dennoch schaffen es deutsche Touristen teilweise, das Unmögliche möglich zu machen und durch ihren klischeehaften Funktionslook aufzufallen, bestehend aus einer farblich auffälligen aber sonst todlangweiligen Windjacke und frisch in NYC gekauften Nike Free Sneakers. Klar soll es bequem und auch praktisch sein, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist. Und man kann ja schließlich auch nicht die ganze Garderobe von zu Hause mitschleppen. Aber ein Citytrip nach NYC ist schließlich keine Expedition in die Wildnis. Also zieht euch was schönes an, für einen coolen Auftritt und schönere Urlaubsfotos von euch selbst.

5. Mobiles Internet nutzen

Ein absoluter Convenience-Tipp: Geht direkt zu T-Mobile und kauft euch für 50$ eine Prepaid SIM-Karte mit mobilem Internet. Das erleichtert einfach alles. Man findet sich zurecht, kann über Yelp mal eben die besten Restaurants in der Umgebung abchecken und die Freunde zu Hause können auch mit tollen Schnappschüssen auf Instgram bei Laune gehalten werden. Außerdem hat mich meine Erfahrung in den letzten Monaten gelehrt, dass es eine Sache der Unmöglichkeit ist sich in NYC mit Bekannten zu treffen, wen eine Seite ohne Internet unterwegs ist und damit kommunikationstechnisch ein Reset zurück in die Steinzeit erfahren hat. 50 Dollar, die einigen Ärger und einigen Zeitverlust ersparen, sind wirklich eine sinnvolle Investition!

6. Den Times Square meiden

Ja der Times Square ist eines der Wahrzeichen der Stadt und ja, man sollte ihn auch unbedingt sehen. Und ja, die meisten Reisebüros stecken einen auch in Hotels in der Gegend direkt um den Times Square, oder ins nahe Hell’s Kitchen. Doch nein, dort zu wohnen und sich allgemein allzu lange in Midtown West aufzuhalten, halte ich für keine gute Idee. Warum? Dort ist es einfach nur laut, überfüllt, anstrengend und vor allem sehr TOURISTISCH! Die Restaurants sind nicht gut aber teuer, die Gebäude nicht schön und von Szene-Feeling weit und breit keine Spur. Steigt lieber in einem Hotel, Hostel oder Apartment in SoHo, Chelsea, Williamsburg oder auch Brooklyn Heights ab, da ist es schöner. Zum Essen schreibe ich demnächst noch einen Restaurant-Guide mit meinen persönlichen Empfehlungen.

7. Die Zeit in vollen Zügen genießen

Ich habe es in meinem Abschiedsbrief an NYC erwähnt und kann das auch für Kurzzeit-Besucher nur unterstreichen: New York ist anders, total aufregend – aber das kostet auch Geld. Was ich sagen will: Man sollte nicht nach New York gehen, wenn man auf jeden Cent achten muss. Vielmehr schreit die Stadt, die niemals schläft, danach, mal so richtig zu leben und nach dem Burger eben noch einen Schokokuchen zu bestellen, nachts nach dem Feiern spontan ein feines Steak zu snacken und dazu Champagner zu schlürfen – oder was das Herz eben so begehrt. Gleiches gilt für die Unterkunft, auch daran sollte man nicht sparen. Man möchte sich schließlich rund um die Uhr wohlfühlen, richtig? Aus diesem Grund gebe ich euch auch meine Tipps für New York City weiter.

New Yorker leben immer am Anschlag, sparen nicht und machen eben, wonach ihnen gerade ist. Das sollte man als Besucher auch tun, vernünftig sein kann man dann zu Hause wieder!

8. Offen sein

Immer wieder habe ich es in meiner Zeit in NYC erlebt, dass Deutsche mit völlig falschen und veralteten Vorstellungen ihre Reise antreten. „Was, du wohnst in Brooklyn? Ist es da nicht voll gefährlich?“, habe ich öfter gehört und musste dann immer laut loslachen. New York hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, Eddie Murphy Filme aus den 90er Jahren sind zur Vorbereitung auf den Big Apple im Jahre 2015 nun wirklich nicht mehr geeignet. Ebenso, wie man keine Gangster sieht, die auf offener Straße ahnungslose Touristen ausrauben, bekommt man in New York City übrigens kaum 0815 Klischee-Amerikaner zu sehen. Also: lauft offen und tolerant durch die Straßen und genießt die Vielfalt, die euch begegnet. Angst haben müsst ihr definitiv nicht!

9. Fair Trinkgeld geben

Das leidige Thema Trinkgeld, bei dem wir Deutschen einfach ein komplett anderes System gewöhnt sind. Hierzulande werden Kellner ganz normal bezahlt und können sich dank der hier und da aus Großzügigkeit geschenkten Euros teilweise regelrecht eine goldene Nase verdienen. Kleinvieh macht schließlich auch Mist. In Amerika ist das aber grundlegend anders: Dort verdient das Servicepersonal nur einen Hungerlohn und ist zum Überleben auf das Trinkgeld angewiesen.

Es gibt keinerlei Pflicht (auch wenn manche Kellner tatsächlich versuchen, den Touristen genau das weis zu machen), aber alles unter 10% ist eine Frechheit und 15% sollte man eigentlich schon geben. Außer der Service war wirklich außergewöhnlich schlecht. War ich hingegen echt zufrieden mit einem Abend in einem Restaurant oder einer Bar, so habe ich immer 20% Trinkgeld gegeben. Das klingt zwar viel, aber so wirklich weh tut es am Ende dann doch nicht und dafür kann man mit reinem Gewissen nach Hause ziehen. Karma und so.

10. Den Aufenthalt planen

Ein bisschen Spontaneität ist immer gut. Aber völlig planlos nach NYC zu kommen, ist nicht zu empfehlen. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, da sollte man schon etwas vorbereitet rangehen, gerade, wenn man noch nie da war. Natürlich ist es schön, stundenlang in einem schnuckligen Café im West Village zu sitzen. Doch wenn man dafür den nächsten Tag damit verbringt, gestresst von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen, hat man nichts gewonnen. Deshalb: genügend Zeit einplanen und das ganze etwas strukturiert angehen. Schaut doch mal in meinen NYC-Guide, vielleicht hilft der euch ja dabei!

Übrigens empfehle ich auch, die An- beziehungsweise Abreise rechtzeitig zu organisieren. Einfach bei Carmel ein Shuttle zum Festpreis bestellen und schon verläuft alles viel entspannter, als wenn man sich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln herumschlagen muss, oder den Urlaub mit einer uferlosen Taxirechnung startet.

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