Über meine Arbeit für das „vegan magazin“ bin ich auf eine spannende vegane Designerin aufmerksam geworden und mag sie euch nicht vorenthalten.  Katja Ehrhardt exklusiv im Interview. Bebildert ist das Ganze mit Outtakes von einem Latexshooting :) – natürlich mit ihrer Mode.

Deine Mode auf dem „vegan Magazin“.Ist das ungewohnt für dich? Oder wirbst du gezielt damit, dass du vegane Latexmode bietest?
Nein gar nicht, da ich auch erst seit 3 Jahren (wieder) vegan lebe, mein Modelabel gibt es aber schon 15 Jahre… Neu ist es natürlich, mit Latexmode im Veganmagazin zu sein. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, wo alle entsetzt “Fetisch???” gerufen haben, wenn das Gespräch auf meinen Job kam. Und ein veganes Magazin gabs damals glaub ich auch noch nicht. Die Zeiten ändern sich!

Stell dich doch mal kurz vor!
Ich bin geboren in Ludwigshafen am Rhein und bin nach dem Abi nach Hamburg gezogen, weil mir die Stadt sehr gefällt. Dort habe ich gelernt, Latex zu verarbeiten und seitdem fertige ich eigene Sachen und verkaufe sie über meinen Online-Shop. Da ich sehr gerne und viel reise, ist mir ein Online-Shop lieber, denn er gibt mir Freiheit. Meine Hobbies sind Fotografie (für Highglossdolls und auf meinen Reisen) und Tauchen. Eine kleine Leidenschaft von mir ist es, Bioläden und vegetarische/vegane Restaurants aufzustöbern, um zu sehen, was die so anbieten. Mich machen solche Läden immer glücklich, vor allem, wenn sie gut besucht sind und die Leute gesund und fröhlich aussehen. Und es werden immer mehr! Ich war mit 16 schon ein paar Jahre lang vegan, hab dann aber den Faden verloren und war lange Zeit nur zu Hause vegan und draussen vegetarisch. Ich hab also zB Sojamilch gekauft, aber mit Freunden im Cafe Kuhmilch getrunken. Nach einem Treffen mit einer veganen Freundin wurde mir aber wieder bewusst, dass ich da ganz schön die Scheuklappen aufgesetzt habe – und seitdem bin ich wieder vegan.

Model: Julia „Knopf“

 

Was ist die größte Herausforderung im Bereich Latexdesign?
Eigentlich war die einzige Herausforderung immer die anderen Leute, die in Latex nur Fetischkram gesehen haben. Ich fand aber, dass man daraus genau wie aus allen anderen Materialien schöne Sachen machen kann. Als ich damit angefangen habe, gab es allerdings wirklich fast nur Fetischsachen und ich konnte mich austoben. Ebenso mit meinen Fotos, die später dazu kamen. Heute ist Latex ja überall, auf den Modenschauen der grossen Designer, in der Vogue und in Musikvideos.

Deine Fotos für den Onlineauftritt schießt du selbst. Wie kam es dazu? Oder anders gefragt: was war zuerst da: deine Designfähigkeiten oder die Fotografie?
Fotografieren habe ich aus der Not heraus gelernt. Ich hatte den Online-Shop und plötzlich braucht man dauernd neue Bilder. Jedesmal meine Freunde fragen war lästig, und eines Tages kam der Vorschlag eines befreundeten Fotografen: “Probier das doch mal selbst, hier ist Licht und Kamera”. Und dann ging es los. Die Leute mochten meine Bilder und so wurde daraus etwas eigenes, das neben der reinen Mode Bestand hat. Ich hatte einige Veröffentlichungen wie z.B. im Playboy und mittlerweile gibt es auch ein Highglossdolls-Buch.


Hast du einen Tipp für all diejenigen, die gern mal Latex tragen würden, sich aber bisher nicht getraut
haben? Gibt es Einsteigerkleidungsstücke (etwa Accessoires) oder wie würdest du einem Latexneuling
raten, sich dem Material zu nähern?
Handschuhe und Strümpfe sind schön und klassisch, da kann man gut ausprobieren, ob man das Gefühl von Gummi auf der Haut mag. Oder ein Mix aus Latex-BH mit einem transparenten Stoffoberteil hat eine Freundin von mir gerne getragen, das find ich super.

Ist Latex mehr Mode oder mehr Fetisch?
Ich glaube, das liegt ganz an Betrachter. Wenn ich mir die Fingernägel rot lackiere, dann ist das für mich Mode. Aber der ein oder andere Mann dreht bei dem Anblick vielleicht völlig durch. Bei High-Heels noch schlimmer. Eine Altersfrage ist das auch. In meiner Schulzeit zB hatte jeder, der mit dem Roller kam, eine Lederhose an, war also ganz normal. Und als ich mal mit meiner (Kunst-)lederhose unterwegs war, starrte mich ein älterer Bekannter an und fragt “Du trägst eine Lederhose auch tagsüber?!” Das war für ihn hocherotisch – ich hab zuerst gar nicht verstanden, was er eigentlich meint.

Wie und wo ziehst du die Grenze? Muss man das überhaupt?
Ich persönlich mach mir dazu wenig Gedanken, denn ich bin kein Fetischist und bewege mich ganz frei damit. Beim Thema Schuhe ist das viel deutlicher: das ist für manche Mode, für andere Fetisch, und für viele irgendwas dazwischen. Mich hat der Fetisch-Gedanke immer gelangweilt, denn eine Fixiertheit und Fokusierung auf einen Gegenstand, weg von der Person, kann ich nicht nachvollziehen.

Last but not least: Im Vorfeld des Shootings habe ich gemerkt, dass Julia und du Farben bei Latex anders wahrnehmt als ich. Gibt es da etwa einen Farbkodex, welche Latexfarbe man nur in den eigenen vier Wänden tragen sollte oder sind das Ammenmärchen bzw. in diesem Fall Zufall gewesen?
Einen Kodex gibt es nicht, aber es ist wahrscheinlich wie in allen Bereichen: das gleiche Kleid in schwarz oder pink macht einen anderen Eindruck. Allerdings ist Schwarz schon die Farbe, die die meisten Kunden bestellen. Gefällt mir auch am besten.

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