An der Warschauer Brücke durfte ich zwei der drei Initiatoren des Erdlingslaufes treffen, der in
diesem Jahr seinen Auftakt pünktlich zum veganen Sommerfest in Berlin feiern wird. Wo auch
sonst, wenn nicht in der veganen Hauptstadt Europas?

Ein Lauf gegen die Mauern in den Köpfen

An einem Samstag im April treffe ich die beiden Radler Maria Schneider und Felix Engelhardt an der Warschauer Brücke (die Dritte im Bunde, die Ideengeberin Kira Rehfeld kann leider nicht vor Ort sein), wo ich sie eindeutig an ihren „vegan runner“-Shirts erkenne, die sie nicht von ungefähr tragen. Die Community der vegan runners trägt den Spendenlauf maßgeblich mit und ist die Garantie dafür, dass sich auch bei der Premiere genügend Läuferinnen und Läufer anmelden werden. Maria und Felix werden nach unserem Treffen noch das erste Viertel der Strecke abradeln, per GPS Wegpunkte setzen und sich die Route ganz genau anschauen. Denn die Strecke existiert zwar schon als eingetragener Weg, aber sie möchten sich auf jeden Fall ein genaues und eigenes Bild von dem machen, was sie der Läuferschaft im Spätsommer zumuten werden.


„Zum einen sind 173 Kilometer schon eine beeindruckende Zahl und zum anderen sehe ich das mit der Mauer als Bild: wir möchten die Mauern in den Köpfen der Menschen einreißen“, meint Maria,
als ich sie frage, wie es denn dazu kam, dass der Erdlingslauf der Berliner Mauer folgen soll. Felix, der den Lauf ebenfalls mitorganisiert und -initiiert hat, klinkt sich ein: „Ich finde aber auch, dass es mal ein guter Weg ist, die Geschichte zu erkunden.“ Genau so vielseitig sollen die Interpretationen der Wegewahl auch sein dürfen. Jedem sei selbst überlassen, für was genau für ihn dieser Lauf stehe. Und auch ob man nun den Ehrgeiz habe, einen Streckenabschnitt innerhalb einer bestimmten Zeit zurück zu legen oder ob frei nach dem olympischen Motto gilt „Hauptsache dabei zu sein“, völlig egal.
Die Läufer soll und wird eines einen: der Wunsch danach, für die Tiere eine bessere Welt zu schaffen.

Es ist ein Spendenlauf für den Erdlingshof, einen Tiergnadenhof, der sogenannten Nutztieren ein besseres Zuhause gibt und einen schönen Lebensabend bereiten möchte. Damit dieser Lauf nicht als Ablasshandel missbraucht werden kann, gibt es jedoch eine strenge Bedingung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: sie müssen vegan leben. Das ist dem Organisatorenteam wichtig.
Durch den Lauf soll Veganismus auf der Straße präsent sein und das ganz ohne Belehrung. „Bei Demos schauen eben doch nur bestimmte Menschentypen hin“, meint Maria. Sie erhofft sich, dass durch die sportliche Aktion auch andere Leute ins Grübeln kommen und sich mit der Thematik konfrontieren lassen – ganz ohne moralischen Zeigefinger, ganz ohne Schockervideo und Tierqualfotos.

Aber damit die Aktion wirklich durchführbar ist, müssen auch kleine Abstriche gemacht werden – zumindest beim ersten Mal. Bei den Betreuern wird es vermutlich Ausnahmen geben, da jeder Streckenabschnitt von mehreren Radlern betreut und bewacht werden muss, um für alle Läufer ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten. Schließlich soll niemand von der Strecke abkommen und in einem eventuellen Notfall schnell gehandelt werden können. Daher gilt für die freiwillige Helferschaft nur, dass sie provegan eingestellt sein sollten, nicht aber die strikte Bedingung des tierfreien Lebens, die für die Läuferinnen und Läufer gilt.


Wer helfen möchte oder Fragen hat, kann sich gern unter erdlingslauf@veganrunners.de melden. Wer mitlaufen mag, sollte sich bald unter anmeldung@erdlingslauf.de anmelden, denn nur so kann gewährleistet sein, dass man sich noch für den Streckenabschnitt der eigenen Wahl entscheiden und so mit Freundinnen und Freunden gemeinsam den Weg zurücklegen kann.
Am 29. und 30. August soll der 24-stündige Lauf auf dem 173 Kilometer langen Mauerweg dann pünktlich zum veganen Sommerfest in Berlin eingeläutet werden. Jeder Schritt wird für ein bisschen Tierwohl zurückgelegt, ein Spendenlauf, wie er uns gefällt!

Mehr Infos findet ihr unter auf der Webseite zum Lauf.

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