Treiben lassen. Wenn man es wirklich schafft den Weg das Ziel sein zu lassen, dann fängt die Entspannung an. Genau danach sehne ich mich in den letzten Monaten. Einer kleinen Auszeit, die gar nicht von spektakulären Zielen oder Spots geprägt ist, sondern bloß davon, dass man Fünf gerade sein lässt, die Füße hochlegt und ankommt, und zwar nirgendwo anders, als bei sich selbst. „Entschleunigung“ könnte man jetzt sagen, aber das ist vom Buzzword irgendwie zur leeren Phrase geworden, das sich mittlerweile jedes zweite Yoga-Studio und Café an der Ecke an die Scheibe kleben.

Auf der Suche nach dem passenden Sehnsuchtsort wurde mir dann klar, dass es vielleicht gar kein einzelner sein sollte, ich überhaupt nirgends um jeden Preis hin will. Dass es tatsächlich darum geht mal ganz in Ruhe auf dem Weg zu sein, ohne Anstrengung, ohne Müssen, die Welt einfach an sich vorbeiziehen zu lassen statt durch zu hasten. Go with the flow. Was könnte also besser passen als ein Hausboot Urlaub? Der eigene Kapitän sein und mit dem kleinen Zuhause auf Zeit durchs Wasser schippern. Ein Sonnenstuhl auf dem Deck, Abends Picknick am Ufer und von sanftem Schaukeln in den Schlaf gewiegt werden. Bitte ja, am liebsten sofort.

Was man über einen Hausboot Urlaub wissen sollte

Geht das denn? Einfach ein Boot mieten und los? Ja, das geht! Ich habe selbst immer geglaubt, man bräuchte unbedingt einen Bootsführerschein, um Kapitän auf Zeit sein zu dürfen, aber das stimmt gar nicht. In Deutschland darf man zum Beispiel Müritz und Mecklenburg, sowie Havel und Brandenburg ohne Bootsführerschein erkunden, in Frankreich sind Kanäle und Flüsse wie der Canal du Midi im Süden, Routen in der Camargue oder der Burgund möglich, in Holland dürfen alle Wasserstraßen befahren werden, in Polen die masurische Seenplatte, in Italien unter andrem die Lagune von Venedig und in Schottland der Caledonian Kanal. Aber auch in Belgien, England und Portgual warten führerscheinfreie Routen. Einschränkung ist bloß, dass das Hausboot nicht länger als 15 Meter sein darf und in Deutschland ist der Bodensee und das Fahren in Berlin Tabu. Aber ganz ehrlich? Es gibt auch so mehr als genug Reviere, um sich den Traum vom Hausboot Urlaub zu erfüllen!

Stellt sich noch die Frage, wie schwer das Lenken so eines Zuhause auf dem Wasser ist. Ich habe mir sagen lassen, dass der Vergleich mit dem Autofahren hinken würde. Auf dem Wasser ist alles gemächlicher und gerade Lenkmanöver finden mit etwas Verzögerung statt. Es gilt also etwas vorausschauend zu fahren, ohne Hektik. Der Weg ist schließlich das Ziel.

Die schönsten Gebiete für eine Auszeit auf dem Hausboot

Italienische Dolce Vita oder doch lieber Savoir Vivre in Frankreich? Ich bin tatsächlich überrascht über die Fülle der Möglichkeiten! Das hier sind die fünf schönsten Reviere:

  • Camargue, Frankreich: Da es nicht wirklich ein Gebiet ganz ohne Schleusen gibt, lohnt es sich wohl vor allem für Anfänger eines auszusuchen, wo nicht gleich ganz viele durchfahren werden müssen. Das wäre zum Beispiel der Fall in Südfrankreich, wo man entlang des Mittelmeers den Canal du Rhône à Sète durchfahren kann. Auf dem Weg liegen malerische Ortschaften wie Aigues Mortes, in denen sich vorzüglich ankern und das süße Leben bei einem Pastis genießen lässt!
  • Masurische Seenplatte, Polen: Das Land der tausend Seen – so heißt das Traumziel im Norden Polens. Klares Wasser, viel Badevergnügen – dieses Revier steht ganz weit oben auf meiner Bucket List! Auch hier gibt es eher wenige Schleusen, was für mich als Anfänger ein Plus ist. Etwa 40 Prozent der masurischen Seenplatte steht übrigens unter Naturschutz. Abwechslungsreiche Fauna wäre also auch noch inklusive.
  • Friesische Seenplatte, Holland: Bei Hausbooten muss jeder immer gleich an eine Fahrt Richtung Amsterdam denken, aber auch Hollands Norden gilt als Paradies für Hausboot-Urlauber. Hier sind nämlich viele Kanäle und Seen miteinander verbunden, so dass viele unterschiedliche Rundfahrten möglich sind. Auf diese Art kommt Abwechslung ins Spiel und wer zwischendurch gerne mal am Strand liegen will, kann in einer der zahlreichen Orte direkt am Jiselmeer den Anker werfen und zu Fuß die letzten Schritte ans Meer gehen.
  • Shannon, Irland: Irland steht schon eine Weile auf meiner Reise-Liste seit Mia und Thies von dort so begeistert erzählt und mich mit ihrem Bildern entlang des Wild Atlantic Way verzaubert haben. Dort bilden übrigens die beiden Flüsse Shannon und Erne das längste Binnengewässer Europas und genau dort kann man mit dem Hausboot vorbei an grünen Wiesen, Schlössern und Klöstern vorbei treiben. Magische Momente sind da bestimmt an der Tagesordnung.
  • Müritz, Deutschland: Seitdem ich in Berlin wohne, bin ich großer Fan des Umlandes. Brandenburg, Havel, aber auch die mecklenburgische Seenplatte sind für mich in kürzester Zeit erreichbar und begeistern mich immer noch und immer weiter. So viele schöne Seen, so viel Platz und alles quasi direkt vor der Haustüre – was will man mehr? Das wäre dann wohl auch der perfekte Einsteigertest für mich. Glasklares Wasser, Natur zum Verlieben und viel Ruhe – die mecklenburgische Seenplatte, ich und das Hausboot, das könnte was werden.

Ihr seht schon: die Auswahl ist groß. Nicht nur bei den Strecken, sondern auch bei den Booten. Am Ende muss das Zuhause auf dem Wasser ja vor allem auch eines: gefallen und heimelig sein. Spannend finde ich übrigens die schwimmenden Bungalows von BunBo, die an verschiedenen Standorten in Deutschland auf einen Kapitän auf Zeit warten. Und, wer weiß? Vielleicht seht ihr mich demnächst mit dem Steuerrad in der Hand an euch vorbeiziehen.

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