Auf einen echten Künstler stößt man heute nur noch selten. Klar, wir alle sind kreativ unterwegs, ob Fotograf, Filmemacher oder auch Werbungsmensch. Doch den Lebensunterhalt mit tatsächlicher Kunst verdienen, das tun die wenigsten. Umso begeisterter war ich, als ich neulich völlig unverhofft auf einem Event Tim Bengel kennengelernt habe. Der Stuttgarter ist mein Jahrgang und geht damit durchaus noch als jung durch, hat aber mit seiner Kunst immensen Erfolg.

Hunderttausende verfolgen Tim und sein künstlerisches Schaffen auf Social Media, und so haben wir den New Media Star als einen absoluten Stuttgarter City Shaper definiert – einen Menschen, der die Stadt auf seine ganz besondere Art und Weise prägt und zu deren Attraktivität beiträgt.

In der Speiserei in Stuttgart-Untertürkheim habe ich mich mit Tim getroffen, um mehr über ihn, sein künstlerisches Schaffen und seine ganz persönliche Sicht auf unsere Stadt zu erfahren. Bei Kaffee, Brownies und Bircher Müsli erzählte mit der sympathische Wuschelkopf seine Geschichte.

Was bedeutet Kunst eigentlich?

Das fragte sich Tim schon als kleiner Steppke, als er mit seiner Mutter einen Ausflug nach Stuttgart, die nächstgrößere Stadt, unternahm und dort die Staatsgalerie besuchte. Moderne, abstrakte Kunst war dort zu sehen und der kleine Tim verstand nicht, warum eine Leinwand voller wirrer Farbkleckse Millionen wert sein konnte. Er begann zu Hause direkt, selbst Leinwände wirr zu beklecksen – natürlich ohne Millionen dafür zu bekommen, und so verschwand die Kunst zunächst wieder aus seinem Alltag.

Der nächste Versuch dann einige Jahre später: Tim, der Querkopf, hält das Schulsystem für unbrauchbar und verweigert für ein komplettes Halbjahr die Mitarbeit. Er ist zwar anwesend, aber nur körperlich. Als dann ein Kunstwettbewerb an seiner Schule ausgerufen wird, nimmt er teil – und gewinnt. Der Schlüssel zum Erfolg: Er macht es anders als alle anderen, kreiert ein Kunstwerk aus Centstücken, während die Masse sich konventionell mit Farbe und den üblichen Elementen versucht.

Tim lernt daraus: Es scheint ein Vorteil zu sein, etwas anders zu machen als alle anderen. Ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal ist Trumpf, nicht das Streben nach Erfolg in einer Disziplin, die schon hundertfach besetzt ist. Er beginnt zu experimentieren und entwickelt seine eigene Technik: Aus schwarzem und weißem Sand und später auch Gold entstehen Kunstwerke, die einen in ihren Bann ziehen – und die so sonst keiner macht.

Stuttgart als Künstler-Base?

Stuttgart ist bekannt als Heimat von Daimler und Porsche. German Engineering für die Welt, das kennt man. Doch Kunst? Szene? Dafür sind eigentlich andere Städte bekannt. Das bekam auch Tim zu spüren, der am Anfang trotz ausgiebigen Klinkenputzens mit vielen geschlossenen Türen zu kämpfen hatte. Er war schon kurz davor, aufzugeben, da kam der Durchbruch über Social Media. Ein großes Magazin hatte ihn und seine Arbeit gefeatured und sein Kanal explodierte förmlich. Menschen aus aller Welt wurden zu Fans und Tim bekam endlich die nötige Aufmerksamkeit.

Eines seiner Kunstwerke zeigt den Stuttgarter Fernsehturm, und diesen beschreibt Tim auch als seinen liebsten Ort. Von ganz oben auf die Stadt zu schauen, das gefällt ihm – dabei ist Tim alles andere als abgehoben. Er ist bewusst in Stuttgart geblieben und möchte nun mit anderen Kreativen versuchen, der Szene etwas Substanz zu geben. Kunscht heißt das Projekt, das ein Kollektiv aus Künstlern gerade ins Leben ruft. Eine Plattform zu schaffen, die seriös und erwachsen ist, aber dennoch zeigt, was 0711 eigentlich zu bieten hat – ein tolles Vorhaben, wie wir finden!

Künstlern eine Plattform in 0711 geben

Warum das alles? Weil Tim und die anderen Kunscht-Guys Stuttgart zu schätzen wissen. Ehrlich ist sie, die Schwabenmetropole. Geld ist eigentlich auch genug Vorhanden. Doch mit der Kunst ist es schwierig:

„Ins Museum kommen fast nur Werke von Künstlern, die schon tot sind!“

Und dann ist es irgendwie einfach nicht cool, ein Local zu sein. „In Singapur wollen Galerien unbedingt mit mir arbeiten, hier in Stuttgart hingegen wollen sie dann lieber einen Künstler aus Singapur. Das ist doch Quatsch, ist doch toll, wenn man auch mal Locals promoten kann!“

Genau das wollen die Macher von Kunscht erreichen. „Wir möchten jung und frech sein und dennoch ernst genommen werden. Deshalb gehen wir mit unserer Gruppenausstellung auch ins Haus der Wirtschaft, schön das Epizentrum der Spießigkeit aufmischen!“

„Man darf sich nicht zu sehr an anderen orientieren, sollte einfach sein eigenes Ding machen, mit großer Vision und Ausdauer an die Dinge rangehen. Dann wird das schon!“

Lies mehr über die Shape your City Kampagne von Heineken, die uns zu diesem Interview inspiriert hat – und werde aktiv in deiner Stadt! Übrigens: Die Jury hat zur „Shape your Bar“ Aktion bereits einen Gewinner bestimmt! Wer rausfinden möchte wer es ist kann das jetzt hier rausfinden ;)

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