Es gibt Themen, die will man am liebsten gar nicht besprechen oder beschreiben, in der Hoffnung, dass sie dadurch einfach verschwinden. Leider funktioniert das nicht und dieses Jahr hat mir selbst gezeigt, wie fragil das Leben ist. Dass Menschen plötzlich aufhören zu sein und ein Platz zurückbleibt, der sich einfach nicht mehr füllen lässt.

Hier sitze ich also vor einem Thema, das mir selbst wirklich am Herzen liegt und frage mich: wie beginnt man so einen Artikel am Besten? Vielleicht mit einem harten Fakt – denn, was viele vielleicht nicht wissen – alle drei Minuten stirbt in Deutschland ein Facebook-User.

Doch wie geht man mit den Profilen von toten Menschen um? Und wie kann man seine Profile auf den Tod vorbereiten? Ich ertappe mich, wie ich regelmäßig das Facebook Profil eines in diesem Jahr verstorbenen Freundes anklicke. Um zu sehen ob es da doch noch eine „versteckte“ Botschaft gibt die Antwort auf die vielen Fragen im Kopf gibt, um zu checken ob die vielen Bilder und Status-Updates aus den letzten Jahren noch da sind – und vielleicht auch irgendwie um „gemeinsam zu trauern“.

Ist ein Facebookprofil die moderne Grabstätte um an die Gegangenen zu denken? Ich bin fast dankbar, dass es diesen „Ort“ für mich und andere Hinterbliebene gibt.

Die Initiatoren von “machts-gut.de” zum Beispiel sind der Meinung, man solle auch digital sterben. Heißt im Umkehrschluss: Man solle seine Passwörter auch für Hinterbliebene zugänglich machen – oder sich gleich eine Erklärung zum digitalen Vermächtnis herunterladen. So kann man eine Person bestimmen, die sich nach dem Ableben um die Verwaltung der Accounts kümmert. Ein digitales Testament also? Warum eigentlich nicht.

Social Media: Bist du kein Superstar, wird es nicht leichter

Doch gerade Facebook macht es den Usern in diesem Fall nicht leicht. Hier müssen Angehörige zunächst den Tod einer Person nachweisen – nur so kann der aktive Account bei Nicht-Prominenten zu einer “Gedenkseite” werden. Bei Twitter müssen Hinterbliebene das Passwort kennen und den Account selber löschen. Und will man das eigentlich? Und was, wenn der Tod so überraschend kommt, dass man diese Vorkehrungen nicht treffen kann? Und wie funktioniert das eigentlich – Trauern im Social Web? Fragen über Fragen.

Unser digitaler Output ist für viele eine Spur, die wir im Leben hinterlassen. Möchten wir, dass unsere Kommentare und Blogeinträge weiterhin im Netz stehen, damit Angehörige und Freunde sich an gemeinsame Erlebnisse erinnern können? So kann man weiterhin in alten Fotos stöbern. Oder eben auf der Profilseite Bilder und Kommentare ablegen – wie Kerzen und Blumen auf einem Grab.

Trauern auf der Pinnwand – ein Tabuthema?

Viele finden dies makaber. Doch sollte es in der digitalen Welt genau so wie in der analogen erlaubt sein, seine Trauer auszudrücken, und den Hinterbliebenen sein Mitgefühl zu schenken. Dass Facebook hier beispielsweise den Gedenkstatus eingeführt hat, ist vielleicht ein positiver erster Schritt. Und vielleicht ist hier die Mischung aus beiden Welten die beste Lösung. Sich online an die gemeinsamen Ausschnitte aus einem Leben zu erinnern, und offline vor dem Grab zu stehen und um einen echten Menschen zu trauern.

Wer sich weiter zu diesem Thema informieren möchte, dem möchte ich Lisa Rank ans Herz legen. Mit ihren Vorträgen, Artikeln und Büchern ist sie eine der ersten deutschen Publizistinnen, die auf dieses Thema aufmerksam gemacht hat.

Wie ist eure Meinung zu diesem sensiblen Thema? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

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