Unter den Sohlen knistert der Wald. Ab und an bricht ein Hauch Licht durch die Wipfel der Bäume, aber besonders hell ist es in der letzten Zeit selten geworden. Einatmen, ausatmen. Die warme Luft aus meinen Lungen malt Kreise in die Kälte um mich herum und so gehe ich leicht beschleunigt weiter – verschwimmende Kreise hinter mir herziehend. Hinter der nächsten Abbiegung könnte alles und nichts sein. War ich hier schon mal? Ein Schauer fährt mir über den Rücken, während ich gespannt die letzten Schritte mache, bevor ich Blick auf den neuen Weg haben werde. Es sind diese wenigen Sekunden der Unwissenheit, die meine Fantasie zum Tanzen bringen. Ich könnte für einen Moment überall und nirgends sein, im Jetzt und im Damals. Werde ich gleich Schritte hinter mir hören? Irgendetwas sehen, was mir später niemand glauben wird? Ein Ast knackt, ich schrecke kurz auf. Den Wald um mich herum ist zur Kulisse meines eigenen Kopfkinos geworden. Tagträumerei, nennt man das wohl. „Mia, hast Du vielleicht zu viele Serien auf Netflix geschaut?“, frage ich mich selbst. Hmmm. Ich mochte Geschichten schon als Kind gerne. Am liebsten die, die mir meine ältere Schwester erzählt hat und die mich manchmal nachts nicht haben schlafen lassen. So wie man früher mit wenigen Dingen ganze Welten gezaubert hat, als ein Stück Stoff ein königlicher Umhang sein konnte und ein Zweig magisch, so schlüpfe ich auch heute noch gerne in Rollen und spiele mit Stories.

Was ein schwarzes Kleid mit der Fantasie zu tun hat

Bei diesem Spaziergang lag es wohl auch an diesem ganz besonderen black dress, das meine Fantasie beflügelt hat. Mit seinem Schnitt und Rückendetail fällt es aus dem Alltag und nimmt mich mit. Während der Saum an den Gräsern vorbeistreift und ich das Schwingen des Stoffes fühle, will ich fast laut „Tschüss Alltagstristesse!“ rufen, denn wir könnten gerade auf dem Weg überall hin sein, auf ins nächste Abenteuer oder zur Oscar-Verleihung (Ja, gut. Dafür bräuchte ich vielleicht ein anderes Paar Schuhe…). Man könnte jetzt fast meinen, ich wäre nie um eine Geschichte verlegen. Die Wahrheit ist, dass in all den Jahren Uberding auch bei uns manchmal die Ideen nicht so fließen wollen. Da haben wir dann zum Glück ein paar Tricks auf Lager.

3x Fantasie-Boost

Den Trick mit dem inspirierenden Look kennt ihr ja jetzt schon. Rein in ein schwarzes Kleid und los geht’s mit der Fantasie. Natürlich gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, die kreativen Ideen anzukurbeln.

1. Ideen festhalten

Es ist ja nicht so, dass wir alle nicht oft gute Einfälle hätten, wir vergessen sie bloß schnell wieder und lassen sie untergehen. Damit das nicht passieren kann, versuche ich alle spannenden Ideen aufzuschreiben. Wenn ich dann irgendwann mal ratlos bin, kann ich auf meine Liste schauen und im besten Fall eine der Notizen weiter entwickeln. Wer gleich aufschreibt, trägt auch nicht den fiesen „Das-darf-ich-nicht-vergessen“-Klotz mit sich herum. So ist dann auch wieder Platz für neue Gedanken und das Gehirn wird darauf trainiert konstant weiterzuspinnen.

2. Aus vielen Richtungen denken

Statt die ganze Zeit nur an das zu erreichende Ergebnis zu denken, hilft es, wenn man stattdessen versucht sich dem Ausgangsproblem aus verschiedenen Richtungen zu nähern. Statt bei einem Beitrag nur an das Ziel „Ich brauche als Ergebnis einen Artikel zum Thema xy“ zu denken, stelle ich mir lieber Fragen. Wen interessiert das Thema? Was kann niemand mehr hören? Was für ein Kontext besteht? Albert Einstein hat wohl mal gesagt: „Wenn ich eine Stunde Zeit hätte ein Problem zu lösen, würde ich 55 Minuten über das Problem nachdenken und 5 Minuten über die Lösungen“. Wer die Ausgangssituation verstanden und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet hat, kommt auch zum Ziel.

3. Inspirierende Dinge tun

Manchmal braucht man einfach Input von Außen. Das kann ein Gespräch mit anderen sein. Sport und Bewegung, die unseren Kopf wieder ankurbeln und uns in gute Stimmung versetzen. Eine Sache, die wir noch nie zuvor getan haben und die uns wieder komplett neue Eindrücke und Gefühle einbringt. Falschirmsprung, gefällig? Oder im black dress durch den Wald streifen? Alternativ schauen wir über den kreativen Tellerrand, lassen uns von der Arbeit anderer inspirieren und lesen ein Buch oder schauen einen Film. Übrigens: vom 11. bis 21. Februar ist Berlinale und am 28. Februar die Oscars. Ob Leo abräumt?

Und manchmal hilft eben schon ein schwarzes Kleid mit Cut Outs, um die Fantasie anzukurbeln:

Fotos von Roland Guth.

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