Das goldene Sonnenlicht bricht sich am Mast. Ich rücke meine Sonnenbrille zurecht und ziehe den dünnen Cardigan enger um meinen Körper – Gänsehaut, und ich weiß nicht ob das an den langsam sinkenden Spätsommer-Temperaturen liegt oder an der Tatsache, dass ich gerade mit einem Glas Champagner in der Hand auf einem Boot vor den Toren Nordgriechenlands dem Sonnenuntergang entgegen segle.

Life is good auf diesem Fleckchen Erde namens Chalkidiki, das trotz Wirtschaftskrise (oder gerade wegen ihr) mit richtig gutem Tourismus überzeugt, mit wunderschönen Stränden, einem kristallklaren, manchmal fast schon türkis glitzernden Meer und leidenschaftlichen Menschen, die man gerne all den nörgelnden Mitbürgern zeigen würde laut denen der Grieche an sich ein fauler Mensch ist.

Für mich ein perfektes Ziel für einen herbstlichen Kurztrip zurück in den Spätsommer. Anfang Oktober hat es hier noch gute 25 Grad, der Himmel ist blau und das Meer noch viel blauer, die Stimmung ist entspannt kurz vorm Ende der Saison und es lohnt sich, jetzt nach guten Angeboten zu suchen. Denn Chalkidiki bietet eine klasse Mischung aus Meer, Strand und Wellness aber auch Stadt, Land und Kultur. Wer zum Beispiel für vier oder fünf Tage nach Chalkidiki kommt kann ein super Programm aus zwei Strandtagen, einem Wellness-Tag im Spa eines der hochwertigen Hotels und einem Kulturtag zusammenstellen. Vom Strand erzähle ich bald mehr – jetzt aber erstmal volle Power!

Ausflug nach Thessaloniki: Studentenstadt mit Charme

Denn bei aller Strand- und Sonnenliebe, nach einigen Tagen kribbelt es mir in den Füßen und in der Kamera und ich möchte mehr sehen als Meer und griechischen Wein. Also ab ins Auto und die gute Stunde bis nach Thessaloniki mit heruntergelassenen Fenstern und der auf der Windschutzscheibe tanzenden Sonne verbringen. Und dann steckt man auf einmal mittendrin, in dieser pulsierenden Stadt mit ihren engen Gassen und großen Fassaden.

Thessaloniki ist eine Studentenstadt – etwa 100.000 Studenten lernen und feiern hier, ersteres an der größten Universität Griechenlands, zweiteres in einer der vielen Bars mit Meerblick, an denen wir auf dem Weg zum Weißen Turm von Thessaloniki vorbeilaufen.

Den Mittag verbringen wir auf dem Besesteni Markt und begutachten mehr oder weniger fachmännisch die verschiedensten Olivensorten und den Fang des Tages und treffen auf spannende Gesichter und Geschichten. Und Gerichte.

Griechische Köstlichkeit: Gefüllte Weinblätter

Wenn der Appetit erst mal geweckt ist empfiehlt es sich, dem Drang nach lokalen Köstlichkeiten nachzugeben – schließlich sind wir in Griechenland, und das Klischee mit Essen wie Gott in Griechenland muss unbedingt erfüllt werden. Wir machen einen Abstecher nach Nea Gonia, wo die Familie Kazakis seit 1989 das Beste aus ihren Sultana-Reben herausholt: Aber nicht etwa den Wein, wie es Anblick und ein bekannter deutscher Schlager-Song vermuten lassen.

Hauptaugenmerk sind hier bei der Lese nämlich nicht die Trauben – die tendenziell als Nebenprodukt eher zu Rosinen verarbeitet werden – sondern die Weinblätter. Groß und wenig verkerbt sollen die sein, um ihren Job gut zu machen: Gut gewürzten Reis festhalten, Öl und Zähnen trotzen, sich trotzdem gut zerkauen lassen. Gefüllte Weinblätter sind eine griechische Spezialität, und Marianna Kazakis und ihre Familie haben sie perfektioniert. Als ihre Söhne Ende der 80er Jahre flügge wurden und sie sich vor der aufkommenden Langeweile schützen wollte kam der sympathischen Griechin die Idee, gefüllte Weinblätter als hochwertiges Fertigprodukt zu produzieren. Dass Mariannas Vineleaves mit die zartesten sind, die ich jemals gegessen habe, rundet das hübsche Bild der Familienproduktion und des gelungenen Packagings perfekt ab.

Was lernen wir daraus? Griechenland kann mehr als griechischen Wein und Fetakäse (wobei die Feta-Küchlein aus Mariannas Küche natürlich auch sagenhaft schmecken…), Sunset Cruises und Sektausschank. Griechenland ist immer eine Reise wert, auch und vielleicht besonders im Spätsommer, in dem es auch während es in Deutschland schon anfängt, bitter kalt zu werden, noch angenehme 25 Grad hat. Ein perfektes Spätsommer-Get-Away eben.

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