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Schwere Kost in warmen Farben. Während der Abspann von Nicole Garcias Verfilmung des Bestsellers von Milena Angus läuft, rattert mein Kopf. Der französische Film „Die Frau im Mond“ hat mich zum Denken gebracht und mir ein paar Fragezeichen in den Kopf gezaubert. Es sind zum einen Fragen über die Freiheit selbst zu entscheiden. Über den eigenen Körper, Sexualität und die Normen und Grenzen für und zwischen Mann und Frau, Normalität und Wahnsinn.

Opfer der Liebe auf Französisch: was passiert

Der Film entführt uns in das Frankreich der 40er Jahre. Dort lebt Gabrielle in ländlicher Umgebung bei ihren Eltern in der Provence und träumt recht offen von Liebe und ausgelebter Sexualität. Zu offen für den biederen, zu engen Raum ihrer Heimat. Sie eckt an, wird zum Skandal und schließlich von ihrer eigenen Familie für verrückt erklärt. Ein Mechanismus, der in der Geschichte immer wieder und immer noch greift, wenn weibliche Körper und Gedanken zu viel Raum, zu viel Fortschritt oder Freiheit beanspruchen. Um einer Einweisung zu entgehen, stimmt Gabrielle schließlich einer Zweckehe mit dem Maurer José zu, der ihren Ruf wieder herstellen soll.

Während José und mit ihm offenkundig das Patriarchat im ersten Moment zu verurteilen scheint, schafft der Film es doch seinen Hauptfiguren immer mehr als bloß eine Seite einzuzeichnen, so dass die Sicht auf die Dinge, für den, der sich darauf einlässt, meist mehr als eine Dimension erhält. Die Frage von Opfer und Triumph, Freiheit und Gefangenschaft wird während guter zwei Stunden Laufzeit von Marion Cotillard als Gabrielle und Alex Brendemühl als José immer wieder neu ausgelotet. Besonders als mit dem im Indochina-Krieg verwundeten Leutnant André Sauvage, den Gabrielle wegen schwacher Gesundheit im Sanatorium kennenlernt, eine Dreiecksgeschichte entsteht, die eine ungeahnte Wendung nimmt.

„Die Frau im Mond“: ein Fazit

Vorab sollte ich sagen, dass ich das Buch von Milena Angus nie gelesen habe und damit nicht beurteilen kann, ob die Verfilmung dem Stoff nun gerecht wird. Was ich sagen kann: der Weg ins Kino ab dem 02. März lohnt sich.

Nicht nur, weil ich die Bildsprache mochte. Die warmen Farben, die Einstellungen, von denen jede auch eine Fotografie hätte sein können. Die Ruhe, manchmal fast Kühle, mit denen Cotillard und Co. die Fragen, um die großen Gefühle entfachen. Die Mehrschichtigkeit der Positionen, die es schwierig macht, klar zu entscheiden, wer „gut“ oder wer „schlecht“ ist. Wer nun das Opfer und wer den Gewinner darstellt. Wer verrückt und wer „normal“ ist. Die Idee, das Frauen, die sich frei und selbstbestimmt bewegen wollen, als krank erklärt werden und dann zu Teilen in genau dieser Position vielleicht wieder Freiheit finden können. Der Untertitel spricht von „Erinnerung der Liebe“. Für mich ist „Die Frau im Mond“ vielleicht sogar mehr die Frage, welche Opfer sie fordert.

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