Endlich ist es soweit. Langsam, ganz langsam werden die Tage wieder länger, und wenn die Sonne ab und zu mal wieder durch die Wolken bricht, ist es, als wenn sie eine Erinnerung mitbringt. Die Erinnerung an Wärme und Leichtigkeit, Licht und Freude. Der Winter mit seinen dunklen Tagen macht oft vieles im Gemüt schwerer. Um einfach kurz zum Briefkasten zu laufen müssen erstmal Schal, Mütze, dicke Jacke und die gefütterten Schnürstiefel angelegt werden, um bereit zu sein. Ich freue mich auf Flip Flops.

Und im Inneren? Die Dunkelheit macht mir sehr zu schaffen, und verleitet mich eher zu der Hingabe meiner Zweifel, Ängste und Sorgen.

2016, ein Jahr von dem ich mich frei machen musste

2016 war ein heftiges Jahr, für die ganze Welt irgendwie und für uns persönlich unbeschreiblich. Im Juni erreichte uns die Diagnose, dass unser Sohn an einer schweren Knochenmarkserkrankung leidet und seine einzige Chance auf Heilung eine Stammzellentransplantation ist. Wumms! Da öffnete sich genau eine Tür während alle anderen zugeschlagen wurden, und da mussten wir durch. Und das sind wir auch, gemeinsam und Hand in Hand, Herz an Herz, und der kleine große Superheld hat alles so gut und tapfer überstanden, dass wir unsere Dankbarkeit täglich unzählige Male als Gebete in den Himmel schicken.

Nun, wo das Licht wiederkommt, schleichen all diese Gefühle noch immer wie Schatten um mich herum. Ich möchte sie loswerden. Ich möchte den Ballast abwerfen, alles, was ich buchstäblich in mich reingefressen habe. Ich möchte es im inneren wie im äusseren loslassen und: heulen. Einmal nur, solange, bis nichts mehr kommt. Denn auch wenn es in Dir brodelt, Dein Körper hält die Tränen fest, damit dein Kind sie nicht sieht.

Ich fühle mich so verstopft, und an Zufälle glaube ich nicht. Eines Abends auf dem Sofa fällt mein Blick in das Bücherregal auf den Titel: „Wie neugeboren durch Fasten“. Seit Jahren habe ich einige Ratgeber zu diesem Thema daheim im Regal stehen. Bisher standen sie dort auch als Urkunden einer Sehnsucht nach eben diesem Erlebnis: Leer werden. Ich erinnere mich kaum noch an den Zustand, voller Energie und mit guten Gedanken in den Tag zu starten und diesen wahrhaftig zu er-Leben.

Die Sehnsucht nach dem“leer werden“

Für viele von uns ist es ja nicht gerade einfach denkbar geschweige denn machbar, so ein Heilfasten. Die Familie möchte ja auch bekocht, umsorgt und gut verpflegt werden. Die Pflichten im Alltag und die Arbeit lauern daheim in jedem Winkel und wenn wir ganz ehrlich sind, ist es total unvorstellbar, eine Woche auszurücken, um etwas für die eigene Seele und den Körper zu tun. Obwohl die Idee ganz gut klingt, oder?

Ich versuche, den Verstand auszuschalten, womit mein Fasten irgendwie beginnt. Ich buche eine Woche Heilfasten an der Nordsee nach Buchinger im Mirarmar Hotel Tönning, nur eine gute Stunde von Hamburg entfernt. Es sind noch 1,5 Wochen hin, aber mit dem Entschluss und der Vorfreude versuche ich bereits jetzt, meinen Körper etwas auf die Fastenkur vorzubereiten. Weil ich weiß, dass es mir zu schaffen macht und unfassbare Kopfschmerzen mitbringt, lasse ich meine vermeintliche Tasse Glück am morgen weg, den Kaffee. Dabei trinke ich gar nicht viel davon, ich meine mir immer einzubilden, ich käme ohne ihn nicht aus dem Bett und nicht in den Tag hinein. Bereits am Nachmittag des ersten Tages geht es los, die Kopfschmerzen kommen und werden so unerträglich, dass ich mich davon übergeben muss. Wenn ich das nicht ca. 1,5 Jahre vorher schon einmal erlebt hätte, würde ich jetzt auf Grippe tippen. Aber was für eine.

Ich verzichte darauf, eine Tablette einzuschmeißen, denn ich möchte meinen Körper jetzt erleben. Eine kleine runde Bombe Chemie vermag Linderung zu verschaffen, aber bringt ja wieder andere Stoffe mit in den Körper. Kalte Kompressen im Nacken, ein Spaziergang an der frischen Luft und viel Wasser trinken helfen tatsächlich, und ich werde müde. Nein, keine Grippe. Entzug nennt man das. Halleluja!

Dieses Leiden macht mich aber auch wieder nachdenklich. Wie viele Dinge führen wir uns täglich zu, die uns eigentlich nicht gut tun? Ganz von alleine beginne ich, auf Zucker und jegliche Art von Kohlenhydraten zu verzichten und auch auf Milchprodukte. Und es bleibt wirklich genug übrig. Ich habe großes Verlangen nach frischen Obst und Gemüse, nach Smoothies und frischt gepressten Säften und viel Wasser!

Ich packe meinen Koffer für diesem etwas anderen „Urlaub“

Was packe ich bloss in meinen Koffer? Ich bin aufgeregt dass eine Ruhephase ansteht und ziemlich überfordert mit diesen Gedanken. Bücher, gemütliche Kleidung, Haus- und Wanderschuhe für Spaziergänge, sogar meine Yogamatte passt in den Koffer. Snacks für die Reise brauche ich ja nicht – völlig ungewohnt, sowas vorzubereiten liebe ich normalerweise und gehört es total dazu. Es ist schön und spannend, das Denken einmal umzuwerfen.

Unsere Fastengruppe in Tönning kommt das erste Mal an einem Sonntag zusammen. Wir sind 5 Teilnehmerinnen, alle aufgeregt. Ich traue meinen Augen nicht, als wir das Seminarzimmer betreten, in dem die Fastenleiterin Heike Schubert auf uns wartet. Es übertrifft alle meine Erwartungen und bereits in diesem Moment habe ich das absolute Vertrauen gefasst, dass diese Woche eine wundervolle und heilsame Erfahrung werden wird.

Auf einer ca. vier Meter langen, mit Teelichtern dekorierten Tischreihe erwarten uns die leckersten Teesorten (alle aus biologischem Anbau) und Heilerden aller Art, dazu Honig, Apfelessig, Schüsslersalze, Zitronen, Grapefruit und Orangenspalten, Sonnenblumenöl und neben Ingwer noch irgendwelche Wurzeln, die ich (noch) nicht kenne. Auch Eicheln liegen dort. Aha. Eicheln. Der Duft frischen Ingwers durchströmt den Raum und ich habe fast das Gefühl, im Schlaraffenland anstatt in einer Fastenkur gelandet zu sein, also verglichen mit dem Level, den ich mir zuvor ausgemalt hatte. Auf einer weiteren Tischreihe befindet sich eine Bibliothek mit Büchern zum Thema Gesundheit, Ernährung, Fasten, Entgiftung und Ökologie. Langweilig wird uns also nicht werden, im Gegenteil, ich glaube dass wir verdammt viel lernen können in der kommenden Woche.

Heilfasten nach Buchinger ist keine Nulldiät, sondern eine Trinkkur, bestehend aus Tee mit Honig, einer frischen Gemüsebrühe am Mittag und ein frisch gepresster Obst und Gemüsesaft aus zwei- drei Komponenten am Abend. Vor dem Morgentee steht bereits eine Bewegungsmeditation an und nach dem Tee Wattwanderungen. Nach der Gemüsebrühe ist unbedingt Ruhe angesagt, kombiniert mit dem schönen Erlebnis eines Leberwickels. Leber was? Unser Wochenplan wirft noch einige Fragen auf, aber die Gruppe harmoniert sofort und Heike nimmt sich wirklich Zeit für alle Fragen. Ein Leberwickel ist sozusagen eine Reiztherapie für die Leber und regt sie an, zu arbeiten und Giftstoffe auszuscheiden. Dazu legt man einen warmen, feuchten Waschlappen unter den rechten Rippenbogen und darauf eine mit heißem Wasser gefüllte Wärmflasche und darüber ein Handtuch. Man legt sich sofort hin und bleibt 20 Minuten so liegen. Ich bin gespannt.

Die Sache mit dem Darm

Aber soweit sind wir noch nicht. Noch lange nicht, denke ich aus Respekt dem nächsten Schritt gegenüber, der mich etwas bewegt: Das Thema Darmreinigung. Denn damit die Reinigung und die anschliessende Regeneration des Darms beim Fasten erreicht wird, muss er am Anfang komplett geleert werden. Altlasten in unseren Gedärmen können für viel Übel verantwortlich sein, Rückstände unserer Nahrung die sich in den Darmzotten ablagern können sich dort jahrelang festsetzen und für Entzündungen, Koliken und sogar Allergien verantwortlich sein. Also, raus damit. Abführen mit Glaubersalz oder Bittersalz ist der erste Schritt. Ich muss schon bei der Vorstellung, Salz zu trinken, mit dem Würgreiz kämpfen.

Wir bekommen eine Tasse mit warmen Pfefferminztee und 20-40 mg Glaubersalz vor die Nase gestellt, daneben liegen die Zitronenschlitze, um den Geschmack nach jedem Schluck zu neutralisieren. Salz schmeckt ja eigentlich nach nichts, es ist eben salzig, und so verleibe ich mir den Tee rein und stelle mir vor, ich wäre auf ’ner einsamen Insel gestrandet und und kann verdammt nochmal froh sein, aus dem Meerwasser Pfefferminztee zu machen. Hat nicht geholfen, aber das Glas war zackig ausgetrunken.

Dann verteilt Heike die Utensilien für den Einlauf bzw. die Einläufe, die wir jeden morgen ungefähr um sieben Uhr zur Mastdarmaktiven Zeit durchführen sollen. Das Klistierrohr ist ein ca 40 cm langer Schlauch aus weichem Silikon und an einem Behälter befestigt, in dem Platz für ein Liter lauwarmes Wasser ist. Der Behälter wird befüllt an die Türklinke gehangen und der Schlauch wird ganz langsam… okay, den Rest könnt ihr der Packungsbeilage entnehmen ;) Jedenfalls lasst euch noch eines dazu gesagt sein: Man sollte sich dabei entspannen und auf jeden Fall in der Nähe einer Toilette aufhalten, da das alles oft ziemlich schwallartig heraus möchte. Es klingt alles nach Frühlingsputz, und genau deshalb bin ich hier.

Wurzeln und Erde

Diese andere „Wurzel“, die ich bisher noch nicht kannte, ist übrigens gar keine Wurzel, es ist die Cassia Fistula, auch Manna (indischer Goldregen) genannt. Die Castia Fistula hat ebenfalls abführende Eigenschaften und spielt insgesamt eine unschätzbare Rolle bei der körperlichen Entgiftung. Essen kann man die Cassia Fistula nicht, aber in den schwarzbraunen Stangen befinde sich kleine, kreisrunde Plättchen, die von einem angenehm süsslich schmeckendem Fruchtmark umgeben sind. Diese Plättchen werden in Wasser gegeben und dieses Wassers schmeckt nach einer längeren Ziehzeit wunderbar erfrischend und süsslich. Es ist wirklich ein Genuss.

Somit wäre unser Plan für die nächste Woche geschmiedet. Ich bin total aufgeregt und weder müde noch hungrig, einfach nur dankbar für die Möglichkeit, ganz bewusst loszulassen in der Hoffnung, die Wirksamkeit der Naturheilmittel, die uns hier zur Verfügung stehen, wird sich mit dem bewussten Verzicht auf Nahrung und der Bewegung voll entfalten.

Ein besonderes Auge habe ich auf das Zeolith geworfen. Zeolith ist eine Heilerde aus dem Vulkangestein und ja, man kann dieses Pulver in Wasser einrühren und trinken. Zeolith besitzt die Fähigkeit, Säuren, Bakteriengifte, freie Radikale und vor allem Schwermetalle im Magen Darm Trakt an sich zu binden und über den Stuhl mit auszuscheiden. Es gibt ganz viele verschiedene tolle Heilerden, die unser Bindegewebe stärken, den Körper entgiften und ihn mit wichtigen Mineralien versorgen.

Ich gehe in dieser Nacht original einmal zur Toilette. Das Glaubersalz hätte etwas mehr Wirkung zeigen können, aber das tut dann der Einlauf am morgen.

Einläufe kenne ich schon seit früher Kindheit, also kann ich das Prozedere ganz entspannt angehen. Es ist ganz anders, sich während einer Fastenzeit morgens im Bad aufzuhalten. Da wir den ganzen Körper dazu anregen wollen , Gifte auszuscheiden und keine neuen zu uns zu nehmen, putzen wir die Zähne ausschliesslich mit Zahnpaste ohne Fluorid.

Anschliessend nehme ich einen Esslöffel Sonnenblumenöl in den Mund und schwenke diesen ca. 15 bis 20 Minuten hin und her, zwischen den Zähnen hindurch, von links nach rechts und zurück. Bei der sogenannten Ölziehkur werden Gifte über die Mundschleimhaut ausgeschieden und zwar in so heftiger Konzentration, dass man das Gemisch am Ende auf keinen Fall in den Abfluss oder die Toilette spucken darf, damit diese Gifte nicht in den Wasserkreislauf gelangen. Ich nehme einfach ein Stück Klopapier und packe das dann in den Mülleimer.
Auf Shampoo und Duschmittel verzichte ich komplett, nur mein Rosenöl von Weleda, davon komme ich nach dem Duschen nicht los.

Angekommen, bei mir und meinem Körper

Ab jetzt beginnt eine Zeit des Wechsels aus Bewegung, Ruhe, Gesprächen, Gedanken, und wieder Kopfschmerzen am Abend. Die Entgiftung ist in vollem Gange und so schön es ist, es zerrt auch an den Kräften, vor allem an den Emotionen. Als ich Abends in meinem Hotelzimmer ankomme, fliesst irgendwie alles. Es tut so gut, alleine zu sein und das zulassen zu können. In der Nacht träume ich, dass mein Bruder stirbt und wache völlig verwirrt auf.
Nach dem Morgentee klinke ich mich komplett aus der Gruppengemeinschaft aus, es kommt zuviel hoch. Kein Appetit, kein Hunger. Ich mache zwei Stunden Yoga auf meinem Zimmer, gefolgt von einem 2 Stunden Spaziergang auf dem Deich.

Der Nordseewind pustet mir den Kopf frei. Ich gehe energisch, laufe fast, aber ohne Hetze, und auch ohne Ziel. Ich bin mit mir selber alleine und trotzdem spüre ich diese nervöse Unruhe, die mir irgendetwas sagen will. Sie sagt mir, lass los, und erwarte doch mal einfach gar nichts. Die Gewohnheit, sich ununterbrochen Gedanken zu machen und im Tagesablauf zu funktionieren, hat all meine Zellen so trainiert, dass sie nur noch für Pflichten aktiv werden und stark sind. Sobald es um Entspannung geht oder den Wunsch, einfach mal nichts zu tun, meldet sich das schlechte Gewissen, und das nicht nur in Gedanken, ich spüre es fast als körperlichen Schmerz, mein Herz rast und die Luft wird knapp.

Daheim stürze ich mich umgehend zurück in irgendeine Tätigkeit, dann schmeißt man halt ne Waschmaschine mehr an für den Tag oder putzt ein Fenster, einfach, damit dieser innere Schweinehund aufhört zu plappern. An diesem zweiten Tag des Fastens war ich so verzweifelt vom Nichts Tun, dass ich mit meinem Auto in eine Werkstatt vor Ort gefahren bin, um den längst überfälligen Ölwechsel vornehmen zu lassen. Die Liste der Dinge, die nicht fertig werden, hört nie auf. Es gibt Menschen, die das nicht verstehen und auch nicht nachvollziehen können, weil sie es glücklicherweise schaffen, abzuschalten. Ich habe es verlernt oder auch noch nie beherrscht, aber Fakt ist: diese Unruhe ist ungesund. Vor allem, wenn man sie, anstatt das Unkraut rauszureissen, mit immer mehr Erde überdeckt in der Hoffnung, dass das kleine aktive Monster erstickt. Das tut es nicht. Es wird immer seinen Weg finden, bis wir uns ihm stellen und endlich an dem Punkt sind, den Boden umzupflügen.

Das Fasten bewegt mich so sehr und ich bin so froh, als ich mich am Abend der Gruppe wieder anschliessen kann, wo sich herausstellt, dass jede der Teilnehmerinnen ihre Kämpfe kämpft und sich Gedanken und Muster wieder zeigen, mit denen man sich bewusst schon eine ganze Weile nicht beschäftigt hat. Meike und ich gehen später in die Sauna, was auch gut tut, da der Stoffwechsel nun bereits absolut auf Sparflamme geht. Das Sauna genau wie der Leberwickel und das Kneippen eine Reiztherapie ist, war mir bis dahin noch gar nicht so bewusst. Aber wir schwitzen was das Zeug hält. Ich beobachte fast meditativ, wie sich die Poren öffnen und die Schweißperlen die Haut hinunter fließen, ganz bewusst, dass mein Körper in der Lage ist, Gifte loszulassen und sie wieder abzugeben, weil sie ihm nicht gut tun. Mein Körper ist jetzt der Lehrer meines Geistes, der das auch versuchen möchte. Es sind viele kleine Schritte, die man hier bewältigt. Der Verzicht. Die Bewegung. Die Gedanken. Das Ausscheiden. Das Begreifen. Das Sprechen. Das Schweigen. Und dann versteht man von ganz allein.

Die täglichen Spaziergänge sind wundervoll. Wir sammeln Muscheln am Strand von St. Peter Ording, laufen barfuss durch das Watt, geniessen einen Löffel Honig, der als Kaliumlieferant dient, damit der Elektrolythaushalt nicht aus den Fugen Gerät, und trinken unterwegs viel Ingwer Tee mit Apfelessig. Der Apfelessig ist ein starker Entgifter und stillt den Hunger, falls dieser auftritt. Grapefruit und Zitronenspalten sind immer dabei, um als Vitaminquelle ausgelutscht zu werden.

Wir „essen“ Saft und bringen Licht in die Rumpelkammer

Jeden Abend haben wir eine tolle Zeit als Gruppe. Heike liest uns Geschichten vor, wir meditieren und geniessen unseren frisch gepressten Saft wie eine ganze Mahlzeit. Er ist so fein gepresst und trotzdem ist es, als würden wir den Saft ESSEN. Die Verdauung beginnt im Mund, der Speichel enthält soviele Verdauungsenzyme, die die Nahrung bereits aufspalten, damit die Wertvollen Inhaltsstoffe wie Vitamine und Spurenelemente besser aufgenommen werden können. Daran erinnert uns Heike jeden Abend. Wir müssen uns von der Hetze des Alltages zurück nehmen und wieder bewusster werden. Wir verbringen Jahre damit, unsere Körper und unseren Geist zu verstopfen, wie eine Rumpelkammer. Diese sind gewöhnlich dunkel, verstaubt und zu nichts zu gebrauchen.

In der Fastenwoche haben wir uns dieser Rumpelkammer bewusst zugewendet und zwar ausschliesslich. Die Fenster geöffnet und geputzt, die Gardinen gewaschen, den Sperrmüll raus gebracht und Staub gewischt. Und ein paar in Vergessenheit geratene Schätze wiedergefunden, die ihren Wert nie verloren haben.

Am Samstag morgen brechen wir das Fasten mit einer Apfel Meditation. Viele von uns brauchen eine halbe, manche eine ganze Stunde, bis sie ihren Apfel aufgegessen haben.Was für ein Genuss. Und die Nervosität hat aufgehört. Völlig ruhig und gelassen lutsche ich den Saft aus den Fasern dieser Kostbarkeit, dankbar und auch ein wenig stolz, diese Woche so gut geschafft und soviel wertvolles erlebt und erfahren zu haben.

Was nun folgt, sind die sechs Aufbautage. Während des Fastens hat man wirklich keinen Hunger, weil der Magen und der Darm leer sind. Nun aber in den Aufbautagen, wenn man wieder beginnt faserige, feste Nahrung zu sich zu nehmen, fängt der Körper wieder an , Verdauungssäfte zu produzieren und er entwickelt Hunger. Durch das Fasten hat habe ich aber einen anderen Bezug zu „Hunger“ entwickelt, ich weiß, dass ich nicht nur auf das „Schlingen“ verzichten möchte, sondern dass eine Gabel voll Salat so ein Genuss sein kann, ein richtiges Abenteuer. Auf dem Rückweg nach Hamburg muss ich etwas lachen bei der Vorstellung, wie meine Jungs auf das neue Essverhalten reagieren. Ich werde mich nicht erklären wollen, nein ich bin mutig genug, dass ich das jetzt für mich so entscheide und stark genug, die kommenden Tage für mich selber etwas anderes zuzubereiten.

Die Wiedersehensfreude ist so riesengroß und unglaublich intensiv. Ich fühle mich erholt, stärker als zuvor und wirklich offen. Ich bin viel Ballast losgeworden, fühle mich erfrischt und leichter. 5,5 Kilo, sagt die Waage.

Heilfasten an der Nordsee – ich würde es wieder tun!

Jeder, der den Wunsch hat, sich eine Auszeit zu nehmen und etwas für sich zu tun, dem kann ich das Fasten nur empfehlen. Auch wenn Fasten vielen Krankheiten entgegenwirken kann ist es hier wichtig, zu erwähnen, dass Menschen, die sich krank fühlen oder gesundheitliche Probleme haben, eine Fastenkur vorher mit ihrem Arzt absprechen und in Begleitung einer Fastenleitung oder in einer Fastenklinik fasten. Ich habe übrigens unter „fasten-gesundsein.de“ gebucht, dort findet ihr Termine, Preise und weitere Infos.

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