Wir geben es zu – wir sind kulinarische Lustmolche, wir essen gern und gerne gut, und wir mögen es, wenn Essen fotogen ist und gut aussieht. Wir lieben es, unser Ausflüge in Sachen Foodporn für euch, Instagram und Facebook festzuhalten und lassen ein frisch serviertes Gericht schon mal lauwarm werden, nur um es fürs Foto ins richtige Licht zu rücken.

Genau so lieben wir es aber auch, beim Kochen selbst Hand anzulegen. Über den Markt zu schlendern, um frische Zutaten fürs Dinner einzukaufen, und die fünf Karotten selbst auszusuchen die es dafür braucht, statt einfach nach einer mit Zellophan umwickelten Plastikschale zu greifen. Vielleicht springt dabei ja auch noch ein Selfie raus – oder wir finden eine besonders ulkig geformte Kartoffel, die wir direkt mit euch sharen müssen?! Kommt leider nur selten vor, denn selbst auf dem Wochenmarkt finden sich vorrangig stromlinienförmige Karotten in Mindestgrößen, perfekt gebogene Bananen und runde, leicht zu schälende Kartoffeln. Woran liegt das eigentlich?

Diese Frage haben sich auch Lea und Tanja gestellt – und so einige Antworten gefunden, die sie alles andere als glücklich gemacht haben. Deshalb haben sie 2012 die Initiative Culinary Misfits gegründet: „Wir versuchen durch eine charmante, spielerische Art das Bewusstsein zu schärfen und die Verbraucher zu sensibilisieren, was es an natürlicher Vielfalt gibt“, erklärt Tanja die Idee dahinter. Und wie machen sie das? Workshops, Dinner-Events und Krummes-Gemüse-Catering tragen einiges dazu bei. Auch das Thema Nachhaltigkeit kommt dabei nicht zu kurz.

 

Dass mittlerweile auch einige Supermärkte versuchen, kulinarische Außenseiter an ihre Kunden zu verkaufen, freut die beiden natürlich. Da findet grade ein Bewusstseinswechsel statt, glaube ich – und das verdanken wir nicht zuletzt Vorreitern wie Tanja und Lea! Ich selbst habe seit jeher ein großes Problem damit, Essen wegzuwerfen, und bringe nicht selten Reste mit ins Büro oder schreibe wenn ich fliegen gehe Zettel für meine Mitbewohner, was aus meinem Kühlschrankfach bitte gerne gegessen werden darf soll. Und genau deswegen haben mich die Facts, die ich durch die Initiative kennengelernt habe, ganz schön erschrocken:

Drei Gründe für Culinary Misfits

  • Elf Millionen Tonnen Gemüse und Obst werden pro Jahr an Tiere verfüttert oder untergepflügt, obwohl sie für den menschlichen Verzehr angebaut wurden – und zwar nur, weil sie nicht den Normen entsprechen!
  • Diese elf Millionen Tonnen machen bis zu 40% der ganzen Ernte aus! Stellt euch mal bildlich vor, wie voll ihr euren Teller heute Abend machen werdet – und schmeißt dann gedanklich die knappe Hälfte in den Mülleimer. Ekelhaft!
  • Durch dieses Vorgehen wird der vermeintliche Bedarf an Lebensmitteln künstlich erhöht – und dadurch auch der Bedarf an Düngemitteln, die in unsere Erde sickern, an technischen Geräten, an Strom, Wasser & Co!

Tipps pro Formenvielfalt und Nachhaltigkeit

Ist das nicht krass? Ich bin deshalb stark dafür, Initiativen wie die von Tanja und Lea zu unterstützen. Da gibt es nämlich noch so einiges! Es gibt bundesweit einige Bauern- oder Erzeugermärkte, auf denen die Bauern ihre sämtlichen Erträge dabei haben ohne vorzusortieren. Noch besser ist es aber, direkt beim Bauern vorbei zu schauen oder sich an den Verein für „Solidarische Landwirtschaft“ zu wenden – hier kann man sich quasi als Teilhaber in einem Landwirtschaftlichen Betrieb einbringen und dafür dann dessen Erzeugnisse beziehen. Die Münchner unter euch können sich ab dem 18. Mai über den Online-Händler Etepetete sogenannte Gemüseretterboxen mit schrägem Gemüse nach Hause liefern lassen. Im Kölner Restaurant Grüne Liebe werden Smoothies, Säfte und Suppen vorrangig aus schrägem Gemüse hergestellt, der Wiener Caterer Iss mich verwendet ebenfalls kulinarische Außenseiter für seine Menüs.

Mein Favorit in Sachen Gemüserettung sind aber die mittlerweile recht weit verbreiteten Schnippeldiskos: Zusammen mit guten Leuten feiern, tanzen, schräges Gemüse schnippeln und essen? Da mach ich gerne mit!

Auf das Thema Schönheit im Unperfekten hat mich übrigens die neue Kampagne von CD gebracht, die sich mit echten Heldinnen beschäftigt – merci für den Reminder contra Supermarkt und pro Gemüserettung!

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