Einen Artikel über Isreal zu schreiben, ist gar nicht so leicht. Zu viel hat man über das Land gelesen, zu vielen Diskussionen gelauscht. Bevor die Reise für mich startete, spürte ich also ein leicht mulmiges Gefühl. Das soll jetzt nicht wie ein Urteil klingen, sondern ehrlich. Würde ich mich wohl fühlen und sicher? Und wäre es dann wiederum verwerflich, wenn es mir gefiele? Manche Fragen lässt man am besten zurück, während man selbst das Flugzeug besteigt, um sich ein eigenes Bild zu machen.

Von Berlin aus braucht es knappe vier Stunden, um eine andere Welt zu betreten. Irgendwo zwischen Europa, Wüstensand, Spiritualität und arabischen Einflüssen liegt Israel. Ein Mix, der an manchen Stellen ungewohnt ist und an meinem eigenen Denken aneckt, um mich dann in seinen Bann zu ziehen.

Jerusalem – ehrwürdig und weiß

Sandiger, trockener Wind, der gleichzeitig Gänsehaut zaubert und die Luft flirren lässt, weht Ende November durch die Hauptstadt Israels. Es ist der gleiche Wind, der in denselben Tagen im Umland Jerusalems für sich ausbreitende Waldbrände sorgt, während in der Stadt erstmalig die Open Restaurant Week stattfindet. Natürlich lockte mich nicht nur die Aussicht auf gutes Essen und Einblicke hinter die Kulissen der Chefköche, sondern auch die Vorstellung, die wohl geschichtsträchtigste Stadt des Globus zu besuchen.

Die ältesten, nachgewiesenen Spuren menschlicher Besiedlung stammen von ungefähr 5000 vor Christus. Seither war die Stadt in den judäischen Bergen stets umkämpft: Römer, Araber, Kreuzritter, sie alle standen an einem Punkt der Geschichte vor den Toren der Stadt, ganz abgesehen von der religiösen Bedeutung. Religiös muss man heutzutage gar nicht sein, um etwas von der Ehrwürdigkeit Jerusalems zu spüren. Die Stadt, komplett aus hellem Kalkstein, ist nicht nur optisch eine fast surreal anmutende Augenweide. Jerusalem ist geradezu aufgeladen mit Geschichte. Kaum ein Fleck Erde scheint hier bedeutungslos zu sein. Auf besondere Art durchdrungen von Spiritualität, erheben sich so die Häuser und Stätten auf den Hügeln und man selbst kommt kaum umher ohne sich zu fragen, was diese Steine wohl schon alles gesehen haben mögen.

Jüdisches Altstadtviertel: Klagemauer und Grabeskirche

Tatsächlich gehört die Altstadt erst seit 1967 zu Israel, davor zum Nachbarstaat Jordanien, was auch die vielen arabischen Einflüsse erklärt. Grob lässt sich die Altstadt in fünf Viertel unterteilen, die früher der Konfession und ihren Einwohnern entsprachen. Heute durchmischen sich diese zwar, die Unterschiede sind aber immer noch spürbar. Im Nordwesten der Stadt finden sich Klagemauer und Grabeskirche. Ein Besuch in Jerusalem wäre ohne diese beiden Sehenswürdigkeiten wohl nicht komplett. Man muss selbst nicht religiös sein, um die Bedeutsamkeit dieser Stätten spüren zu können. Wer an einem Donnerstag dort ist, wird an der Klagemauer viele Bar Mizwa – Feiern miterleben. Vor dem Sabbath feiern die jüdischen Familien hier den 13. Geburtstag und damit den Eintritt der männlichen Familienmitglieder in den Kreis der Erwachsenen. Es spielt Musik, es wird gesungen und aus der Tora gelesen. Noch immer nähern sich Frauen und Männer der Mauer in abgetrennten Bereichen, weshalb viele der weiblichen Familienmitglieder auf Stühlen stehend über die Absperrung schauen. An der Mauer selbst wird es Zeit für persönliche Wünsche. Auf tausenden kleinen Zetteln stecken sie in der Mauer, alle auf Erfüllung hoffend.Einen Spaziergang weiter, steht an der überlieferten Stelle der Kreuzigung Jesus die Grabeskirche, weshalb sie auch zu den größten Heiligtümern des Christentums zählt. Hier finden sich Gläubige aus aller Welt ein und trotz der Massen an Menschen herrscht Ruhe.

Muslimisches Altstadtviertel: Via Dolorosa und Sukh

Durch einen Kontrollpunkt geht es dann ins arabisch geprägte Viertel. Ich habe mich vor meiner Anreise gefragt, ob ich mich unsicher fühlen würde in Jerusalem, tue es aber zu keinem Zeitpunkt. Die Präsenz bewaffneter Soldaten in der Stadt, vor allem beim Übertritt von einem Viertel ins andere, ist jedoch etwas, an das ich mich nur bedingt gewöhnen kann. Das Muslimische Viertel ist dann nicht nur flächenmäßig das größte, sondern auch das am dichtesten besiedelte der Altstadt. Hier verläuft ein Großteil der Via Dolorosa, dem Prozessionsweg Jesus.

Ein Spaziergang führt durch kleine Gässchen und über den „Shuk“ einen Bazar mit kleinen Geschäften für Gewürze, Gemüse, Kleidung und Nippes. Hier lohnt sich  auch der Stopp in einem der kleinen Restaurants für frische Falafel oder Shawarma. Frische Säfte kann man fast überall auf dem Weg kaufen und sollte man auch. Mein Favorit ist und bleibt Granatapfel!

Mahane Yehuda: Markt und Nightlife

Was wäre ein Food-Trip ohne Marktbesuch? Überhaupt gehören Märkte zu meinen liebsten Zielen bei Reisen. Ich finde, hier offenbart sich immer sehr gut das Gesicht eines Landes. Die Auswahl der Produkte, die Masse an Menschen, auf die man trifft, geben einen spannenden Einblick. Der Mahane Yehuda liegt außerhalb der Altstadt und gilt mit bis zu 200.000 Besuchern täglich als größter Markt Israels. Frisches Gemüse, Havla – eine klassische Süßigkeit auf Sesambasis – und immer wieder Granatäpfel! Dass die in Israel so gut wie überall zu finden sind, liegt übrigens daran, dass sie im jüdischen Glauben eine besondere Rolle spielen. Die augenscheinlich 630 Kerne eines Granatapfels werden als Referenz an die 630 Gebote des jüdischen Glaubens betrachtet.

Abends verwandelt sich der Markt übrigens in ein atmosphärisches Wirrwarr aus Bars und Restaurants und damit zum perfekten Ziel für einen Drink. Besonders voll ist es Donnerstags, bevor der jüdische Markt dann für den Sabbath seine Pforten schließt.

Wo man in Jerusalem übernachten kann

Eine tolle Aussicht und ein wirklich großartiges Frühstück gibt es im Mount Zion Hotel. Israelis lieben ihr Frühstück und machen gerne auch mal einen Brunch daraus. In diesem Hotel hätte ich morgens auch ewig sitzen bleiben können: frisches Omelette, leckere Salate, Fisch, Obst, mhhhh! Einen Außenpool gibt es auch, der war mir aber schon zu kalt und schließt im November auch. Das Interieur ist jetzt nichts für designhungrige Puristen, aber gemütlich und authentisch. Gerade die Lage macht das Hotel für mich zur idealen Location für eine Reise nach Jerusalem.


Vielen Dank an das Israelische Tourismusbüro für die Einladung zu dieser Reise. Und auch ein Dank an meine Blogger-Kollegen von kunterbuntweissblau und schlaraffenwelt für das geduldige Fotografieren, so dass ich auch mal auf dem ein oder anderen Bild zu sehen bin : ) 

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