Manchmal ist das Leben einfach nicht pink. Es zwickt und beißt hier und da, es macht dir Gänsehaut, es treibt dich um. Es sind die Tage, an denen du dich auf den Horizont konzentrieren musst, auf die Bewegungen der Wellen und darauf, dass alles in dir nicht zu sehr ins Schwanken gerät. „Man muss das nehmen was man kriegt!“, so lautet nicht nur eine altmodische Floskel von uns Schwaben, sondern so muss oft auch die Einstellung beim Reisen sein. Wir sind jetzt hier, wir müssen ankämpfen gegen den Temperatursturz, gegen Schnupfen und Frösteln. Aber wir ballen unsere Fäuste, wir reißen uns zusammen, wir schmeißen und leidige Blicke zu und abwechselnd auch ein Grinsen, was dann kurz eine Welle der Motivation in jedem von uns schlägt. Wir kommen bald an. Wann ist eigentlich egal, Hauptsache bald. Wir haben alle Sand im Kopf, denn dieser berühmt berüchtigte Strand – ja der lohnt sich bestimmt.

Irgendwann, nach 3 Stunden auf dem „Wave Rider„, betreten wir „Harbour Island„. Wir steigen von der Fähre und atmen ein, was nicht schwer fällt denn auch auf der Insel peitscht uns der Wind die Haare um die blassen Gesichter. Wir finden noch eine Pfütze Willen in uns und steigen auf die Golf-Caddys, die uns jetzt quer über die kleine Insel kutschieren.

Dann, wenn man ihn am meisten braucht: Gestrandet im Bahamaischen Gottesdienst

Die großartigsten Dinge passieren dann, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Und das Schicksal (oder so) legt sie uns dann in den Weg, wenn wir sie am meisten brauchen. „I am a Mountain, I am a tall tree, Oh, I am a swift wind sweepin‘ the country“ dachte ich noch vor 15 Minuten während wir mit letzter, innerer Kraft auf die Insel zuschipperten und jetzt saßen wir Schulter an Schulter in einer kleinen Kirche auf Harbour Island. Unsere neugierigen und gleichzeitig erschöpften Augen müssen es gewesen sein, welche die freundliche Dame dazu animiert hat, uns in das „Gotteshaus“ einzuladen. Hier ist jeder willkommen und diese euphorische Stimmung war in diesem Moment genau das richtige.

Und da war sie dann wieder, die Gänsehaut. Doch dieses Mal nicht aus Übelkeit und Fröstelei, sondern weil ein kleiner schüchterner Junge vortritt und mit schwachem Stimmchen R. Kelly’s „The World’s Greatest“ singt. Ich sehe mich selbst, wie wir vor etwa 12 Jahren zur Firmung genau diesen Song im Gottesdienst meiner Geburtsstadt gesungen haben. Gefühlt war dieser Tag damals der letzte, an dem ich einen Gottesdienst in unserer Gemeinde mitgetragen und mitgefühlt habe. Warum? Das wird mir ausgerechnet auf den Bahamas klar. Die Stimmung hier, das Strahlen in den Augen, die herumrennenden Kids, die Tür, die im fünf-Minuten-Takt auf und zu geht, ist einfach komplett anders. Warm, bunt, positiv und echt.

Wir reiben uns die Augen, klatschen in die Hände, erzählen der Gemeinde woher wir kommen, sagen ein paar mal Halleluja! und nehmen dann wieder Fahrt auf zu unserem eigentlichen Ziel:

Der Pink Sands Beach auf Harbour Island

Ich reibe mir die Augen. Nochmal. Stimmt etwas mit meiner Sicht nicht? Man könnte meinen, ich hätte schon ein wenig Erfahrung mit pinken Naturschauspielen seit meinem Besuch auf Curacao, aber hier stehe ich und bin wieder von neuem sprachlos. Die Wolken grummeln sich vor uns zusammen, unter unseren Füßen puderzuckerweicher Sand. Und wenn die Sonne ein bisschen hinter dem düsteren Wolkenkleid vorkommt liegt vor uns ein leicht rosafarbener Strand! Trotz Wetter entwischt mir ein leichtes Kreischen vor Freude und auch wenn das Farbspektakel an diesem Tag nicht in voller Kraft pink erstrahlt, tut uns der Anblick eines der schönsten Strände der Welt so gut!

Die Lösung für dieses Farbspektakel lautet Foraminiferma, ein kleiner Eizeller, dessen Form am besten mit einer Erdbeere vergleichbar ist. Der Pink Sands Beach auf Harbour Island ist definitiv eines der großen Natur-Highlights während einer Bahamas-Reise. Und auch ganz abgesehen von seiner an diesem Tag nur leicht schimmernden Tönung ist dieser Strand für alle ein Must-Platsch, denn auch die Farben des Wassers und die angenehme Leere auf dem gesamten Strandabschnitt machen den Pink Sands Beach für mich wirklich zu einem uber-Place!

 

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