Eigentlich geht es in dieser Kategorie um Kunst. Um Architektur manchmal, um Fotografie, um Grafik, wenn sie besonders gut gemacht ist. Beeindruckende Bilder, dachte ich deshalb im ersten Moment, als ich mich durch die Portraits des Buches ATMAN von Bernd Kolb klickte. Könnte auch ein Reisethema sein, dachte ich im nächsten, und fühlte eine leise Sehnsucht nach Indien in mir aufsteigen. Und dann begann ich, zu lesen.

ATMAN – die Seele im Sanskrit

Alles ist eins, das ist eine der Grundaussagen der über 3.000 Jahre alten vedischen Schriften. die mir gut bekannt ist, und so wenig ich auf Religion gebe, diese Grundaussage ist mir mittlerweile eben so nah wie die klassischen christlichen Werte – und sie gewinnt in der heutigen Zeit mehr denn je an Bedeutung. Wir sind alle eins, wir sollten zusammenhalten.

Wir alle leben auf dieser einen Erde, wir sollten zusammen darum kämpfen sie zu bewahren.

Und wir alle sind ein großes Ganzes, jeder einzelne von uns – und sollten uns miteinander beschäftigen und unsere Unterschiedlichkeiten lieben, nein, nutzen lernen, statt uns zu bekämpfen. Das klingt trocken gelesen nervtötend esoterisch, wird in Momenten wie der Geburt eines Kindes, nach einer Naturkatastrophe oder beim Betrachten dieser Bilder aber offensichtlich. Immer dann, wenn wir uns auf das Essenzielle berufen.

Im altindischen Sanskrit steht ATMAN für die „Seele“ – und meint damit das wahre, unvergängliche Selbst der Menschen. „ATMAN ist der göttliche Funken in uns, die Wirklichkeit hinter allem Schein, frei von jeglicher Bindung und doch stets mit allem eins. Es handelt nicht, besitzt nicht, stirbt nicht. Es ist das allverbundene Wesen des Menschen, der Zeuge, jenseits von Zeit und Raum. Es verkörpert das Universum, das in uns ist. Es ist die absolute Essenz des Lebens“, steht im Begleittext zu der Ausstellung, zu der wir euch heute einladen wollen.

Fotoausstellung oder meditative Erfahrung?

Tatsächlich ist ATMAN nicht einfach nur die Ausstellung zu Bernd Kolbs gleichnamigen Buch. Vielmehr ist es ein emotionales Erlebnis und eine meditative Erfahrung. Die Location an sich spricht für sich: Die Stimmung in der Malzfabrik in Berlin scheint den Aufnahmen nach greifbar. Es ist dunkel, das Licht ist warm, die Luft wirkt dick, und in den alten Gemäuern stehen auf 4.000 Quadratmetern die beleuchteten Portraits, die Bernd Kolb während seiner Reisen durch Asien geschossen hat, und wirken vor sich hin.

ATMAN scheint ein Ort der Ruhe zu sein und gleichzeitig der großen emotionalen Aufruhr. Ein Ort für Suchende. Fotograf Bernd Kolb selbst war auf der Suche nach der Weisheit Asiens, als die Aufnahmen entstanden, und ist der Überzeugung diejenigen getroffen zu haben, die sie noch besitzen. Eine große Verbundenheit zwischen Portraitiertem und Fotograf wird auf den ersten Blick sichtbar – und ermöglicht es dem Betrachter, sich durch den Blick in die Augen der alten Frau, des lächelnden Mönchs oder des ernsten Kindes ebenso verbunden zu fühlen. Und plötzlich sehe ich in den Augen dieser Menschen die Antworten auf alle Fragen. „Haben oder sind wir eine Seele? Können wir als Mensch unsere seelische Existenz erfahren? Endet unser Leben mit dem Tod?“ Ich sehe: Alles wird gut. Wenn du es lässt.

Bernd Kolb: Wirtschaft vs. alte Veden

Ebenso spannend wie die Erfahrung beim Betrachten der Bilder ist – zurück auf dem irdischen Boden der Tatsachen – übrigens der Werdegang des Künstlers Bernd Kolb. Als deutscher Unternehmer des Jahres 1998, Vorstand für Innovation bei der Deutschen Telekom und Internetpionier war Kolb noch vor 15 Jahren Teil der Welt, die er heute kritisch betrachtet. Er stellt sich und uns die Frage, warum wir Menschen uns trotz allem besseren Wissen immer noch so schwer tun, nachhaltig zu handeln und sucht nach Ansätzen für positive Zukunftsgestaltung. Gut vorstellbar, dass er sie auf einer Reise durch die Kulturen und Religionen Asiens gefunden hat.

„Diese Bilder sind so unglaublich kraftvoll und enthüllen dabei die Essenz des selbst, die wahre Seele, das Atman dieser Menschen, denen er nun durch dieses Buch Unsterblichkeit verleiht.“
Jane Goodall

Die Ausstellung in der Malzfabrik Berlin läuft noch bis zum 30. September 2016 und wird von verschiedenen Tals zu Themen wie Entschleunigung, Nachhaltigkeit und Achtsamkeit begleitet. Sich mit diesen Themen zu beschäftigen hat wirklich noch niemandem geschadet. Mehr Informationen zu der Ausstellung und den Terminen für die Talks findet ihr natürlich hier.

Ausstellung ATMAN in der Malzfabrik Berlin

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag 15-21 Uhr, Samstag bis Sonntag 11-21 Uhr
Tickets:
12 Euro, für die Talks 19 Euro
Ablauf:
In geführten Kleingruppen geht es schweigend durch die Ausstellung, wo man mal kürzer, mal länger vor den einzelnen Bildern verharrt.


Die Bilder wurden uns von www.atman.de zur Verfügung gestellt. Achtung, Ausstellung ist leider nicht barrierefrei!

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