Sie heißen „Conch“ und sind das Must-Eat in Nassau, der Hauptstadt von New Providence (Bahamas). „Take it easy, just relaaaaax,“ sagen sie hier auf den Bahamas, wenn einer von unserer Reise-Crew wieder ein wenig unruhig auf die Uhr schaut.

Hätten wir nicht schon längst los gemusst? Wir wollten doch den Sonnenuntergang…und wie kann es eigentlich sein dass die Zubereitung eines Salates so lange dauert wie die gesamte Mittagspause lang ist?

Naja, ich gebe zu, ein wenig Ruhe kann mir nicht schaden und ich bin so langsam in der bahamesischen Zeitrechnung angekommen, wo die Uhren halt alle ein wenig bedächtiger ticken und ich mich dann eben nochmal zurücklehne, um am Strohhalm zu ziehen statt mit den Fingern ein nervöses Stakkato auf die Stuhllehne zu klopfen.

Unruhig und ziemlich mulmig wurde mir dann aber doch wieder, als ich einsehen musste, dass ich ein wenig Furcht vor meiner eigenen Courage bekommen hatte. Eines meiner Travel-Credos lautet nämlich: Ich versuche alles wenigstens zu probieren und neugierig zu sein, vor allem wenn es ums Essen geht. Für eine Portion Nudeln mit Pesto muss schließlich niemand den halben Globus umrunden. „Ja, für mich auch eine Portion Conch-Salad (gesprochen „Konk“),“ hatte ich mich daher vor ein paar Minuten noch selbstverständlich sagen hören während unserer Food-Tour zu Nassaus urigsten und angesagtesten Spots.

Conch – Meeresschnecke als Landesspezialität

Die Sache mit Conch ist nämlich die: es sind Meeresschnecken.. Würde mir Zuhause in Stuttgart jemand einen Teller mit der Weinberg-Variante hinhalten, ich würde dankend ablehnen. Aber auf den Bahamas ist diese riesige Meeresschnecke nun mal so etwas wie DIE Landesspezialität und damit im bahamesischen Alltag ziemlich bedeutend. Wir Foodies mussten also durch, auch wenn die Conch für unsere europäischen Gaumen noch ziemliches Neuland war. Fangfrisch kommt sie an den typischen Straßenbuden, von denen es am Stadtrand von Naussau viele gibt, auf die Gabel. Wie wichtig frisch bei so einem Getier aus dem Meer ist, das dann in seiner klassischsten Form auch noch roh serviert wird, muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen. „Die wissen schon wie das geht“, sagte ich mir jedenfalls im Wunsch, diese Reise ohne Beschwerden fortsetzen zu können, mantrahaft auf, während ich auf meinen Teller wartete. Natürlich kommt die Conch mittlerweile in vielerlei Zubereitungsformen daher: frittiert oder im Sandwich, als Salat oder Bällchen, die Möglichkeiten sind zahlreich. Flo und ich wollten aber den Klassiker testen und bestellten deshalb erstmal den ursprünglichen Conch-Salad.

Direkt von der LKW-Ladefläche wird die Schnecke dann herausgepellt und geputzt, dann mit Zwiebeln, Paprika, Tomate, Zitrone und verschiedenen Gewürzen angerichtet. Das dauert wie alles auf den Bahamas bisher ein bisschen. Aber so bleibt dann eben Zeit zum Staunen. Und für Mantras. Und während Flo sich fleißig mit dem Fotografieren dieser wunderbaren Bilder ablenkte wanderte die Schnecke aus ihrem Häuschen ab in die Salatschüssel.

Schnecken mit Super-Power

Im Geschmackstest erinnert mich die Meeresschnecke mit ihrem festen, weißen Fleisch am ehesten an Kalmar und ist sehr nahrhaft. Gegessen wird sie aber nicht nur, weil sie den Einheimischen schmeckt, sondern auch weil sie für Männer eine potenzsteigernde Wirkung haben soll. Aber nur, wenn man sich traut und sich an das Geschlechtsteil der Schnecke wagt. „Ja, is klar,“ dachten wir erst, wurden dann aber Zeuge wie vor Ort außer uns seltsamen Europäern keiner ein großes Ding daraus machte. „Take it easy, relax. Andere Länder, andere Sitten“.

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