Die Palmen wiegen leicht im Wind, ein paar Surfer oder Skater ziehen vorbei und die Sonne blendet auf diese ganz besondere Weise. Das gibt es so nur im Süden von Kalifornien, das war der erste Gänsehaut-Moment den ich bei meinem ersten L.A.-Besuch 2014 hatte und seitdem musste ich immer wieder nach Los Angeles kommen, mein ganz persönliches gelobtes Land. Ich muss mich wohl der Californication bekennen. Ich bin süchtig nach den Vibes, den Frauen, dem Leben hier. Wenn ich wieder da bin, frage ich mich, warum ich eigentlich noch nicht ausgewandert bin und wenn ich nach einem Trip nach Kalifornien wieder in Deutschland ankomme, frage ich mich das erst recht. Aber eines ist mir heilig: Auf regelmäßigen Reisen dafür zu sorgen, dass der Cali-Entzug meinen Körper und vor allem meine Seele nicht komplett dahinrafft.

Ich bin außerdem ein Fan von Fortsetzungsgeschichten. Man kennt die Protagonisten, das Setting, doch Veränderung sorgt dafür, dass es nicht langweilig wird. Und hier knüpfe ich an die Vergangenheit an. Kurzer Rückblick: 2014 unternahm ich einen der schönsten Road Trips, die es gibt, fuhr von San Francisco die Küste entlang nach Los Angeles. Nicht in irgendeinem Auto, sondern dem wohl geeignetsten fahrbaren Untersatz, den man sich für eine solche Unternehmung vorstellen kann: Dem Mercedes-Benz SL500, einer absoluten Hollywood-Ikone. Die Lady auf dem Beifahrersitz wollte schon damals einen Abstecher nach San Diego machen, doch das musste warten.

2016: Die Love-Story geht weiter

Die Lady sitzt schon lange nicht mehr auf dem Beifahrersitz, eine Love-Story schreiben wir trotzdem. Es ist Liebe zur Sache und: Liebe zum Fahrzeug. es ist an der Zeit, den Trip von 2014 fortzusetzen und das mit einem Upgrade: Für den nächsten Teil der Strecke von Los Angeles nach San Diego nehme ich Platz im Mercedes-AMG SL63, der nun nicht nur 585 PS hat, sondern dank einiger Eingriffe ins Design auch deutlich besser aussieht. Böse Geschosssalven des V8 salutieren den Beginn der filmreifen Ausfahrt in Laguna Beach.

Einfach ist einfach zu einfach und es geht ja um das Erlebnis. Also wird nicht – so wie letztes Jahr mit meinem Bruder – die Küstenroute gewählt, sondern ein großzügiger Umweg durch die Berge Kaliforniens. Was dann folgt, ist schwer in Worte zu fassen. Man spricht ja heute von Carporn, von Natureporn. Und all das stimmt. Ich bin mir unsicher, ob ich die Fotos nicht als NSFW kennzeichnen müsste und ein prüfender Blick auf mein eigenes Gesicht im Rückspiegel ließ gewisse orgasmische Tendenzen erkennen. Was da passiert, wenn man sich stundenlang mit einer solchen Fahrmaschine auf den Bergstraßen Kaliforniens austobt, ist aus einer anderen Welt. Ich sag es mal so: Gegen uns war alles andere „slower Traffic“ und das Quietschen der Reifen mischte sich mit dem Road Trip Soundtrack aus den Bang & Olufsen Lautsprechern.

Der Mercedes-AMG SL63 lässt den Fahrer entscheiden

Ein 5,5 Liter V8, der 585 PS und 900 Nm Drehmoment an die beiden Hinterräder weiterleitet und das ohne Dach – was im ersten Moment nach einer teuflischen Mischung klingt, entpuppt sich als ideales Rezept. Der Clou: Das Menü schmeckt, die Würze bestimmt der Fahrer aber selbst. Dank Dynamic Select kann der SL von lieb bis böse, vom sanften Gleiter bis hin zum fauchenden Kurvenräuber. Dank Windschott, Airscarf und unzähliger weiterer technischer Rafinessen gleicht der Aufenthalt im Innenraum des Roadsters dem im Spa – und damit meine ich nicht die Rennstrecke.

Oh God, war das traurig, als ich aus dem dahinschwebenden Flugzeug noch das beeindruckenden Hotel del Coronado in San Diego ausmachen konnte, vor dem ich kurz zuvor noch das Auto abstellte. In diesem Moment trafen mich die Californication und die Wanderlust gleichzeitig. Ich habe da schon so eine Idee, was die Fortsetzung angeht: Von San Diego aus könnte es ostwärts gehen, über Phoenix bis nach Denver. Mal sehen, ob ich auch diesen Bucket-List-Moment verwirklichen kann.

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