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Ein denkwürdiger Tag in Bayern. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und der Löwenzahn blüht in sattem gelb auf den grünen Wiesen. Die Menschen sind an diesem Freitag bereits mit dem Kopf im Wochenende, sitzen gemütlich mit Freunden und Bekannten zusammen, erledigen ein paar Besorgungen oder kümmern sich um ihren Garten. Es ist friedlich und ruhig, man könnte meinen, man sei in einem Heimatfilm gelandet und spricht man mit einem der Einheimischen, dann passt auch der Dialekt wunderbar ins Klischee. Man könnte von einem perfekten Tag sprechen, einem solchen, für den jährlich Millionen Touristen in die Gegend um den Tegernsee kommen.

Doch von einem Moment auf den anderen ist es mit der Stille vorbei. Ein Besucher hat seinen Weg in die Idylle gefunden. Es wummert, knattert und brüllt, die Geräuschkulisse wird von einem knallroten Outfit flankiert, das auffälliger nicht sein könnte. Der neue ist keiner, den man übersieht, kein schüchterner, kleiner, ruhiger. Der neue ist die aktuellste Version des Ford Mustang und sein lautes Organ ein 5.0 Liter V8, ein echtes Musclecar also. Ein exotischer Gast also in der bayerischen Idylle, in der das Krähen eines Hahnes sonst schon die Spitze des Lärmpegels bedeutet.

Emotionen pur – der Ford Mustang macht Spaß!

An Bord des 421 PS Geschosses: Willy von Dressed Like Machines und ich selbst. Zwei Jungs also, die richtig viel Spaß haben an einer derartigen Krawallkarre, die diese direkt mit einem der stylishen Wählhebel in den Track-Modus versetzen, immer wieder runterschalten und das Gaspedal ordentlich durchlatschen – dieser V8 Sound MUSS einfach an die Ohren!

Vorwärts geht es zügig, gerade auf „the German Autobahn“, wo der Mustang der 250 Km/h Marke easy entgegentrabt und die Landschaft immer mehr verschwimmt. Der dicke V8 hat immer noch eine ordentliche Portion Kraft übrig und die Beschleunigung presst uns in die Recaro Sportsitze, als wären wir gerade tatsächlich auf der Rennstrecke unterwegs. Ja, wir grinsen an diesem Tag ziemlich viel und ja, wir werden ganz schön oft mit großen Augen angeschaut. Understatement ist eben anders, mit dem US-Hengst ist man immer voll präsent.

Die Optik des neuesten Ford Mustang, den wir in der Fastback Version gefahren sind, besticht durch viele kleine Zitate des ersten seiner Zunft von 1965. Besonders die kleinen Streifen an den Scheinwerfern, die Heckleuchten und die dominante und kräftige Seitenlinie zeigen die Verwandtschaft zur Mutter aller Musclecars. Die aggressive Frontpartie, der wunderschöne Diffusor am Heck und dicke Schweller an Front- und Seitenschürze machen den jüngsten aber zu einem modernen Sportwagen, der sich optisch absolut nicht verstecken muss.

Welcher Motor – welches Getriebe?

Anstatt des erfrischenden hellen Tegernseer Bieres, das wir nach der Ausfahrt im Musclecar genüsslich tranken, genehmigt sich der V8 Mustang bei sportlicher Fahrweise durchaus seine 14 bis 16 Liter Sprit auf hundert Kilometer. Doch wer auf laut und kräftig steht, der wird in Anbetracht des günstigen Anschaffungspreises von ungefähr 40.000€ keinen besseren Deal finden als den Mustang. Die Konkurrenz namens M4, RS5 oder C63 kostet schließlich gern das doppelte.

Nachdem ich nun (ausschließlich) den Handschalter gefahren bin, empfehle ich, den Ford Mustang mit Automatik zu bestellen. Aber das ist nunmal Typsache, ich bin zum einen eher faul, gerade im Stadtverkehr und stehe zum anderen auf superschnelle Schaltzeiten, wenn ich dann sportlich unterwegs sein will.

Den neuen und heftig diskutierten 2.3 Liter Vierzylinder sind wir dann übrigens auch noch kurz gefahren. Der geht dank 317 PS zwar auch ordentlich ab und klingt für einen so kleinen Motor erstaunlich gut. An die Emotionalität des V8 kommt er aber sowohl in Sachen Fahrspaß als auch Sound nicht heran. Und in ein US-Musclecar gehört eben ein dicker Achtzylinder, right?

An den Mustang gewöhnen werden sie sich nicht in den kleinen bayerischen Dörfern, aber gefreut haben sie sich über den Besuch trotzdem. Schließlich gehören schmucke Audis und BMWs dort ja zum gewohnten Alltag, da tut etwas Abwechslung mal gut. Und eines ist sicher: der Mustang ist und bleibt ein echter Exot – was ihn nur noch reizvoller macht.

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