Arvidsjaur, Lappland, Schweden! Jedes Jahr kommen alle europäischen Automarken in diesen kleinen Ort um ihre Autos und Teile unter extremen Bedingungen zu testen. Extrem bedeutet in diesem Fall im Winter Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Es war für uns also praktisch unausweichlich, an diesem Ort auch etwas mit Autos zu tun zu haben. Nachdem wir Freitag und Samstag schon ordentlich mit dem Schneemobil geheizt sind und schon dabei merkten, dass das Ganze tatsächlich nix für Bangbüxen ist, hieß es am dritten Tag in Arvidsjaur: Driften, driften, driften! Flo und ich haben diesem Tag als bekennende Riding-Fans schon entgegengefiebert. Denn heute sollten wir mit 200 PS und Spikes an den Rädern über einen zugefrorenen See brettern.

Ziemlich geile Vorstellung in der Theorie, allerdings hatten wir beide aber bisher kaum Erfahrung mit dem Driften auf Eis und wurden sozusagen ins kalte Wasser geworfen! Gegen Mittag fuhren wir vom Hotel Laponia zum circa 30 Kilometer entfernten See. Dort angekommen sahen wir schon eine andere Gruppe ihre Kreise auf dem kurvigen Rundkurs ziehen und an den Gesichtsausdrücken konnten wir ganz klar erkennen, dass uns ein Heidenspaß bevorstand. Ich wäre sofort eingestiegen, aber nein – bevor gedriftet wird, muss man sich noch einmal ordentlich stärken.

Dazu ging es auf eine kleine Hütte, die direkt am See lag, dort durften wir dann eine deftige Rentiersuppe verputzen – typisch schwedisch halt. Nach dem leckeren Mahl wurde uns unser Instructor Matthias vorgestellt. Ziemlich sympathischer Kerl und der erste blonde Schwede, den wir bis dato in Arvidsjaur gesehen hatten. Die typisch schwedischen blonden und blauäugigen Mädels hingegen suchten wir leider die Tage vergebens. Doch ich war ja nicht wegen der Schwedinnen da, sondern zum Driften!

Nach der kurzen Einweisung wurden uns unsere Gefährte vorgestellt: Audi TT’s der ersten Generation mit 200 PS und den bereits erwähnten Spikes an den Reifen, schließlich brauchen wir auf so einem zugefrorenen See natürlich auch ordentlich Traktion. Selbstverständlich war Audis legendärer Allrad-Antrieb Quattro ebenfalls mit an Bord!

Los gehts!

Hurtig eingestiegen, Sitzposition und Lenkradhöhe (hier sollte man nicht wie zu Hause halb im Auto liegen, sondern eine übersichtliche Sitzposition einnehmen) eingestellt und dann konnte es auch schon losgehen. In den ersten vier Runden durften wir die Strecke kennenlernen. Wir fuhren immer zu zweit im einen Auto hinter dem Instructor her und nach zwei Runden gab es einen Fahrerwechsel. So konnten Flo und ich die Strecke kennenlernen.

Für den Rundkurs galt es, nur im zweiten Gang zu fahren und sollte man von der Strecke fliegen, gab es auch dafür strikte Regeln. Doch als dann der Weg frei war und die vier Runden beendet waren, gaben wir erst einmal ordentlich Stoff. Schon die ersten Kurven machten extrem viel Spaß: Ich fuhr, lenkte ein und dann kam schön das Heck mit. Während ich es ruhiger angehen ließ und mit dem Lenkrad relativ sparsam und präzise hantierte, trat Riding-Gründer Flo ordentlich aufs Gas, drehte das Lenkrad aber auch in jeder Kurve ungefähr zehnmal um die eigene Achse. Er war so richtig schaffen, dabei waren laut Instructor Matthias gar nicht so viele Lenkbewegungen fürs Driften notwendig. Aber egal, er hatte definitiv ordentlich Spaß!

Übung macht den Meister!

Nachdem wir Amateure einige Runden gedreht hatten und unsere Mundwinkel gar nicht mehr nach unten wollten, fuhren wir dann auch beide einmal eine Runde mit Matthias mit. Absolut krass, wie der fährt! Ich bin immer noch begeistert davon, wie präzise und schnell er jede Kurve nahm, wie programmiert glitt der TT passgenau quer durch die gesamte Strecke und man merkte, wie viel man selbst doch noch zu lernen hatte! Bei ihm wurde ich in jeder Kurve so richtig in die Seitenwangen der Sportsitze gepresst, es leben die G-Kräfte! Natürlich wollte dann auch Matthias einmal sehen, wie ich fahre und gab dann direkt hilfreiche Tipps. In der Theorie eigentlich nicht schwer: Auf die Kurve möglichst weit innen zufahren, vom Gas weg, einlenken und dann kommt ganz automatisch das Heck mit, dann wird gegengelenkt und mit dem Gas gespielt und so driftet man in der Theorie wunderschön aus der Kurve heraus.

Doch in der Praxis klappte das Ganze natürlich nicht immer. Aber nach vielen Runden hatten Flo und ich den Dreh endlich raus (Flo lenkte trotzdem noch wie ein Verrückter). Wir fuhren schon seit einigen Stunden und so langsam begann bereits wieder die frühe Dämmerung. Die Sicht war inzwischen nicht mehr die Beste, aber dank der Scheinwerfer konnten wir die eisige Strecke noch einigermaßen einsehen. Doch dann passierte es: Nachdem wir uns einige Male über einen roten Audi TT Fahrer lustig gemacht hatten, der ständig von der Strecke abflog, landeten auch wir mit der Schürze in einem Schneehaufen. Natürlich war Flo am Steuer, der es mit seinem Bleifuß ein wenig übertrieben hatte. Ich muss aber zugeben, dass auch ich leider das ein oder andere Mal von der Strecke abgekommen bin, nur hatte ich das Glück, nicht im Schnee festzustecken…

Aber alles halb so wild, denn im Nu war das Safetycar mit dem Instructor und seinem schwedischen Helferlein zur Stelle und zog unser Auto wieder aus dem Schneehaufen heraus. Danach konnte die Fahrt weitergehen, doch da es inzwischen auch schon ziemlich dunkel war, entschieden wir uns nach ein paar weiteren Runden, die Fahrt zu beenden und das Auto heil wieder abzugeben.

So neigte sich auch dieser Tag dem Ende entgegen und wir bereiteten uns mental schon wieder auf unsere Rückreise nach Stuttgart vor. Absolut spontan ergab sich dann aber doch noch mal ein Highlight. Eine Schneemobiltour raus in die Wildnis, um die Polarlichter zu jagen. Leider konnten wir die Polarlichter nicht wirklich sehen, aber es war ein gelungener Abschluss dieser Reise.

Eines ist uns jetzt nach diesem Adrenalinreisen-Wochenende klar: Wir sind absolut keine Bangbüxen!

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