Früher war es Paulo Coelho, heute ist es Hape Kerkeling: Zwei Männer welche die Massen bewegen, die von Selbst-Findung, Erscheinungen und von ihren Erfahrungen zum Jakobsweg berichten. Und irgendetwas scheint ja dran zu sein, an diesem überzeugten Gang dieser schier unendlichen Strecke mit Santiago de Compostela in Galicien als Ziel.

Mit Blasen an den Füßen und Rückenschmerzen, aber strahlenden und überzeugten Augen laufen jährlich um die 230.000 Pilger auf dem Jakobsweg – Tendenz steigend! Auch kommendes Jahr wird diese Zahl sicherlich wieder einen Höhepunkt erreichen – denn wir Deutschen werden immer wanderlustiger und pünktlich zu Heilig Abend startet die Verfilmung des Buches „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling mit Devid Striesow in der Hauptrolle. Auch dann werden sich wieder einige Zuschauer auf die Spuren der TV-Stars machen.

3 Filme zur Wanderlust

  • Into The Wild“ – Sean Penn
    “It’s not always necessary to be strong, but to feel strong.”
    Für Supertramps und Liebhaber der kalten Wildnis!
  • A Walk In The Woods“ – Ken Kwapis
    “What on earth would I do if four bears came into my camp? Why, I would die of course. Literally shit myself lifeless.”
    Für alle die einfach mal aus dem Alltag ausbrechen wollen. Und für alte Freunde.
  • Ich bin dann mal weg“ – Julia von Heinz
    „Es ist schwer, jemanden zu finden, der in einem ähnlichen Takt über den Weg tanzt (…). Erst muss man sich seines eigenen Tempos ganz sicher sein und kann sich dann vielleicht jemandem anschließen. Die Pilger sind, fühlen und denken, wie sie laufen.“
    Nicht nur für Menschen auf der Selbstsuche, auch für die, die sich mal wieder verlieren wollen!

Echte Erfahrungen zum Jakobsweg

Wie soll ich euch Tipps rund um die „Erfahrung Jakobsweg“ geben, wenn ich sie selbst noch nicht gemacht habe? Richtig, gar nicht! Darum haben wir Menschen befragt, die schon auf den Pilgerpfaden Richtung Santiago de Compostela unterwegs waren, und lassen diese Erfahrungen für sich sprechen! Danke an dieser Stelle an Philipp und Giuseppe!

1. Was muss unbedingt ins Gepäck?

Philipp: Auf jeden Fall eine wasserdichte Hose, gute Socken, Hirschtalg, gute Wanderschuhe, Badelatschen, Outdoor-Jacke und ein Paar Wechselschuhe (gemütliche Sneaker) für den Abend.

Giuseppe: 2 Trinkflaschen (je 1 Liter, sollte man unbedingt auffüllen bevor man morgens losläuft), Schlafsack, Wanderstöcke, Blasenpflaster, Reiseapotheke, Regenjacke, langer Fleecepulli, Rucksack sollte nicht mehr als 10kg wiegen.

2. Was hättest du dir im Gepäck sparen können?

Philipp: Ehrlich gesagt, nichts. Hatte wirklich gut gepackt ;)

Giuseppe: Nichts, ich habe absolut alles gebraucht.

3. Muss man sich vorbereiten, seelisch oder körperlich?

Philipp: Seelisch muss man sich nicht vorbereiten. Die Auseinandersetzung mit sich selbst kommt von alleine. Körperlich macht es schon Sinn: Als Vorbereitung sollte man einfach mal 30km am Stück wandern und die Rückenmuskulatur auf die Belastung des Rucksackes vorbereiten – zum Beispiel durch Liegestütze, schwimmen gehen und so weiter.

Giuseppe: Beides, man muss seelisch dafür bereit sein. Ich persönlich habe mich 3 Monate im Vorfeld damit beschäftig. Körperlich sollte man fit sein (ich gehe regelmäßig joggen). Man läuft immerhin täglich bis zu 30km.

4. Allein losziehen oder in Begleitung?

Philipp: Ich denke, beides hat Vor- und Nachteile.

Giuseppe: Besser allein – jeder hat seinen eigenen Rhythmus beim Laufen, außerdem sollte man sich ja während dem Laufen mit seinen eigenen Gedanken und Empfindungen auseinandersetzen. Und das ist ganz schön heftig. Kann man nicht beschreiben, muss man erleben.

5. Wie kann man sich die Unterkünfte und Mahlzeiten vorstellen?

Philipp: Als Pilger verfügst du über einen sogenannten „Pilgerpass“. Dank dieses Ausweises kann man überall für wenig Geld „gut essen“. Zum Beispiel ein Pilgermenü, Vorspeise, Hauptgang und Nachttisch plus Wein ;) Die Unterkünfte sind unterschiedlich. Mal klassische Jugendherbergen (Hochbetten), private Angebote (Gästezimmer) oder aber auch vereinzelt Hotels.

Giuseppe: Essen, essen, essen, man verbraucht so viel Energie, dass man ständig am Essen ist. Morgens frühstückt man irgendwo in einer Bar. Anschließend kauft man Snacks für den Tag: Ich hatte immer Eiweißriegel und Studentenfutter dabei. Mittags isst man meistens irgendwo eine Kleinigkeit. Wenn man sein Tagesziel erreicht hat, besucht man ein leckeres Restaurant.

Die Unterkünfte sind sehr spartanisch, meistens einfache Pritschen in Gemeinschaftszimmern mit Gemeinschaftsduschen. Ich habe aber meistens in einem Hostel übernachtete. Nach 30km wollte ich einfach ein Bett und eine Dusche.

6. Kann man / sollte man Unterkünfte vorher buchen?

Philipp: Nein! Bei jeder Etappe sollte man morgens relativ zeitig losgehen, damit man nicht nach 16:00 Uhr im Zielort ankommt. Je nach Region gibt es genügend Pilgerschlafplätze. Nach 18:00 Uhr sind viele Unterkünfte ausgebucht und man muss etwas länger suchen.

Giuseppe: Reservieren kann man nur Hostels, die typischen Pilgerunterkünfte nicht. Ich hab manchmal morgens gegoogelt und dann entsprechend spontan ein Hotel am Zielort gebucht. Direkt vor Ort zu suchen war manchmal anstrengend, da man abends echt erschöpft ist. Am besten am Zielort das erstbeste Hostel oder Unterkunft nehmen.

7. Wie viel Zeit sollte man sich mindestens einplanen?

Philipp: Kommt drauf an, normalerweise fängt der Jakobsweg ja vor der eigenen Haustüre an. Wenn man aber in den Pyrenäen startet und nach Santiago de Compostela will, sollte man schon 7 Wochen einplanen.

Giuseppe: 2,5 Wochen mindestens. Am besten 6 Wochen für den ganzen Camino. Aber nicht jeder kann sich 6 Wochen frei nehmen. Ich bin das letzte Drittel gelaufen mit 10 Tagestouren. Das gilt dann auch offiziell und man bekommt in Santiago De Compostela die heiß begehrte Urkunde. Wichtig ist dann, dass man seinen Pilgerpass 2 x am Tag stempeln lassen muss – das gilt als Nachweis.

8. Dein Ratschlag für alle die jetzt lospilgern möchten:

Philipp: Geniale Erfahrung. Nimm nicht mehr als 13 kg im Rucksack als Gepäck mit. Gutes Equipment ist das A und O. Sobald du einmal acht Stunden durch Dauerregen, Kälte und Schnee wanderst… weißt du gute Outdoor-Bekleidung zu schätzen. Ich meine nicht Jack-Wolfskin ;) Deutsche erkennst du immer an der Tatze. Ganz wichtig: Auf jeden Fall die Tarta de Santiago essen!

Giuseppe: Vorbereitungszeit einplanen, sich damit beschäftigen, Route genau raussuchen und den besten Startpunkt für sich auswählen. Wanderschuhe einlaufen! Pilgerpass besorgen! Am Schluss ein paar Tage in Compostela verbringen, das ist eine echt schöne Stadt.

9. Dein persönliches Fazit?

Philipp: Sehr gute Erfahrung. Grundsätzlich ist Bewegung immer gut. Besonders beim Wandern fängt man an zu reflektieren. Während des Pilgerpfads triffst du sehr viele interessante Persönlichkeiten und neigst auch dazu, dich mit deiner Persönlichkeit, dem Sinn des Lebens und deinem bisherigen Werdegang anders zu beschäftigen.

Giuseppe: Es war eins der schönsten Erlebnisse die ich je hatte. Landschaftlich einfach nur wunderschön, man denkt viel über sein Leben nach. Man durchlebt eigentlich alles, vom Leiden bis zur überschwänglichen Freude! Man braucht Durchhaltevermögen und man muss mindestens 1 Mal weinen, vor Freude oder weil einen die Gefühle übermannen. Man trifft Menschen aus aller Welt. Ein Auf und Ab der Gefühlswelt innerhalb von dieser kurzen Zeit. Das bringt einen im Leben weiter, weil es irgendwie das Leben wiederspiegelt. Wenn ich heute schwierige Situationen zu bewältigen habe, dann denk‘ ich gerne dran zurück!

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