It’s a wrap! Die Fashion Week Berlin ist vorbei, und meine Füße, meine Leber und mein Schlafbedürfnis finden das gar nicht so schlecht. Trotzdem freue ich mich schon aufs nächste Mal: Wie auch schon im Sommer haben wir das Pensum etwas runtergefahren und diesmal nicht jede Show besucht, sondern uns ein paar vielversprechende Leckerbissen herausgepickt. So macht das Ganze gleich noch viel mehr Spaß. Meine persönlichen Highlights der Woche waren Barre Noire, Perret Schaad, Dimitri und Marina Hoermanseder, auch Malaikaraiss und Hien Le haben mal wieder überzeugt.

Los ging es am Montag aber erstmal mit einer geballten Ladung Menswear. Sopopular und Ivanman zeigten am Montag Vormittag zwei sehr unterschiedliche Kollektionen: Während es bei Sopopular wie zu erwarten gedeckt und dunkel zuging entschied sich Ivan für ein breites Farbspektrum mit mutigen Kombinationen und sportlich-eleganten Schnitten.

Sportliche Eleganz trifft auf Avantgarde: Männermode Trends Fall/Winter 2015

  • Hosen in Dreiviertellänge
  • Spannende Farbkombinationen aus gedeckten und kräftigen Tönen
  • Mäntel wohin das Auge sieht
  • Materialmix bleibt präsent
  • Erwachsene Looks mit Spaß an der Sache

Auch bei Kilian Kerner kamen die Herren am Montagabend nicht zu kurz. Wir sahen hier eine Kombination, bei der die Herren- und Damenlooks konsequent ineinander greifen und insgesamt ein stimmiges Bild abgeben. Nachdem zunächst die Ladies statementmäßig in Rot, die Herren in Blau über den Laufsteg liefen, zerflossen später die Grenzen. Röcke für die Männer und Herrenmäntel für die Damen, why not. Generell diente diese Show als wunderbare Einstimmung auf die restliche Woche: Schöne Stoffe, klassische Schnitte und gebrochene Farben. Bei Kilian waren einige Prints dabei, die sicherlich Geschmacksache sind. Aber ist Mode das nicht immer?!

Feminines Understatement und leise Töne: Fashion Trends Fall/Winter 2015 für die Damen

Als wir am Dienstag Vormittag dann backstage bei Barre Noire einen ersten Blick auf Timm Süßbrichs Kollektion werfen durften, wäre ich ihm am liebsten um den Hals gefallen. So viel Konstanz in der eigenen Linie aber auch so viel Moderne, für mich in einer perfekten Mischung. Ich verliebte mich spontan in die kupferfarbenen Culottes, die ich selbst wohl nie tragen werde aber die an Lisa Schmelter ganz wunderbar aussahen. Auch die Männer kamen hier nicht zu kurz: Lange, fließende Trench Coats, strukturierte Hosen und Metallic Looks.

Die Make Ups dieser Saison waren durchgehend sehr nude und simpel gehalten, was mir gut gefallen hat – einzige Ausreißerin war hier Rebekka Ruétz, die die Models für ihre Black Diamonds Kollektion gefühlt als Hexen über den Runway schickte. Die Augen von Drama-Fans blitzten mit den Granaten und Bergkristallen auf den Lederaccessoires um die Wette. Mir persönlich gefiel das schlicht-überzeugende Make Up der Models bei Dimitri am Abend besser – das von goldenem Haarschmuck im Stil griechischer Göttinnen im wahrsten Sinne des Wortes gekrönt wurde.

Dimitri griff den Erfolg seiner Quasten-Details vom letzten Mal auch in der neuen Kollektion auf und zeigte sie diesmal in Kombination mit femininen Abend- und Cocktailkleidern sowie durchdachten RTW-Looks. Zum ersten Mal zeigte er auch eigene Schuhe. Etwas weniger feminin kam diesmal Malaikaraiss daher, die im F.A.Z. Atrium eine Mischung aus mädchenhaften Looks und Menswear Silhouetten in Puderfarben zeigte. Ich bin einfach ein Malaika-Fangirl und so wie diesmal auch immer wieder begeistert.

Ein weiteres Highlight war für mich die Perret Schaad Show am Mittwochabend im Kronprinzenpalais. Mit warmem Licht und sanften Tönen wurde eine Kollektion untermalt, die ganz eindeutig Tutias und Johannas Handschrift trägt. Die Pantone Farbe des Jahres Marsala hatte eine tragende Rolle und wurde mit klarem Rot, Pudertönen, sattem Gelb und edlem Grau ergänzt. Besonders gut hat mir hier auch das Haarstyling von den Wella Professionals gefallen: Edle Zopfvarianten, die immer wieder als Blickfang dienten.

Als ich am Donnerstagabend bei Marina Hoermanseder im Zelt saß und passend zur letzten Show die Woche Revue passieren ließ, war ich letzten Endes zufrieden. Die fließenden Stoffe (diesmal in wunderbarer Ausführung sogar bei Marina vorhanden!) und femininen Schnitte, die ich diese Woche gesehen habe, machen mir Lust auf weibliche Mode in den kommenden Saisons. Durchmischt mit den Menswear Pieces von Malaika & Co ergeben sich hier sportlich-feminine Looks, auf die ich mich freue.

Noch mal zusammengefasst – Modetrends Herbst/Winter 2015/2016:

  • Feminine, elegante Schnitte für die Damen, sportlich-avantgardistische Mode für die Herren
  • Viele zarte und fließende Stoffe
  • Viel Fell und, wie besonders bei Rebekka Ruétz betont, Fake Fur
  • Leder und der daraus resultierende Materialmix bleibt sehr präsent
  • Die Farben bewegen sich zwischen klassischen „Nichtfarben“ und Nudes, gedecktem Navy und Tannengrün über warme Gold-, Kupfer- und Brauntöne bis hin zu ganz klassischem, klaren Blau und Rot; besonders wir Ladies können uns auf trendiges Marsala und gedeckte Violetttöne freuen
  • Auch aufgeladene Farben wie Orange, Rosa und Co bleiben uns erhalten, vorrangig bei den Herren
  • Make Up und Hairstyling bleiben meist sehr schlicht und sleek, statt den Augen werden vermehrt die Lippen betont

Abschließend bleibt mir nur noch eins zu sagen…

…wenn ich etwas nicht mehr hören kann, dann ist es die scheinbare Entrüstung darüber, dass in Berlin „nichts Neues“ gezeigt wird. Erstens finde ich, dass das nicht stimmt – Marina Hoermanseder ist dafür das beste Beispiel, die sich diese Saison ganz neu dargestellt hat. Zweitens finde ich es nur erstrebenswert, wenn sich ein Designer treu bleibt. Ich mag es zu wissen, dass ich bei Dimitri feminine und elegante Mode für starke Frauen finde und bei Perret Schaad edle Womenswear mit sehr viel Understatement.

Wer jede Saison versucht, das Rad neu zu erfinden, wirkt auf mich eigentlich nur angestrengt. Ich brauche keine Stage Shows die eher an ein groteskes Bühnenbild aus dem Schullandheim erinnern, aber nichts mit Mode zu tun haben. Schon gar nicht, wenn die Show so schlecht organisiert ist dass sich gefühlt 300 Menschen um dieses Bühnenbild gruppieren. Ich mag stilvolle Shows, die sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Ja, Berlin ist nicht Paris oder Mailand. Berlin ist Berlin, und das ist auch gut so. Berlin als Modestadt hat es schwer, weil die Deutschen Mode nach wie vor belächeln, weil wir wenige ernstzunehmende Persönlichkeiten haben die sich so gerne und leidenschaftlich mit Mode auseinandersetzen wie es vielleicht die Stars in anderen Ländern tun und weil es für die Designer so immer schwerer wird, auf einem gewissen Niveau zu zeigen. Aber eins ist die Fashion Week Berlin gewiss nicht: langweilig.

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