Ob wir wussten, was in Schweden auf uns zukommen würde? In Lappland, am Ende der Welt, wo Eis und Schnee regieren, wo die Sonne sich im Winter nur sporadisch zeigt. Vermutlich nicht! Natürlich waren wir uns bewusst, welche Programmpunkte uns bei „Nix für Bangbüxen“ bevorstanden und welch hochprofessionelle Ausrüstung wir dafür mitbringen sollten. Doch wie sich das alles dann anfühlt, das ist ein zweites Paar Schuhe.

Wir begaben uns an einem Freitagmorgen in aller Herrgottsfrühe an den Stuttgarter Flughafen, stiegen mit noch kleinen Äuglein in einen Flieger von Austrian Airlines und wurden mit dem typischen Charme unserer südöstlichen Nachbarn sicher nach Schweden geflogen. „Klappns bitte den Disch hoch“ – da schmilzt man einfach dahin! Die Ankunft in Lappland war speziell. Mitten im verschneiten Nirgendwo stand ein kleines Holzgebäude, neben einer schneebedeckten Landebahn, auf die der Pilot den Flieger mit einem gehörigen Rumms aufsetzen ließ. Mit uns im Flieger: Mitarbeiter von Porsche, Mercedes-Benz und Bosch, die in der Gegend um Arvidsjaur Autos sowie Equipment unter winterlichen Extrembedingungen testen.

Die erste Fahrt auf einem Schneemobil

Nach einer flotten Fahrt vom Flughafen in den süßen kleinen Ort und einer relaxten Kaffeepause in der Lodge eines ausgewanderten Deutschen checkten wir im Hotel Laponia ein, wo schon Ausrüstungspakete auf uns warteten: Schneeanzüge, Stiefel und Helme. Flott schlüpften wir in Ski-Unterwäsche, sprangen in die Schnee-Looks und standen wenig später bereit, um das Schneemobilfahren zu erlernen. Nach einer kurzen theoretischen Einweisung war der nächste Stopp ein Hinterhof zwischen lauter Garagen, wo schon ein Dutzend Schneemobile auf unsere Reisegruppe warteten. Die ganze Szenerie erinnerte mich an einen 007-Film und ich musste schmuzelnd an eine amerikanische Freundin denken, die ein paar Tage zuvor noch zu mir sagte „your life is pretty much James Bond these days!“.

Mit großem Getöse wurden die Schnee-Geschosse zum Leben erweckt und los ging unsere erste Fahrt, die es direkt in sich hatte. Unser Guide, ein holländischer Soldat führte uns durch Wälder und über Hügel, über gefrorene Seen und durch flockigen Tiefschnee. Man muss sich das mal vorstellen: Mit knapp 100 PS starken, nur 300 Kilo schweren Fahrzeugen durch die Dunkelheit zu ballern, die Hände um den Lenker geklammert, den eiskalten Fahrtwind im Gesicht. Die Mundwinkel ständig nach oben gezogen, in einem diabolischen Grinsen. Teilweise jauchzend vor Freude über das, was gerade passiert. Wenn man das erste mal anfängt, in einem weiten Tiefschneefeld mit der Maschine zu spielen, sich besser damit vertraut zu machen, dass Gewichtsverlagerung der absolute Schlüssel zum Erfolg ist. Dann spürt man das Adrenalin durch den eigenen Körper strömen, spürt die Endorphine breakdancen und fühlt sich männlich als hätte man gerade mit den bloßen Händen einen Bären erlegt.

Aller Schlafmangel der vorangegangenen Fashion-Week war mit einem Schlag vergessen, Körper und Geist waren voll da, bis das Schneemobil ein paar Stündchen später wieder vollgetankt in der Garage verstaut wird, bereit für das wirklich große Abenteuer am nächsten Tag. Beim Abendessen in der rustikalen Stube der Lappland-Lodge fühlst du dich mit den anderen Männern, als wärt ihr eine Wikinger-Crew, die gerade höchstselbst eine ganze Flotte besiegt hat. Bei Fisch, Köttbullar und Bier wird über die Schneemobile gefachsimpelt, danach fällst du frisch geduscht ins Hotelbett und schläfst, als wärst du selbst die ganze Zeit gerannt und nicht der Motor.

Den ganzen Tag lang draußen

An Tag 2 stand dann mehr auf dem Programm als nur eine Kennenlernrunde. Nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir uns wieder warm ein und sprangen auf die Schneemobile, als hätten wir nie etwas anderes gemacht. Den Rest des Tages ging es durch die verträumte Schneelandschaft Lapplands, teilweise über breite, loipenartige Waldwege, auf denen man ruhig mal ordentlich am Gas reißen konnte, teilweise aber auch durch unberührte Tiefschneelandschaft, wo nur wir waren und das satte Knattern der Schneemobile.

Wenn man dann auf eine lange Gerade über einen gefrorenen See steuert, den Gashebel mit den rechten Daumen voll randrückt und die volle Leistung des Schneemobils abruft. Wenn der Motor bei weit über 10.000 Touren kreischt und ein wackliger Blick auf den Tacho verrät, dass man gerade dabei ist, die 100 Km/h zu knacken, dann macht sich ein Gefühl der Freiheit in einem breit, das man sonst nicht oft erlebt. Im Supersportwagen auf der Autobahn bei 300 Sachen? Entspanntes Cruisen im Vergleich zu dem, was mit offenem Visier auf dem Schneemobil los ist!

Mittagessen gab es dann zünftig in einer Holzhütte irgendwo im Wald, in der Mitte ein großes Feuer, dazu heiße Tomatensuppe und Kaffee, der in einem uralten Kessel direkt am Feuer aufgewärmt wurde. Aufgewärmt von Innen wie von Außen ging die Schneemobil-Gang wieder auf Tour, die erst lange nach Einbruch der Dämmerung zu Ende war und nach der wir uns dankbar in der Hotelsauna aufwärmten. Ein großer Dank geht an unseren grandiosen Guide, der uns viel Freiheiten ließ, um uns mit den Schneemobilen vertraut zu machen. Der nie seine gute Laune verlor, wenn wir uns wieder einmal falsch in die Kurve lehnten und im Schnee stecken blieben, der sein Gefährt in jeder Situation so unglaublich gut beherrschte, dass uns wieder bewusst wurde, wie viel es noch zu lernen gibt.

Fest steht: So eine Adrenalinreise mit Schneemobiltour muss man mal gemacht haben. Die Mischung aus wilder Natur und der puren Kraft der Maschine ist einfach einzigartig und hinterlässt noch lange einem bleibenden Eindruck. Vor allem, wenn man die Schneemobiltour mit einer Drift-Session auf dem Eissee kombiniert!

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