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Sobald ich einen See oder das Meer sehe, will ich rauf auf ein Boot. Ich mag es über Wellen zu schaukeln, die Arme über die Rehling baumeln zu lassen und mir die Haare ins Gesicht wehen zu lassen. Ich gehöre außerdem wohl zu den Glücklichen, die nicht wirklich seekrank werden, toi toi toi! Ein bisschen mulmig war mir aber trotzdem zumute, als wir vor der seychellischen Küste auf einem Katamaran übernachten sollten. Ich meine, so ein paar Stunden schippern und im Sonnensegel liegen ist großartig, aber hinter Bullaugen auf dem Meer Schlaf finden? Das ist noch mal eine andere Nummer.

Erster Eindruck: Ein schwimmendes Apartment!

Dank des eigenen Hafenzugangs des Eden Bleu Hotels konnte das Abenteuer quasi direkt vor der Haustür beginnen. Meine 24 Stunden auf dem Meer habe ich übrigens nicht auf einer Yacht, sondern auf einem Katamaran verbracht. Die gelten als stabiler als andere Boote und sollen so auch Seegang erträglicher machen. Auf Komfort muss man dabei nicht wirklich verzichten. Ein erster Gang über Bord bewies, dass so ein Katamaran ein schickes schwimmendes Apartment ist. Vorne ein Sonnensegel und ein Lounge-Bereich zum Sonnenbaden, mittig die Küche, ein überdachtes Wohnzimmer und eine offene Sitzgruppe, in den beiden Rümpfen jeweils zwei Kabinen mit Doppelbetten und eigenen Badezimmern. Beim Anbieter Dream Yacht Charters, die allein auf den Seychellen drei Standorte haben, gibt es dann noch einen erfahrenen Skipper und Koch dazu, die dafür sorgen, dass es an nichts fehlt und man sich auf dem Meer sicher fühlt. Im Schnitt mieten sich Urlauber wohl für zehn Tage in so einem schwimmenden Hotel ein damit ausreichend Zeit bleibt auch andere Inseln zu besuchen.

Die Tour von Eden Island nach Port Launay

Mein Tag auf dem Katamaran begann mit einer entspannten Fahrt Richtung Sainte Anne. Bei strahlendem Sonnenschein schaukelte da kaum etwas. Alles, was es zu tun gab, war die Nase in die Sonne zu halten (natürlich mit Sonnenschutz!), auf dem Vorderdeck zu fläzen und sich einen kühlen Fruchtcocktail reichen zu lassen. Der erste Stopp vor Sainte Anne, einer Privatinsel in einem Wasser-Naturschutzgebiet, kam dann genau zur rechten Zeit, denn wenn man die ganze Zeit aufs Meer schaut, will man eigentlich nichts lieber tun als abzutauchen. An Bord gibt es Schnorchel-Ausrüstung und ein Kajak für alle mit mehr Bewegungsdrang, ich bin eher der Schwimm-und Treibenlassentyp. Oh, und ein Fan von leckerem Essen bin ich auch. An Bord wird zum Lunch eine Auswahl an Salaten und Pasta aufgetischt, was bei großer Hitze genau mein Ding ist. Bei der Weiterfahrt bietet sich dann ein Mittagsschlaf an, die Hartgesottenen gönnen sich Drinks. Die Kombination aus viel Sonne und Alkohol war für mich aber noch nie ein Dream-Team und so habe ich lieber auf viel kühles Wasser gesetzt.

Beim zweiten Badestopp am Nachmittag musste ich mir dann aber trotzdem fest die Augen reiben und mich fragen, ob ich mich möglicherweise doch im Delirium befinde. Der Strand von Baie Ternay ist nämlich ein Traum, ein Postkartenmotiv zum Anfassen. Palmen, weißer Sand, Granitfelsen und sogar eine Süßwasserlagune für alle, die vom Katamaran bis ans Land schwimmen. Irgendjemand muss während dieses Stopps an der Uhr gedreht haben, denn plötzlich waren wir schon wieder dabei Abzulegen und dabei hatte ich mich noch gar nicht satt gesehen. Wobei sich die Frage stellt, ob man sich da jemals hätte satt sehen können?

Eine Nacht auf Wellen

Das Wetter auf den Seychellen ist wechselhaft und so war auch die Etappe nach Port Launay plötzlich bedeutend ruckeliger. „Immer schön den Horizont fixieren und beim Gehen mit einer Hand am Boot festhalten,“ lautet dann die Devise und hoffen, dass es zum Nachtlager hin angenehmer werden würde. Die Bucht von Port Launay, an der Nordwestküste Mahés, war Tagesziel zum Ankern und Ort fürs Abendessen. Ganz traditionell wird abends an Bord Chicken Curry und gegrillter Fisch serviert und so waren sie auch fast vorüber, meine 24 Stunden auf einem Katamaran. Jetzt folgte aber noch die Kür. Als es ab in die Kajüte ging, habe ich mir im ersten Moment doch einen Landgang und ein richtiges Zimmer mit großem Bett gewünscht. Die Zimmer auf dem Katamaran haben prinzipiell zwar alles – Doppelbett, etwas Stauraum und ein eigenes Bad, das mich an Camper erinnert hat, weil man da auch quasi den ganzen Raum „beduscht“ – aber gleichzeitig ist es doch bedeutend enger und kleiner. Ein paar Eingewöhnungsminuten später sah die Welt aber schon wieder anders aus. Es ist klein, aber kuschelig und wenn man mit dem Kopf am offenen Fenster liegt und direkt neben einem die Wellen leise rauschen, dann hat das was! Ich gebe aber zu, es war nicht meine erholsamste Nacht, denn so ungewöhnlich es war ohne festen Untergrund, so leicht war auch mein Schlaf bei diesem ersten Versuch.

24 Stunden auf einem Katamaran – mein Fazit

Nach Spiegelei-Frühstück und welliger Rückfahrt, die nicht alle Mitfahrer so gut vertragen haben, darf ich stolz behaupten 24 Stunden ununterbrochen auf dem Meer verbracht zu haben. Mein Fazit? Zehn Tage – auch mit Landgängen – wären mir zu viel. Auch wenn man sehr komfortabel reist, mag ich doch das Gefühl mich völlig frei bewegen zu können. Und das bedeutet für mich mehr als von Rehling zu Rehling. Optimal für mich wäre ein Katamaran-Intermezzo zwischen Inseltagen mit festem Boden unter den Füßen. Kurz: Vier Tage mit Freunden, guten Drinks, leckerem Essen und sanftem Wellengang auf einem Katamaran vor den Seychellen, das wäre großes Kino!

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